Was passiert eigentlich mit unseren Spenden – mit Kleidern, Möbeln oder Omas Geschirr?

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Reichlich zu tun haben die Diakonie-Mitarbeiter zur Zeit mit dem Sortieren der vielen Spenden.
 
Auch 500 Erstaustattungen werden zur Zeit zusammengestellt. Dazu gehören auch je Person eine Tasse und ein Teller. Gläser nicht - "das ist laut der amtlich vorgegebenen Liste quasi schon wieder Luxus", so Christine Weyrowitz.
 
Christine Weyrowitz ist zur Zeit im Dauereinsatz. Doch die hohe Spendenbereitschaft und der Rückhalt sorgt auch dafür, dass ihr die Arbeit Spaß macht.

Man staunt ja immer, wie schnell man beim Aussorieren einen ganzen Sack voller Altkleider zusammen hat. Ab damit in den Altkleidercontainer. Aber was passiert danach eigentlich mit den schönen Sachen, die man selber nicht mehr mag, die aber durchaus noch brauchbar sind?

Jährlich fallen deutschlandweit rund 750.000 Tonnen Altkleider an. In Unna stehen zum Sammeln dieser Textilien 420 grüne Sammelcontainer der GWA bereit, der Abfallverwertungsgesellschaft für den Kreis Unna. „Wir sind stolz darauf, dass wir hier im Kreis Unna dieses System aufbauen konnten, mit dem wir als GWA für die caritativen Organisationen im Kreis wie Rotes Kreuz, AWO oder Diakonie die Altkleider einsammeln“, erläutert GWA-Pressesprecher Andreas Hellmich. Denn dieses System hält die Kosten für die Verbände niedrig und gibt dem Spender die Sicherheit, dass seine Spende auch richtig ankommt.

„Ein Vorteil für die Verbände ist auch, dass sie sich nicht um die Sauberhaltung der Containerplätze kümmern müssen.“ Denn was dort geschieht, ist nicht immer schön. „Wir haben durchaus das Problem, das hin und wieder Hausmüll in den Altkleidercontainer entsorgt wird. Vor kurzem mussten wir eine Tüte verdorbener Wurstwaren aus einem Container holen – da waren dann natürlich auch die Altkleider, die hier gespendet worden sind, nicht mehr brauchbar“, ärgert sich Hellmich über die Gedankenlosigkeit mancher Menschen.

Tragbare Kleiderspenden, die in einem der GWA-Container landen, werden durch einen Verwerter nach „brauchbar“ und „nicht-brauchbar“ sortiert und dann an die beteiligten Organisationen weitergegeben. „Um die 50 Prozent der Altkleider sind hier bei uns nicht mehr tragbar und werden durch den Verwerter entsorgt zum Beispiel durch den Verkauf ins Ausland oder an eine Firma, die aus den Textilien Putzlappen, Füllungen für Autositze oder ähnliches herstellt“, erklärt Hellmich. Denn wirtschaftlich muss sich das System auch noch lohnen.

Den oft gehörten Vorwurf, ein Verkauf zum Beispiel auf afrikanische Märkte würde die dortige Textilwirtschafts zerstören, können nicht bestätigt werden. "FAIRwertung", das bundesweite Netzwerk von gemeinnützigen Organisationen, die Altkleider sammeln, zieht zur Zeit folgendes Fazit: "Secondhand-Kleidung ist unter den derzeitigen wirtschaftlichen Bedingungen in vielen afrikanischen Ländern nicht wegzudenken. Hauptgrund ist die geringe Kaufkraft. Außerdem gibt es kein ausreichendes und erschwingliches Bekleidungsangebot aus lokaler Produktion. Die auf den Märkten angebotene Neuware kommt überwiegend aus China, ist aber oft von minderer Qualität. Secondhand-Kleidung ist daher weit verbreitet. Der Handel mit Gebrauchtkleidung verschafft vielen Arbeit und Einkommen. Auch viele Schneiderinnen und Schneider leben vom Umarbeiten oder „redesign“ von Gebrauchttextilien."

Und so macht‘s die Diakonie


Einer der Verbände, die am Altkleider-System der GWA beteiligt sind, ist auch die Dia­konie. Hier freut man sich zur Zeit über eine beständig hohe Spendenbereitschaft. „Also, dass die Menschen keine Lust mehr hätten zu spenden, können wir nicht gerade sagen“, schmunzelt Christine Weyrowitz, die Geschäftsführerin der Kaufnett-Häuser der Dia­konie ist.

Und tatsächlich scheinen die Räume im Zentrallager am Hellweg 33 aus allen Nähten zu platzen, auch personell ist man am Limit. Kartonweise werden hier Kleidung und Haushaltswaren angenommen, sortiert, aufgearbeitet und an die Kaufnett-Häuser in Unna, Werne und Holzwickede weitergegeben. Dazu kommen die Erstausstattungen, die hier zusammengestellt und direkt an die Bedürftigen weitergegeben werden.

Wie entstehen die Preise?


In den Kaufnett-Häusern werden die Sachen dann zu einem Preis angeboten, der die Kosten decken soll, die sie direkt und indirekt verursacht haben. „Kommt zum Beispiel jetzt eine Sommerjacke zu uns, so wird sie von einem Mitarbeiter begutachtet, gegebenenfalls gewaschen und gebügelt, vielleicht wird noch ein Knopf angenäht, dann wird die Jacke einsortiert und gelagert und schließlich in eines unserer Häuser gebracht, wo sie in einem ansprechenden Ambiente zum Verkauf angeboten wird." Es entstehen also Personalkosten, Sachkosten zum Beispiel für Waschmittel und Wasser, es entstehen Benzinkosten, dazu kommen Kosten wie Miete, Versicherungen oder Steuern“, erklärt Christine Weyrowitz.

Wieviel die Jacke vorher tatsächlich einmal gekostet hat, spielt dabei überhaupt keine Rolle mehr. So kann es auch sein dass eine Markenjacke günstiger angeboten werden kann als ein No-Name-Produkt, dass aber gewaschen und aufgearbeitet werden musste, um in den Verkauf zu gelangen.

Und tatsächlich spielt das "ansprechende Ambiente", in dem die Sachen angeboten werden sollen, eine durchaus wichtige Rolle. "Da geht es auch um soziale Teilhabe", erläutert die Geschäftsführerin der Kaufnett-Häuser. Denn sich seine neuen Sachen aus einem Pappkarton in einer Lagerhalle herauszusuchen ist etwas ganz anderes als sich in einem Kaufhaus ordentlich auf einen Bügel gehängte Sachen anzuschauen, sie anprobieren zu können und an der Kasse bezahlen zu können - auch wenn es in den Sozialkaufhäusern dabei nur um wenige Euros geht.

Auch müssen die Mitarbeiter eingewiesen und angeleitet werden. "Man muss sich ja erstmal mit den vielen verschiedenen Textilien vertraut machen, um sie dann richtig einsortieren zu können", erläutert Christine Weyrowitz. Ist das nun ein Schal oder eine Tischdecke? Geht der Fleck bei einer Wäsche raus oder ist der Pulli ein Fall für die Aufarbeitung? Und ist das nun eine Sommer- oder eine Winterhose?

Upcycling rettet eigentlich nicht mehr verwertbare Textilien


Wenn die Jacke dann zwei oder drei Euro kostet, sollen damit nach Möglichkeit diese Kosten gedeckt sein. Das selbe gilt auch für Möbel, für die teilweise noch Transport, Abbau und Aufarbeitung zu Buche schlagen. Zu einem Großteil sind die Spenden an die Diakonie aber von guter Qualität. Doch auch für zum Beispiel nicht mehr ganz so gute Textilien oder Stoffreste ist man dankbar. „Wir haben eine eigene ‚Upcycling‘-Werkstatt, in der wir Textilien aufpeppen oder umarbeiten können“, ist die Geschäftsführerin zu Recht stolz auf diese Einrichtung.

Auch Möbelspenden werden gerne genommen - "und zum Glück verzeichnen wir gerade bei Möbeln momentaneine sehr stark gestiegene Spendenbereitschaft", weiß Christine Weyrowitz. Doch Möbel sind für Spender oft auch ein sensibler Bereich, denn die Menschen haben zu jahrelang genutzten Möbeln eine sehr enge Beziehung und verstehen manchmal nicht, warum etwas abgelehnt wird, was der Spender als "Das ist doch noch gut" einstuft.

Doch auch bei Möbelspenden gilt es vieles zu bedenken: Kann zum Beispiel eine Schrankwand abgebaut, transportiert und danach auch wieder aufgebaut werden und wie hoch ist der Aufwand dafür? Entspricht das Möbel noch dem modernen Geschmack? Sind zum Beispiel bei einer Küche die Elektrogeräte in Ordnung?

Schwierig wird es für die Diakonie, wenn Spenden ausdrücklich für Flüchtlinge abgegeben werden. Denn das verkompliziert den gesamten Vorgang vom Begutachten bis hin zum Verteilen. „Und man darf ja auch nicht vergessen, dass wir weiter auch unsere üblichen Kunden versorgen wollen“, bittet Christine Weyrowitz um Verständnis. Da ist immer noch die Rentnerin, die sich mit ihrer winzigen Rente keinen neuen Wintermantel leisten kann oder die Familie mit kleinem Einkommen, die ihren Kindern trotzdem etwas Schönes zu Weihnachten schenken möchte.

Spendenaufruf Erstausstattungen


 „Wir stellen derzeit Erstausstattungen für 500 Menschen zusammen. Dazu brauchen wir die Unterstützung aus der Bevölkerung“, sagt Christine Weyrowitz, Leiterin der Diakonie-Kaufhäuser.

 Mit den Erstausstattungspaketen erhalten Neuankömmlinge die allernötigsten Alltagsdinge.

 Die Flüchtlinge besitzen bei ihrer Ankunft oft nicht viel mehr als die Kleider, die sie am Leib tragen. Gebraucht wird daher alles, was zur Grundausstattung eines Haushalts gehört wie Bettdecken und Kissen, Bettwäsche, Hand- und Geschirrtücher. Dringend benötigt werden auch Geschirr und Besteck, Kochtöpfe, Bratpfannen, Pfannenwender, Schöpfkellen, Küchenmesser, Dosenöffner und Thermoskannen.

 Das Team der Diakonie nimmt die Waren im Zentrallager, Hellweg 31-33 in Unna montags bis donnerstags von 8 bis 16.30 Uhr und freitags von  9 bis 14 Uhr entgegen. Aber auch in den Kaufnett-Filialen in Unna und Holzwickede können Spenden abgegeben werden.

 Weitere Informationen gibt es unter Tel. 02303/25024-400.
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