Wie eine Beerdigung: Tengelmann verkauft Supermärkte an Edeka

Anzeige
Karl Erivan W. Haub, Geschäftsführer und persönlich haftender Gesellschafter der Unternehmensgruppe Tengelmann, bei der Bekanntgabe des Verkaufs der Kaiser’s-Tengelmann-Supermärkte.
 
Die Kaiser’s-Tengelmann-Fahnen werden nur noch bis spätestens Mitte des Jahres 2015 über der Zentrale an der Wissollstraße wehen.

Das könnte ein ganz schwarzer Tag für Mülheim gewesen sein. Am Dienstag, dem 7. Oktober 2014 hat Karl-Erivan W. Haub den Verkauf der Supermärkte Kaiser’s Tengelmann bekannt gegeben.

Ein sichtlich bewegter und emotional aufgeladener Karl Erivan W. Haub, Geschäftsführer und persönlich haftender Gesellschafter der Unternehmensgruppe Tengelmann, trat vor die geladene Presse und bekannte: „Das ist heute ein äußerst trauriger und tränenreicher Tag. Es ist fast wie eine Beerdigung. Wir sehen keine Perspektive mehr unsere Supermärkte aus eigener Kraft zu einem profitablen Unternehmen zu machen.“

Jahrelange Verluste

Nach 121 Jahren wird sich das Familienunternehmen von seinen Ursprüngen trennen. Die 451 Filialen mit insgesamt 15.958 Mitarbeitern und einem Netto-Umsatz von zuletzt 1.8 Mrd. Euro werden an EDEKA verkauft. Vorbehaltlich der Genehmigung durch das Kartellamt. Entsprechende Anträge werden in den nächsten Wochen ausgearbeitet und beim Kartellamt eingereicht.
„Das ist eine der schmerzlichsten Entscheidungen, die ich in meiner Unternehmerlaufbahn treffen musste. Ich habe das Unternehmen sozusagen mit der Muttermilch schon aufgesogen und bin in diesem Unternehmen groß geworden. Aber es geht nicht mehr. Schweren Herzens habe ich diese Entscheidung getroffen, vielleicht schon ein wenig zu spät, dass wir uns von den Supermärkten trennen müssen.“ so Haub weiter. Hintergrund sind jahrelange Verluste der Supermärkte, die durch die Unternehmensgruppe seit 15 Jahren immer wieder ausgeglichen wurden. Der Umsatzanteil der 451 Filialen am gesamtdeutschen Markt lag nur bei 0,6%. Damit waren die Märkte zu klein um eine Chance am Markt zu haben. Lange, vielleicht zu lange, hatte die Unternehmerfamilie Haub sich gesträubt von ihrem Kerngeschäft und des Traditionsgeschäftsfeldes zu trennen. Zum Schluss ging es jedoch darum, dass der Verkauf unausweichlich wurde, um den Mitarbeitern eine Zukunftsperspektive bieten zu können. „Meinem Vater ist es noch schwerer gefallen, diesen Entschluss mit zu tragen. Doch letztendlich mussten wir alle der Realität in die Augen schauen.“ sagte Haub.

Kein Geschäft gemacht

Am 7. Oktober hat Haub die Mitarbeiter und den Gesamtbetriebsrat von dem Schritt unterrichtet.
Dabei ging es wie Haub ausführte nicht um den Preis: „Wir haben mit dem Verkauf kein Geschäft gemacht. Es ging darum es in Gänze zu übergeben und möglichst viel für die Mitarbeiter zu retten. Die EDEKA-Unterhändler haben uns glaubwürdig versichert, dass sie es besser machen können als wir.“
Haub übte auch Selbstkritik. „Es gab Zeiten, da waren wir das größte Handelsunternehmen. Wir haben es aber nicht verstanden, darauf aufzubauen und es so weiter zu führen.“ Seit dem Sommer 2014 hatte es eine grundlegende Analyse des defizitären Supermarktgeschäftes gegeben. Das Ergebnis war eindeutig und auch die zuletzt getroffenen Entscheidungen sich aus manchen Regionen zurückzuziehen ging nicht mehr auf. Weiterhin führte die Suche nach Partnern zu keinem Ergebnis. „Das wäre die favorisierte Lösung für uns gewesen.“ So blieb letztendlich nur der Verkauf.
Neben den Mitarbeitern in den Filialen gibt es am Standort Mülheim noch weitere über 500 Mitarbeiter. Wie es damit weiter geht, vermochte Haub nicht zu sagen. Nur so viel: „Wir haben das alles in einem Gesamtpaket zusammen geschnürt. Alle Rechte und Pflichten sollen zum 30. Juni 2015 auf EDEKA übergehen.“ Sicher ist auch, dass der Name Kaiser’s-Tengelmann von der Bildfläche verschwinden wird. Nach einer sogenannten Aufbrauchzeit werden wohl überall EDEKA-Märkte statt Kaisers’s-Tengelmann-Filialen zu finden sein. Immer vorausgesetzt das Kartellamt stimmt dem Verkauf zu. Sollte dies, wider Erwarten nicht der Fall sein und es zum Worst-Case kommen, würden die 451 Filialen geschlossen und über 16.000 Mitarbeiter verlören erst einmal ihren Arbeitsplatz.

Zukünftig OBI und KiK

Für die Zukunft wird sich die Unternehmensgruppe auf die Ketten OBI, KiK und TEDI, allesamt Marktführer in ihren Bereichen, konzentrieren. „Die Zentrale dafür wird auf jeden Fall hier in Mülheim bleiben.“ Und für die Mülheimer Innenstadt hatte Haub auch noch ein kleines Bonbon anzubieten: „Sollte zügig entschieden werden, wie es mit dem „Kaufhof“ weiter geht, dann stünde auch einer neuen Filiale in der Stadtmitte nichts entgegen. Das würden wir auch den EDEKA-Leuten empfehlen.“
0
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.