"Es wird viel gelacht!" - Zehn Jahre Selbsthilfegruppe "Brustkrebs"

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von links: Claudia Leu, Sozialdienst HELIOS Klinikum Niederberg, Ingrid Messerschmidt, Niklas Cruse, Geschaftsführer HELIOS Klinikum Niederberg, Dr. Gerd Degoutrie, Chefarzt Gynäkologie, Ex-Bürgermeister Heinz Schemken und der stellvertretende Bürgermeister Emil Weise. (Foto: Ulrich Bangert)
    Velbert: Klinikum Niederberg | Gemeinsam sind sie stark und das seit inzwischen zehn Jahren. Denn so lange besteht bereits die Selbsthilfegruppe "Starke Frauen gemeinsam gegen Brustkrebs" des HELIOS Klinikum Niederberg. Mitbegründerin Ingrid Messerschmidt erzählt im exklusiven Stadtanzeiger-Interview von schönen und schweren Momenten, Schwierigkeiten und dem Zusammenhalt der Frauen.

Frau Messerschmidt, wie kamen Sie vor zehn Jahren auf die Idee, die Selbsthilfegruppe zu gründen? Ingrid Messerschmidt: "Schon zu diesem Zeitpunkt war ich mit der Krankenhaushilfe regelmäßig auf den Stationen, um mit Betroffenen zu sprechen. Und ich stellte fest, die Frauen sind immer so allein und haben Gesprächsbedarf. Also haben wir uns mit elf Frauen zusammengeschlossen und die Gruppe gegründet. Bis heute ist das Interesse sehr groß."

Sie treffen sich einmal im Monat. Wie groß ist die Beteiligung? In welchem Alter sind die Teilnehmerinnen? Und wie lange nehmen sie das Angebot in Anspruch? Ingrid Messerschmidt: "Genau, wir treffen uns regelmäßig an jedem ersten Mittwoch im Monat um 19 Uhr im Selbsthilfegruppen-Raum des Klinikums. Meist sind wir zwischen 15 bis 20 Personen. Einige Frauen kommen seit zehn Jahren ununterbrochen, andere kommen nur während der Behandlungszeit. Das ist ganz unterschiedlich. Es gibt außerdem auch den ,Kaffeeklatsch 60+'. Hier kommen jeden zweiten Dienstag im Monat um 15 Uhr die älteren Frauen zusammen. Das Alter ist sonst ab Mitte vierzig aufwärts, bunt gemischt."

Handelt es sich dabei ausschließlich um Frauen, die im HELIOS Klinikum Niederberg operiert worden sind? Und ist es eine Herausforderung, dass sie in unterschiedlichen Stadien des Behandlungs- beziehungsweise Genesungsprozesses stecken? Ingrid Messerschmidt: "Nein, sie kommen überall aus der Region und wurden teilweise in anderen Häusern operiert. Dass die eine schon mehr hinter sich hat als die andere, ist sogar ein Vorteil. Man hilft sich und profitiert von den Erfahrungen der anderen. Der Zusammenhalt ist sehr groß, wir unterstützen und begleiten uns leider auch manchmal bis zum Tod."

Das Thema "Tod" lässt sich wohl nicht vermeiden...? Ingrid Messerschmidt: "Auch das gehört leider dazu, manche Frauen sterben am Krebs. Auch wenn die Behandlungsmöglichkeiten und damit die Überlebenschancen besser geworden sind, überleben es manche nicht. Besuche auf der Station oder sogar im Hospiz sind für uns selbstverständlich, ebenso wie Gespräche mit den Angehörigen - natürlich nur, wenn man selber nicht zu labil ist."

Inwiefern werden Angehörige überhaupt mit einbezogen? Ingrid Messerschmidt: "Eigentlich so gut wie gar nicht. Das ist auch ein interessantes Phänomen. Die Frau ist erkrankt an Brustkrebs, versucht sich taff dieser Herausforderung zu stellen und gesund zu werden. Ihre Männer sind da schon eher verzweifelt, sie können nicht handeln und nur zusehen, wie die Ehepartnerin dem Krebs den Kampf ansagt."

Wie ist der Rückhalt ihrer Familie? Bei Ihnen liegt die Diagnose "Brustkrebs" schon einige Jahre zurück, oder? Ingrid Messerschmidt: "Vor 26 Jahren wurde bei mir der Krebs entdeckt beziehungsweise ich selber bemerkte den Knubbel in meiner Brust. Zufällig traf ich beim Spazierengehen eine junge Mutter, die mir erzählte, dass ihr die Brust abgenommen wurde. Daraufhin tastete ich meine Brust ab, schon wenige Monate später wurde ich operiert. Mein Mann war mir eine hilfreiche Stütze. Und das ist er auch heute noch, er hilft mir bei dem ganzen Schriftverkehr am PC der mit der Selbsthilfegruppe zusammenhängt. Auch meine Söhne sind - vor allem seit ich den Ehrentaler für mein Engagement verliehen bekommen habe - sehr stolz auf mich."

Können Sie denn auch von einer besonders schönen Erinnerung aus den vergangenen zehn Jahren berichten? Ingrid Messerschmidt: "Ja, eine Geschichte erzähle ich immer besonders gerne, denn sie zeigt, dass wir nicht mit traurigen Mienen zusammensitzen und uns bemitleiden. Eine Betroffene kam das erste Mal zu einem unserer Treffen und konnte nicht aufhören zu weinen. Ich führte ein Einzelgespräch mit ihr, während die anderen Frauen gemütlich beisammen saßen, tötterten und lachten. Die Frau war überrascht, dass so viel gelacht wurde. Sie selber hätte schon seit Tagen nicht mehr gelacht und könne sich auch nicht vorstellen, jemals wieder einen Grund zum Lachen zu haben. Was soll ich sagen? Nur eine Stunde später als das Treffen vorbei war und sie ging, lachte sie - und zwar aus vollsten Herzen!"

Wirklich schön! Daran lässt sich auch erkennen, dass nicht nur über die Krankheit gesprochen wird. Was wird bei solchen Treffen denn alles thematisiert? Ingrid Messerschmidt: "Alles aus dem alltäglichen Leben. Die Frauen berichten von Familie, Freizeit und Beruf. Wir unternehmen außerdem auch einmal im Jahr einen Ausflug, dann geht es in den Zoo, in eine Großstadt oder in ein Museum. Beliebt ist auch immer die Modenschau, bei der im intimen Rahmen Kleidung vorgestellt wird, die sich gerade für Frauen mit amputierter Brust eignen."

Wie ist Ihre Erfahrung? Was ist für die Frauen schlimmer, dass die Brust abgenommen wird oder dass die Haare bei der Chemotherapie ausfallen? Ingrid Messerschmidt: "Wenn die Haare ausfallen, ganz eindeutig! Damit haben die meisten Frauen sehr zu kämpfen. Es sind ja nicht nur die Haare auf dem Kopf, auch Augenbrauen und Wimpern fallen aus. Das kann dazu führen, dass man sich selber nicht wiedererkennt. Während früher viel und über einen langen Zeitraum Perücke getragen wurde, tendieren aber heute viele dazu, ihre nur Millimeter kurzen Haare zu zeigen. Dazu werden sie auch oft von den anderen Frauen ermutigt."

Information:
-Betroffene Frauen finden eine Flut an Informationen und Unterstützung in der Selbsthilfegruppe "Starke Frauen gemeinsam gegen Brustkrebs".
-Neben Informationen und Gesprächen mit fachkundigen Gästen zu Themen wie medizinische Fortschritte, Renten- und Kuransprüche, Versorgungsleistungen und vielem mehr gibt es auch immer etwas zu lachen.
-Regelmäßig geht Ingrid Messerschmidt über die Station, spricht mit betroffenen Frauen und hilft wo Not an der Frau ist.
- Kontakt: Claudia Leu (Tel. 02051/9823024 oder leu@klinikum-niederberg.de) oder Gisela Laab (Tel. 0175/7259136 oder g.laab@klinikum-niederberg.de)
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