Jugendliche aus Unna zum europäischen Gemeinschaftsprojekt in Polen

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Gut gelaunt trotz 15 Stunden Anreise nach Krzyzowa: Die sieben Unnaer Teilnehmer des ewoca³-Projektes. (Foto: privat)
 
Gemeinsam erarbeiten die Teilnehmer die Geschichte der Region und der Menschen. (Foto: privat)

Statt ihre Ferien im Freibad oder am Strand zu verbringen, arbeiten sieben Schüler des Werkstatt Berufskollegs Unna an der Zukunft Europas mit. Zwei Wochen lang helfen sie gemeinsam mit jungen Menschen aus Italien und Polen bei der Denkmalpflege und Dokumentation auf dem Jüdischen Friedhof und in der Synagoge in Dzierżoniów.

Das Projekt ewoca³ - European Workcamps - ist ein Förderprogramm des Internationalen Bildungs- und Begegnungswerks (IBB) e.V. in Dortmund und wird vom Land Nordrhein-Westfalen und der Stiftung Mercator gefördert. Unter dem Motto "Together for diversity", zusammen für Vielfalt, erleben die Jugendlichen Erinnerungskultur hautnah und setzen in einer Zeit, in der die europäische Idee immer mehr in Frage gestellt wird, ein Zeichen für Zusammenarbeit.

Freunde aus vielen Ländern

Ganze 15 Stunden waren die sieben Jugendlichen aus der Kreisstadt mit Jugendgruppenleiter Kevin Ewe unterwegs, bevor sie ihre Unterkunft im polnischen Krzyzowa erreichten. Bei sechs Stunden Aufenthalt in Berlin - doch kaum jemand beklagte sich darüber. Das Brandenburger Tor, der Alexanderplatz mit der spektakulären Weltzeituhr und nicht zuletzt das Berlin Shopping Center wurden besichtigt, bis die Jugendgruppe aus Italien am Flughafen Tegel eintraf und die Fahrt gemeinsam fortgesetzt werden konnten.

Für Teilnehmerin Ana-Marija Loncarr ein Highlight des Camps: "Man trifft nicht einfach auf die 'polnische Gruppe' oder die 'italienische Gruppe', sondern begrüßt Freunde aus dem Projekt des Vorjahres."

Denn: Im vergangenen Jahr arbeiteten die Projektpartner bereits gemeinsam auf einem von der Mafia konfiszierten Farmgelände in Italien, das sie in eine gemeinnützige Begegnungsstätte umwandelten. Im kommenden Sommer kommen die Projektpartner aus Italien und Polen dann nach Unna, um auch hier gemeinsam mit den Gastgebern des Werkstatt Berufskollegs ein nachhaltiges Projekt zu verwirklichen.

Geschichte hautnah erlebt

Für die Jugendlichen steht neben der so wichtigen Projektarbeit vor allem aber auch das Kennenlernen neuer Leute oder eben das Treffen mit alten Bekannten im Vordergrund. Während der Kennenlerntages lernten die Jugendlichen einige neue Teilnehmer kennen, ließen den Tag bei einer lockeren Partie Fußball ausklingen und erfuhren gleichzeitig mehr über ihre Unterkunft: Auf dem weitläufigen Gut der Jugendbegegnungsstätte in Krzyzowa sind neun verschiedene Häuser untergebracht, Kunstwerkstätten, eine Sporthalle und die große ständige Freilichtausstellung "Mut und Versöhnung", die über die deutsch-polnischen Beziehungen informiert.

Der folgende Tag bildete den tatsächlichen Start des Workcamps. Unter dem Motto "Diversity and the history of the region" bekamen die Teilnehmer eine ausführliche Einführung in das Hauptthema des Camps, Vielfalt, aber auch in die Geschichte der Umgebung. Während eines Spaziergangs berichtete eine der Jugendlichen über Helmut James von Moltke, eine der Führungspersönlichkeiten des Kreisauer (oder Krzyzowa) Kreises, einer bürgerlichen Widerstandsgruppe, die sich zur Zeit des Nationalsozialismus mit Plänen zur Neuordnung nach der Hitler-Diktatur beschäftigte.

Denkmalpflege und Dokumentation sind die wichtigsten Ziele des diesjährigen Workcamps. Dazu gehört auch die Geschichte eben jener Personen, die auf dem jüdischen Friedhof in Dzierżoniów begraben sind, eine Geschichte, die manchem Kursteilnehmer die Tränen in die Augen trieb.

Vor dem Hintergund dieser Geschichten werden die Jugendlichen in den kommenden Wochen aktiv daran arbeiten, den Friedhof und die Synagoge zu erhalten. Bei der abschließenden Präsentation der Ergebnisse und des Gelernten können sie dann zeigen, wie erfolgreich die innereuropäische Zusammenarbeit funktionieren kann. Gemeinsam erarbeiten die Jugendlichen die Geschichte von Dzierżoniów und der jüdischen Bevölkerung in der Umgebung.

Mehr Informationen unter http://ewoca.org/de/.
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