Für die Menschlichkeit

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Kayi Schlücker bringt sich im Koordinierungskreis ausländischer Mitbürger in Schwelm (KAMS) ein, ist mit ihren ausgezeichneten Französischkenntnissen eine Bereicherung für den Club Schwelm - Fourqueux und engagiert sich in einer Vielzahl von Projekten. Sie hat ihren Platz gefunden in ihrer neuen Heimat.

Das war nicht immer so, und vor 20 Jahren hatte sie sich ihr Leben sicher ganz anders vorgestellt.
Geboren in Togo, war Kayi (was so viel bedeutet wie „Mädchen Nummer 3“)mit ihrer Familie in den Kongo übergesiedelt, wo sie sich eine gute Existenz aufbauen konnte.
„Doch eines Nachmittags“, so erinnert sich Kayi Schlücker mit Tränen in den Augen, „wurde es totenstill in Brazzaville“ (Hauptstadt des Kongo, d.Red.). Von Freunden erfuhr die damals fast 30-Jährige, das Rebellen alle wichtigen Stellen im Land übernommen hatten.

Angst vor dem Tod

Fortan bestimmte Angst das Leben der Familie: „Ich habe mich unter dem Bett versteckt, als die Explosionen und Schüsse näherkamen“, erzählt die Schwelmerin. „Wir kamen immer erst spät in der Nacht ein wenig zur Ruhe, wenn die Waffen schwiegen.“
Für Kayi gab es in diesem Schicksalsjahr 1998 nur zwei Möglichkeiten: „Entweder raus mit Gottes Hilfe oder sterben.“ Auf Umwegen ging es zunächst in die alte Heimat Togo, doch auch da war die Lage für die Familie längst nicht mehr sicher. Und so blieb nur eine Möglichkeit: Ein Asyl finden in Deutschland.
Die Ankunft in Düsseldorf war problematisch: „Es gab so viele Fragen und noch mehr Missverständnisse bei der Übersetzung“, war Kayi Schlücker ratlos in dem fremden Land.
Es folgten Unterbringungen in Flüchtlingscamps in Castrop-Rauxel und Remscheid und die Erkenntnis: „Was mich hier rausholt, ist das Erlernen der Sprache.“
Und so nutzte sie jede Möglichkeit, der deutschen Sprache mächtig zu werden. In diese Zeit fiel allerdings auch das Asylverfahren, das sie nahezu verzweifeln ließ. „Ich war bereit, zurückzugehen und dort den Tod in Kauf zu nehmen“, erinnert sie sich an die trostlosen Wochen.
Zuspruch fand sie bei einem deutschen Freund, der sie bis zum glücklichen Ausgang des Verfahrens begleitete: Harald Schlücker. Aus der Freundschaft wurde schließlich Liebe, die 2001 durch die Geburt von Sohn Sven-Noah gekrönt wurde.
Und Kayi ließ nicht locker, um in ihrer neuen Heimat anzukommen, denn sie wusste: „Zu Hause sein bedeutet viel mehr, als ‚nur‘ integriert zu sein.
Mit Unterstützung der damaligen Gleichstellungsbeauftragten Anna Schulte bekam sie als Dolmetscherin Kontakt zu anderen Flüchtlingsfrauen, engagierte sich im Frauencafé - alles ehrenamtlich.
Inzwischen begleitet sie als interkulturelle Gesundheitsmediatorin verschiedene Projekte, arbeitet im offenen Ganztag der Grundschule Nordstadt und hat bei der Caritas ein Projekt geleitet: „Respekt im Gepäck“.
„Das ist es, was die Gesellschaft am meisten braucht“, ist Kayi Schlücker überzeugt: „Respekt vor anderen Menschen, anderen Kulturen und anderen Hautfarben - dann kann man überall ankommen“, sagt sie mit einem Lächeln.
Zu sehen sind ihre Erfahrungen zum Thema „Heimat“ am kommenden Mittwoch, 7. Januar im WDR. In der Lokalzeit „Daheim und unterwegs“ wird ein Beitrag über die Schwelmerin gesendet. Und dort wird sie einiges erzählen, was für jeden von uns interessant und lehrreich sein wird.
Danke, Kayi Schlücker.
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