Jung, gut ausgebildet, arbeitslos

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Diana Papaioannou steht vor einer ungewissen Zukunft. (Foto: Ulrich Bangert)
Wenn am 1. Mai das Referandariat endet, stehen Diana Papaioannou und Julia Klewin vor der Arbeitslosigkeit. Die vergangenen sieben Jahre haben die beiden Velberterinnen auf ihren Traumjob Lehrer hingearbeitet. Der Blick in die Zukunft ist für die beiden Velberterinnen wenig aussichtsreich: Nach der Ausbildung sieht es danach aus, als wäre ihre nächste Station die Arbeitslosigkeit.
Denn während im vergangenen Jahr über 9.000 Lehrerstellen in Nordrhein-Westfalen besetzt wurden, stehen in diesem Jahr gerade mal 1.000 freie Stellen zur Verfügung, wie Jörg Harm, stellvertretender Pressesprecher des nordrhein-westfälischen Schulministeriums auf Anfrage des Stadtanzeigers mitteilte. Dem gegenüber stehen rund 3.800 Absolventen.

Diana Papaioannou und Julia Klewin haben im März ihr zweites Staatsexamen gemacht und mit 1,4 bzw. 1,9 abgeschlossen. Sehr gute Noten, was die Velberterinnen aber nicht weiterbringt. Mit Deutsch und Sozialwissenschaften bzw. Englisch und Sozialwissenschaften bedienen die Pädagoginnen nicht unbedingt die Mangelfächer wie Physik, Chemie oder Latein - und damit sinken die Chancen auf eine Stelle, wie die Beiden auch bei zahlreichen Initiativbewerbungen gespürt haben. „Vor einem Jahr klang noch alles gut. Lehrer wurden gesucht, wir haben uns keine Sorgen gemacht“, sagt Klewin.
Bis vor kurzem die Ernüchterung eintrat. „Durch den doppelten Abiturjahrgang sinkt die Zahl der Schüler an Gymnasien stärker als üblich“, erklärt Schulministeriums-Sprecher Harm. Da sich die Zahl der Lehrerstellen nach der Schülerzahl bemisst, kann in diesem Jahr von einem Lehrermangel plötzlich keine Rede sein. „Wir stellen in diesem Jahr 1.000 Stellen über Bedarf zur Verfügung“, sagt Harm, wobei rund 300 Stellen bereits zum 1. Februar besetzt wurden.
Sein Tipp: Nach dem Referendariat sollen sich Absolventen auf Vertretungsstellen bewerben.

Mit Nebenjobs erst mal über Wasser halten

Auf die Idee sind die Velberterinnen auch schon gekommen. Aber: „Es gibt nur sehr wenige Stellen. Und eine mit sechs Wochenstunden in Aachen ist nicht rentabel“, sagt Klewin. Deshalb planen die Beiden, sich erstmal mit Nebenjobs über Wasser zu halten und es zum nächsten Einstellungstermin erneut zu versuchen. „Aber wir machen uns auch Gedanken zu Alternativen“, betont Papaioannou. So hat sich die 28-Jährige an einer Uni beworben, Klewin will sich als Mitglied des Juso-Landesvorstands NRW im Bundestagswahlkampf engagieren.
Besonders prekär: Die Frauen haben nicht einmal Anspruch auf Arbeitslosengeld I, da sie als Beamtinnen auf Widerruf im Referendariat nicht in die Sozialkassen eingezahlt haben. „Ich weiß von einigen, die wieder zu ihren Eltern ziehen müssen“, schildert Papaioannou die Situation. Sie selbst will sich mit Jobs und Nachhilfe über Wasser halten. „Ich habe keine Lust, mit 28 meine Mutter um 20 Euro bitten zu müssen.“
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Florian Kesseler aus Düsseldorf | 13.04.2013 | 20:46  
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