Der Bauernhof Brinkmann (vormals: Schrülkamp)

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Brinkmannshof, Mitte der 1930er Jahre
 
Heinrich Brinkmann (1868-1953)
 
Bäckerei Bernhard Brinkmann, Birkenstraße 29, Bottrop, Geschwister Bernhard, Leo und Heinrich Brinkmann (v.l.n.r.), um 1917
 
Heinrich Brinkmann und Elisabeth Vornefeld Hochzeit, Bottrop, 18.06.1939
 
Brinkmannshof, Bottrop, 1930er Jahre
 
Das alte Hofgebäude aus dem Jahr 1737; eine Aufnahme vom 20.07.2011
Der Bauernhof Brinkmann (vormals: Schrülkamp)

Ursprung und Geschichte eines Hofes in der ehemaligen Bauernschaft Vonderort

Der Schrülkampshof (heute: Brinkmannshof) lag bis zur Eingemeindung von Vonderort nach Bottrop (1929) auf Osterfelder Boden. Der Stammhof der Familie Brinkmann lag in der Bauernschaft Lehmkuhle (Bottrop). Gemeinsam war beiden Bauernhöfen, dass sie zum Haus Vondern gehörten, dort Abgaben zu entrichten, Dienst- und Spannpflichten zu leisten hatten. Besitzer des Hauses Vondern waren ab dem Jahr 1722 die Grafen von Nesselrode.

Das genaue Alter beider Bauernhöfe lässt sich nicht ermitteln, ihr Ursprung ist jedoch verbunden mit der Geschichte des Hauses Vondern. Eine umfassende Veröffentlichung zur Geschichte des Hofes Brinkmann ist unbekannt; hier wird erstmalig versucht, die verstreuten Informationen zusammenzufassen.

Anhand von Kirchenbüchern der Gemeinde St. Pankratius lässt sich die Familie Schrülkamp in Osterfeld bis zurück ins Jahr 1725 nachweisen. Die Regesten der Kirchengemeinde St. Cyriakus, Bottrop, nennen den Namen Schrülkamp erstmalig im Jahr 1677.

Der Veröffentlichung des Bottroper Heimatforschers Karl Schophaus („Die ehemaligen Bauern- und Kötterhöfe in Alt-Bottrop“) ist zu entnehmen, dass der Name Brinkmann („Rotgher oppen Brynke“) urkundlich erstmalig im Jahr 1393 genannt wird.

Der Osterfelder Heimatforscher Bernhard Grünewald schreibt im Jahr 1921 in seiner "Festschrift zur Erinnerung an die Verleihung der Stadtrechte an die Gemeinde Osterfeld": "Außer den Steuern und anderen landesherrlichen Abgaben, die in die kurfürstliche Kellnerei zu Horneburg flossen, hatten die Bauern an ihre Grundherren feststehende Abgaben an Getreide, Vieh und Geld sowie zahlreiche Hand- und Spanndienste zu leisten. Den besten Einblick in diese Verhältnisse gewährt uns das vestische Lagebuch von 1660: Hermann Schrevelkamp gehört nach dem hauß fundern, gibt in contr. 1 Rtlr. 15 Stüber, item einhalb Sch. haber und ein halben rad. alb.. Jasper Brinkmann, gehört nach Fundern, ist dienstpflichtig, gibt in contr. 1 Rtlr. 15 St. einhalb Rtlr. Dienstgeld nebens gewöhnl. Diensten, drei Viertel haber und 1 rad. alb. Wenn man bedenkt, daß jeder Bauer und Kötter auch noch Kirchensteuer zu entrichten hatte, so ersieht man, daß ihr Los kein allzu beneidenswertes gewesen ist.“

Eine andere Quelle, die „Westfalenpost Bottrop“, zitiert Heinrich Brinkmann (* 06.09.1868; + 14.12.1953): "Der Bauer Heinrich Brinkmann vollendete am gestrigen Montag, dem 6. September 1948, bei guter Gesundheit sein 80. Lebensjahr.

Die Ahnenreihe der Brinkmänner reicht bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts zurück. Der Hof stammt aus dem Jahre 1737 und wurde erbaut von Hermann Schrülkamp und seiner Frau Anna Katharina, geb. Koppenborg. Der Enkel dieser Erbauer wurde in den Befreiungskriegen nach Russland verschleppt und kehrte nicht mehr zurück. Danach ging die Besitzung an den Ahnherrn der Brinkmanns über. Bis zum Jahre 1848 stand der Hof unter der Leibeigenschaft der Grafen von Vondern, der 20 Morgen vom Hof trennte und aufforstete. 1871 wurden dem Hof durch den Bau der Rheinischen Bahn sieben Morgen genommen. Auch die Besitzung Brinkmann an der Langenstraße und eine Parzelle an der Fernewaldstraße gehörten bis zum Jahre 1879 zum Hofe Brinkmann. Bis zum Jahre 1867 war der Hof verpachtet. Im September 1867 siedelte der Vater des Altersjubilars nach seiner Verheiratung mit Elisabeth Hörsgen – die in Fuhlenbrock bekannt war als Brink-Mutter – mit zwei Kühen, einem Rind und einem Pferd zum Hof über. Der jetzige Besitzer hat den Viehbestand bis auf 20 Stück Rindvieh und sieben Pferde gesteigert.

Auf dem Gebiet der Kaltblutpferdezucht hat der Altersjubilar Hervorragendes geleistet. 30 bis 40 Kilometer weit brachte er seine Hauptstammbuchstuten zu den besten rheinischen und westfälischen Beschälern und kein Opfer war ihm zu groß, um bestes Blut zusammenzubringen. Sehr wertvolle Spitzenhengste gingen aus seiner Zucht hervor. Zahllose Ehrenpreise sind der Stolz des Jubilars.

Wie seine Ahnen, so ist auch er eng mit der Scholle verbunden. Er vergaß über seinem Spezialgebiet – der Kaltblutpferdezucht – nicht seinen Hof. Seiner Ablieferungspflicht ist er in vorbildlicher Weise nachgekommen. Wiederholt hat er vom Reichsnährstand eine lobende Anerkennung erhalten. 450 Zentner Brotgetreide waren in den einzelnen Jahren keine Seltenheit, die er ablieferte. Vier Ochsen, neun Kühe, und über 70 Kälber lieferte er neben den Schweinen in der Notzeit ab, um zu seinem Teil der Allgemeinheit zu helfen.“

Über den oben erwähnten „Enkel der Erbauer“, der in den „Befreiungskriegen“ verschleppt wurde, erfahren wir beim verstorbenen Osterfelder Heimatforscher Dieter Kusenberg („Osterfeld – eine Heimatgeschichte“): „Auf den Schlachtfeldern Russlands haben auch einige Osterfelder ihr Leben lassen müssen. Arnold Theodor Kuhlmann, Gemeiner im 4. Bergischen Infanterieregiment und Peter Schrüllkamp, Gemeiner im 3. Bergischen Infanterieregiment fielen in Pawlask. In Osterfeld erzählte man sich aber, dass Schrüllkamp sich freigekauft haben soll. An seiner Stelle ist Hövelmann nach Russland gezogen."

Dem selben Zeitungsartikel ist zu entnehmen, dass der Hof bis zum Jahr 1867 verpachtet war. Ungeklärt ist, wer den Hof pachtete. Leider bleibt das Archiv der Familie von Nesselrode der Forschung unzugänglich. Christina Gräfin Nesselrode zu Herrnstein in Ruppichteroth teilte dazu schriftlich mit, dass im Krieg viel "Nesselrod'sches Altpapier" verbrannt sei und nach dem Tod ihres Ehemannes, Adolf Graf Nesselrode, niemand in der Familie Zeit habe, sich der "Familiengeschichte" zu widmen.

Eine Eintragungen aus dem „Tod Buch 1“ (1782 - 1868) der Kirchengemeinde St. Pankratius in Osterfeld gibt zu Spekulationen Anlass: "10.09.1832 – Anna Maria Brinkmann, geb. Schrülkamp (33 Jahre), Ehefrau des Hermann Brinkmann aus Bottrop, Ackersmann, Vonderort, (hinterlässt) 1 minderjähriges Kind".

Auch die Ahnenreihe des Bauern Heinrich Brinkmann ist fraglich. Im Jahr 1982 schrieb Manfred Grewe in seiner Veröffentlichung „Der Große-Brockhofs Hof“, dass der Stammvater Heinrich Brinkmann am 27.10.1836 als Peter Gottlieb Kleine Wortmann getauft worden sei und dass auch sein Vater, der Holzhändler Bernhard Heinrich Kleine Wortmann, und sein Großvater Franz Kleine Wortmann bereits den Namenszusatz „genannt Brinkmann“ führten.

Heinrich Brinkmann (Peter Gottlieb Kleine Wortmann) stammte aus Bottrop und heiratet in der Bottroper Kirche St. Cyriakus Elisabeth Hörsken. Mit ihr erwarb er den früheren Schrülkampshof, heute bekannt als Brinkmanns Hof.

Damals war es üblich, dass der auf einen Hof einheiratende Ehemann den Namen des Hofes annahm und einen Namenszusatz führte. Der Namenswechsel, vom Hof Schrülkamp zum Hof Brinkmann, bleibt allerdings rätselhaft. Vielleicht hatte der Leib- und Grundherr (Graf von Nesselrode) ein Interesse an der neuen Namensgebung für den ehemaligen Hof Schrülkamp. Nachbarschaftliche und familiäre Beziehung zwischen den Familien Kleine Wortmann, Brinkmann, Hörsgen und Schrülkamp sind bereits für die Zeit vor der Übernahme des Hofes Schrülkamp nachweisbar.

Zum Beispiel klärt die "Populationsliste von Bottrop und Osterfeld 1806", dass
die Bauern Kleine Wortmann und Brinkmann („Brinkbauer“) Nachbarn waren: „Lehmkuhle, Bauerschaft, Haus Nr. 24, der 72jähr. Bauer Joh. Diedr. Brinkbauer wohnt mit Ehefrau in Leibeszucht beim 37jähr. Bauer Franz Brink (Franz Kleine Wortmann, genannt Brink). Dieser lebt mit Ehefrau, 2 Töchtern u. den Söhnen Henr. 13 J., Hermann 6 J, Joh. 4 J., Bernh. 1 J.“ und „Lehmk., Bschft., Haus Nr. 26, Bewohner Bauer Henrich Kl. Wortmann, 39 j. alt, 2 Töchter u. 2 Söhne, Henrich u. Hermann“.

Dieselbe Einwohnerliste: „Fuhlenbr. Bschaft. Haus Nr. 58 wohnt der 36jähr. Ackersmann Bertram Schrülkamp mit seiner Ehefrau“.

Auch die Regesten des Pfarramtes St. Cyriakus, Bottrop, Buch Trauungen, belegen die verwandtschaftlichen Beziehungen der genannten Familien: "1694 – Jan auf dem Kleinen Wort (Kleine Wortmann) und Anna Schrülkamp; 1706 – Brinkmann Margarethe, Erbin des Hofes und Herman Hörsgen, genannt Brinkmann; 1792 – Brinkbauer Joes Henrich und Anna Maria Böhmer; 1796 – Witwe Brinkbauer (Anna Maria Böhmer, 2. Ehe) und Franz Kleine Wortmann".

Das „Tod Buch 1“ (1782 - 1868) der Kirchengemeinde St. Pankratius, Osterfeld bestätigt diese Beziehungen: „10.09.1832 – Anna Maria Brinkmann, geb. Schrülkamp (33 Jahre), Ehefrau des Hermann Brinkmann aus Bottrop, Ackersmann, Vonderort, 1 minderjähriges Kind“.

Zur Klärung der jüngeren Geschichte des Bauernhofes Brinkmann gelang es den heutigen Besitzer, Heinz (Heinrich) Brinkmann (70) und seine Schwester, Maria Schwanewilm (63), zu befragen.

Aus dem Gespräch mit Heinz Brinkmann: Das alte Wohnhaus mit Stall wurde im Jahr 1737 in Fachwerkbauweise errichtet; im Jahr 1933 wurde damit begonnen, die Außenwände mit Ziegelmauerwerk zu verkleiden. Während des 1. Weltkrieges verlieh Heinrich Brinkmann Pferde an die nahe gelegene Zeche Jocobi. Beim Bau der Kirche St. Marien auf Rothebusch spendete er Altar und Tabernakel.

Im April 1945 lagen US-Soldaten 10 Tage auf dem Brinkmannshof. Die Straßenbrücke über die Schlucht, worin die Rheinische Eisenbahnstrecke verlief, war von den zurückweichenden deutschen Truppen vermint worden. Am Hof hatten die Amerikaner eine Geschützstellung, von wo aus sie in Richtung Dellwig schossen. Aus Langeweile schossen die US-Soldaten mit ihren Gewehren auf Schwalben, die sich, wie in jedem Frühjahr, zahlreich am Brinkmannshof einfanden. Während dieser 10 Tage musste die Familie im Keller
leben.

Nach dem Krieg plünderten freigelassene Kriegsgefangene die umliegenden Bauernhöfe. Die Frauen flohen mit den Kindern, den Kühen und den Pferden zu Nachbarn. Der Vater und der Großvater blieben nachts allein auf dem Hof.

Als die Plünderer den Brinkmannshof erreichten, wurden beide mit Waffen bedroht und in den Keller gesperrt. Die wilde Horde stahl Lebensmittel und stach eine Menge Schweine ab, die sie mit einer Karre abtransportierten. Auf dem Weg zur Straße trafen sie auf eine US-Militärpatrouille und wurden angehalten. Der Anführer der Räuber wurde dabei von den Amerikanern erschossen.

Früher ernährte der Hof die Familie. 50 Morgen Land waren Eigentum, 40 Morgen waren gepachtet, davon 10 Morgen vom Grafen von Nesselrode und 30 Morgen von der GHH (Gutehoffnungshütte). Im Jahr 1960 wurde der Pachtvertrag von der GHH gekündigt, weil die Stadt Bottrop auf der Fläche den Parkfriedhof erweitern wollte. Schon in früheren Jahren mussten 20 Morgen Pachtland, welches dem Grafen von Nesselrode gehörte, wieder abgegeben werden, weil dieser die Fläche für den Betrieb von Formsandgruben zur Verfügung stellte.

Mit einer vergrößerten Hühner- und Schweinehaltung versuchten die Eltern, den Einnahmeverlust auszugleichen. Die Schweinehaltung bestand bis in das Jahr 1970. Von 1962 bis 1969 war eine Halle des Hofes an die Bottroper Firma Stadtmann vermietet, die dort eine Kraftfuttermischanlage betrieb. Ab dem Jahr 1969 arbeitete Heinz Brinkmann als Leiter der Firma Stadtmann. In den 1960er Jahren verzog der benachbarte „Haskebuer“ (Josef Beckedahl). Brinkmanns bewirtschafteten noch einige Jahre dessen ehemaligen Felder, die auf Rothebusch entlang der Siepenstraße hoch zur Ripsdörnestraße reichten, bis die Stadt Oberhausen das Land für den Bau eines Altenheims benötigte. Im Jahr 1970 übernahm Heinz Brinkmann den Hof und führte ihn als landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetrieb fort.

Wie schon der Vater, ist auch Heinz Brinkmann dem Motorradsport verbunden. Von 1962 bis 1967 war er Vertragsrennfahrer der Werksmannschaft des Motorradherstellers „Hercules“. Als Geländespezialist fuhr er Querfeldeinrennen bis 250 km. Von 1968 bis 1974 fuhr er für den Münchener Konkurrenten „Zündapp“ und zuletzt, bis 1976, wieder für „Hercules“. In seiner Spezialdisziplin errang Heinz Brinkmann zahlreiche nationale und internationale Titel: In den Jahren 1963, 1965 und 1967 war er auf einem Motorrad der Marke „Hercules“ Deutscher Einzelmeister. 1968 wurde er auf „Zündapp“ Mannschaftsweltmeister, 1969 auf „Zündapp“ Deutscher Meister und Europameister (Einzeltitel) sowie 1972 und 1974 auf „Zündapp“ nochmals Deutscher Einzelmeister. Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn als Motorradsportfahrer und dem Ende von Ackerbau und Viehzucht auf dem Hof machte er sich in Bottrop mit dem Handel und dem Bau von Motorrädern selbstständig.

Heute steht der Hof im Landschaftsschutzgebiet, das Land ist verpachtet an die Kinder (Thomas und Andrea), die dort eine private Pferdehaltung und Weidewirtschaft betreiben; das alte Wohnhaus und der Wald am Hof gehören den Eheleuten Heinz und Ursula Brinkmann.

Über die erwähnten Plünderungen zum Ende des 2. Weltkrieges schreibt Dirk Hellmann in seinem Aufsatz „Kriegsgefangenlager Waldhof in Vonderort“: „Das Lager (der GHH) befand sich westlich der Osterfelder Straße... Im Lager lebten hauptsächlich Russen und andere Osteuropäer. Zeitweilig waren auch Franzosen dort interniert... Das gesamte Lager war mit einem etwa vier Meter hohen Stacheldrahtzaun umgeben... 1945 wurden die Gefangenen freigelassen. Diese durchstreiften dann in Gruppen die Umgegend. In der Nachbarschaft befand sich der Hof Brinkmann, den die Russen aufsuchten, um sich dort notfalls unter Gewalt Lebensmittel zu besorgen.“

Maria Schwanewilm erinnert sich: "Meine 5 Geschwister und ich wurden auf dem Brinkmannshof geboren. Meine Mutter, Elisabeth Brinkmann, geborene Vornefeld (* 10.03.1915; + 17.05.2011), stammte aus Bottrop-Welheim. Seit ihrer Heirat am 18.06.1939 mit Heinrich Brinkmann bewirtschafte sie den Hof. Mein Vater, Heinrich Brinkmann Junior (* 03.11.1901; + 17.04.1983), war gelernter Bäcker und ein Sohn des Bäckermeisters Bernhard Brinkmann in Bottrop-Fuhlenbrock.

Das Bäckerhandwerk lag in der Familie, auch Ignaz und Franz Brinkmann, Brüder des Bauern Heinrich Brinkmann und des Bäckermeisters Bernhard Brinkmann, erlernten diesen Beruf und gründeten eigene Betriebe in Osterfeld.

Im Jahr 1929 wurde mein Vater von Heinrich Brinkmann adoptiert, weil dieser unverheiratet und kinderlos war und einen Nachfolger für seinen Hof benötigte. Eigentlich wäre mein Vater lieber Bäcker geblieben, aber zugleich war er an Technik und Maschinen interessiert. Sein Onkel, Heinrich Brinkmann, nutzte das und lockte ihn mit seinen landwirtschaftlichen Geräten auf den Bauernhof. Zu dieser Zeit kaufte Altbauer Heinrich Brinkmann eine große Dreschmaschine. Mit dieser Dreschmaschine fuhren sie zu anderen Bauern in der näheren Umgebung zum Dreschen. Später kamen die anderen Bauern zum Dreschen auf den Brinkmannshof, das sicherte der Familie feste Einnahmen.

Aus Erzählungen meines Vaters weiß ich, dass während des 2. Weltkrieges französische und russische Kriegsgefangene auf dem Hof eingesetzt waren. Drei Brüder meines Vaters fielen als Soldaten im 2. Weltkrieg, ebenso drei Brüder meiner Mutter. Mein Vater wurde während des 2. Weltkriegs nicht eingezogen, musste zuletzt aber beim "Volkssturm" dienen.

In meiner Kindheit waren Teile der Anbauflächen Pachtland, welches u.a. dem Grafen von Nesselrode gehörte. Einmal im Jahr brachte mein Vater dem Grafen persönlich die Pacht zur Burg Herrnstein in Ruppichteroth (Rhein-Sieg-Kreis). Für mich war die Autofahrt mit meinem Vater an den Rhein stets ein großes Erlebnis.

Mitte der 1950er Jahre trugen "Kostgänger", ledige und meist junge Bergarbeiter der nahen Zeche Jacobi, die für Kost und Logis ein monatliches Entgelt zahlten, zur Verbesserung des Familienunterhalts bei. Damals lebten stets drei dieser Kostgänger mit in der Familie. Im alten Wohnhaus hatten sie in der obersten Etage ihre Zimmer. Für uns Kinder waren sie eine willkommene Abwechslung, da die Jungbergleute während der gemeinsamen Mahlzeiten zur Unterhaltung beitrugen.

Solange wir Kühe hielten, kamen Nachbarn, um Milch zu holen. Auch Eier und Kartoffeln wurden ab Hof verkauft. Meine Schwestern und ich lieferten diese Hoferzeugnisse an Kunden in der Umgebung. Zu dieser Zeit beschäftigten meine Eltern Bergleute aus der Nachbarschaft als Erntehelfer."

Elisabeth Wrona (85), Tochter des Osterfelder Bäckermeisters Franz Brinkmann (* 13.03.1882; + 30.10.1949) ergänzt: "Die Brüder Heinrich, Bernhard, Ignaz und Franz Brinkmann hatten zwei Schwestern: Nora Brinkmann, verheiratete Kusenberg in Vonderort, und Ambrosine Brinkmann, verheiratet mit dem Bäckermeister Stappert in Osterfeld. Elisabeth Barlage, eine Schwester meiner Mutter, führte jahrelang den Haushalt des unverheirateten Bauern Heinrich Brinkmann.“

Reinhard Gebauer
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2 Kommentare
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Volker H. Glücks aus Neukirchen-Vluyn | 19.08.2015 | 10:22  
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Reinhard Gebauer aus Oberhausen | 19.08.2015 | 22:53  
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