Es kommt viel zurück - Wohnen auf Zeit sucht Freiwillige

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Isabella Jagella(23) benötigt nahezu 24 Stunden liebevolle Unterstützung. Die gibt Anna Westrup(22), die sich nach ihrem FSJ entschieden hat, Heilerziehungspflegerin zu werden.
  Unna: Unna | Von St. Reimet

Wohnen auf Zeit - Seit 20 Jahren ist die Wohngruppe am Standort Pappelweg, über 30 Jahre existiert der Verein. Betreut werden 12 Behinderte von insgesamt rund 25 Mitarbeitern, teils im Schichtdienst.



Die Bewohner sind vorübergehend, etwa drei Wochen maximal, in der Einrichtung. Der Aufenthalt dient auch der Entlastung der Familien. Manche haben seit Jahren keinen Urlaub machen können und benötigen eine Auszeit. Um den Behinderten einen abwechslungsreichen Alltag zu bieten, beschäftigt die Einrichtung regelmäßig junge Erwachsene, die ein Freiwilliges soziales Jahr absolvieren möchten.

Die Bewohner trainieren das Leben in der Gruppe, entdecken eigene Fähigkeiten, erwerben Sozialkompetenzen, wie es Vorsitzender Markus Voß auf den Punkt bringt. "Daheim ist der Behinderte eher auf die Familie zentriert."Das Einzugsgebiet war anfangs sehr groß, jetzt richtet sich der Fokus auf Unna. Neben Offenheit, Wertschätzung und Toleranz steht bei WaZ das Prinzips der abnehmenden Hilfe im Mittelpunkt. "Teilweise kennen wir die Bewohner von Kindesbeinen an." Immer wird auch geschaut, ob ein Bewohner eigenständiger leben kann. Das Konzept kommt gut an, wie die Auslastung der Einrichtung belegt. Gründungsmitglied Voß hatte 1985 einen Verein für Ferienfreizeiten ins Leben gerufen. Nach Anfangsproblemen und Nachweis als Pflegeeinrichtung nahm Wohnen auf Zeit vor über 20 Jahren seine Arbeit auf. Belegt ist die Einrichtung das ganze Jahr über, mit Spitzenzeiten in den Ferien.

Soziales Jahr

Feste Säule im Team sind FSJ-ler, wie etwa Anna Westrup(22), die sich nach der 11. Klasse gemerkt hat, dass sie etwas anderes machen möchte. Durch eine Annonce kam sie auf das Angebot. Anfangs hatte sie Bedenken, das hat sich schnell gelegt. "Mit den Menschen zu arbeiten ist sehr abwechslungsreich, nie langweilig". Zum Ende des Jahres entschied sie sich, einen Beruf daraus zu machen. Anna wird drei Jahre in der Einrichtung ausgebildet. Die Berufsschule in Hamm vermittelt die Theorie. Bis zum Beginn der Ausbildung als Heilerziehungspflegerin jobbt sie bei Wohnen auf Zeit. "Viele Menschen wissen gar nicht, was ein FSJ ist." Viele ehemalige Freiwillige haben sich entschlossen, einen Beruf im sozialen Bereich zu beginnen. "Ein wichtiges Orientierungsfeld für Jugendliche", so Markus Voß.

Viel kommt zurück

Maximal sechs FSJ-ler könnte WaZ einstellen. Die Aufgaben sind die Freizeitbetreuung, um den Bewohnern einen interessanten Tagesablauf zu bieten. Unterstützung bei der täglichen Versorgung und leichte Pflegearbeiten zählen dazu. "Junge Leute bringen Ideen mit", weiß Markus Voß. Vom Waffelbacken bis zum Malen und Ausflügen reicht die Bandbreite. Die Arbeit läuft mit den FSJ-lern besser. "Der Schulabschluss ist nicht wichtig." Wesentlich sind Offenheit und Kontaktstärke. Jeder Anfänger wird eingearbeitet. Die Arbeitszeiten sind gewöhnungsbedürftig. In dem Pflegebetrieb gibt es Früh- und Spätschichten, hinzu kommen Wochenenddienste. Doch es kommt auch einiges zurück. "Ein dankbares Lächeln erkennt jeder. Man ist den Leuten wichtig, ein Gefühl, das man nicht so oft kriegt."

Info

Der Bundesfreiwilligendienst ist ein Angebot an Frauen und Männer jeden Alters, sich u.a. im sozialen Bereich zu engagieren. Die Dauer beträgt ein Jahr und umfasst neben der gründlichen Einarbeitung einen Freiwilligenausweis (z.B. Ermäßigung auf Fahrkarten), ein Taschengeld sowie ein Zeugnis durch die Einrichtung.
Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) dauert bis zu 18 Monate und wendet sich an junge Erwachsene zwischen 16 und 26 Jahren. Ziel ist die Entwicklung der Persönlichkeit im Umgang etwa mit behinderten Menschen und auch die Berufsorientierung. Neben Verpflegung und Taschengeld werden auch die Zahlungen in die Kranken- und Sozialversicherungen übernommen.
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