Wie verändert sich die Velberter Schullandschaft?

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Könnte es womöglich dazu kommen, dass die Realschule Kastanienallee in Velbert aufgelöst werden muss? (Foto: Archiv)
 
(Foto: biregio)
Velbert: Rathaus | Wie sieht die Zukunft der Realschule Kastanienallee und der Martin-Luther-King-Schule aus? Wird eine zweite Gesamtschule in Neviges errichtet? Und wie steht es um die Schülerzahlentwicklung an den Grundschulen in Velbert? - Um diese und weitere Fragen geht es bei der Sitzung des Ausschusses für Schule und Bildung. Und natürlich gibt das nicht nur für dessen Mitglieder Anlass zu Diskussionen, auch zahlreiche Eltern sowie Lehrer sind derzeit aktiv, um auf mögliche bedeutende Veränderungen hinzuweisen.

Die Projektgruppe Bildung und Region ("biregio") hat im Auftrag der Stadtverwaltung einen Schulentwicklungsplan für Velbert erstellt und diesen im Sommer 2016 vorgestellt. Dabei wurden nicht nur die aktuellen Schülerzahlen berücksichtigt, sondern auch die künftige Entwicklung betrachtet. "Der Effekt zuletzt sinkender Geburtenzahlen hat die weiterführenden Schulen bereits erreicht. Die allgemein und berufsbildenden Oberstufen erreicht er in rund fünf bis zehn Jahren", heißt es. Zwischen den drei Stadtteilen gäbe es dabei erhebliche Unterschiede. Gerade in Neviges habe sich "die Elterngeneration in wenigen Jahren nahezu halbiert".

Die Projektgruppe befasste sich unter anderem mit der Frage, welche Schulform von den Velberter Eltern gewünscht wird und wie sich das in den Anmeldezahlen widerspiegeln würde: "Die Nachfrage nach Plätzen im Gymnasium liegt selbst nach einem sukzessiven Anstieg bei fast 40 Prozent [...]. Die Gesamtschulnachfrage aus den Grundschulen vor Ort liegt bei circa 30 Prozent. Für die Hauptschule optieren in der Regel weniger als 10 Prozent und für die Realschule nunmehr weit weniger als 20 Prozent der Eltern." Aufgrund des (fehlenden) Elterninteresses wurde eine Realschule bereits aufgegeben. Und die große Nachfrage nach Plätzen in einer Gesamtschule kann durch die städtische Gesamtschule Velbert-Mitte nicht gedeckt werden. Es heißt: "Die Hauptschulzahlen sinken weiter. [...] Die Gymnasien können in der Regel weiter dreizügig arbeiten [...]. Die Gesamtschule Mitte wird ihre Zügigkeit halten können."

Schulentwicklungsplan enthält verschiedene Lösungsvorschläge

Stellt sich also die Frage, wie die Velberter Schullandschaft künftig aussehen könnte. Dazu gab es im Rahmen des Schulentwicklungsplans verschiedene Lösungsvorschläge, wobei von einigen direkt aus verschiedensten Gründen abgeraten wurde:
1. Status quo (Lähmung der Eigenentscheidung bei einer sich landes- und bundesweit verändernden Schullandschaft und Abhängigkeit von "Trends" vor Ort und Entwicklungen in der Region),
2. Fusion von Gymnasien (ein politisches, pädagogisches und allein auch schon technisch schwieriges Unterfangen),
3. Gründung einer Sekundarschule (eine zwar denkbare Alternative, aber "gegen den Elternwillen"),
4. Gründung einer "neuen Realschule" (eine Alternative möglicherweise deutlich "gegen künftige Nachfragen" nach der Haupt- und Realschule),
5. Vergrößerung der Gesamtschule Velbert-Mitte (um den Preis einer "Rest-Haupt- und Realschule" in der Stadtmitte),
6. Vergrößerung der Gesamtschule Velbert-Mitte in Neviges (um den Preis einer "Rest-Haupt- und Realschule" in der Stadtmitte),
7. Gründung der zweiten öffentlichen vierzügigen Gesamtschule in Neviges (um den Preis einer "Rest-Haupt- und Realschule" in der Stadtmitte),
8. Gründung der zweiten öffentlichen sechszügigen Gesamtschule Mitte (in Richtung konsequente Orientierung auf die "Zweigliedrigkeit").
9. Gründung einer zweiten öffentlichen sechszügigen Gesamtschule Neviges (in Richtung konsequente Orientierung auf die "Zweigliedrigkeit").

FDP strebt Start zum Schuljahr 2018/19 an

Mit zwei Anträgen bringt sich die FDP-Fraktion in die heutige Sitzung ein: Zum einen wird die Stadtverwaltung damit beauftragt, die notwendigen Maßnahmen einzuleiten, um spätestens im Schuljahr 2018/2019 eine vierzügige Gesamtschule im Stadtbezirk Velbert-Neviges zu errichten, wobei die Gesamtschule in Velbert-Mitte gleichzeitig auf fünf Züge reduziert werden soll. Und zum anderen beauftragt die FDP die Stadtverwaltung, eine Elternbefragung an den Grundschulen durchzuführen, bei der nochmals nach dem Wunsch einer zweiten Gesamtschule gefragt wird.
Auch die Piraten aus Velbert äußern sich in einer öffentlichen Stellungnahme zu dem Thema und fordern "eine einvernehmliche Lösung, damit die Gesamtschule Wirklichkeit wird."


Kommt es dazu, bedeute das allerdings, dass die Realschule Kastanienallee (RSK) und die Martin-Luther-King-Schule (MLK) sukzessive aufgelöst werden müssten. Das bereitet schon jetzt einigen Bürgern große Sorgen. Gerade die Schüler-, Eltern- und Lehrerschaft der Realschule Kastanienallee setzen sich in diesen Tagen intensiv für den Erhalt ihrer Schule ein. Ein Image-Video, eine Informationsseite auf Facebook und vieles mehr gehören zu den Mitteln, mit denen sie für Aufmerksamkeit bei den Bürgern sorgen. "Bitte erhaltet alle Schulformen, damit die optimale Beschulung unserer Kinder gewährleistet ist", so Jasmin Diez, deren Töchter die Klassen fünf uns sechs der RSK besuchen. "Sie gehen beide gerne zur Schule, haben in vielen Fächern ihre Stärken entdeckt und die Zusammenarbeit mit den Lehrern und der Schulleitung ist wirklich sehr gut." Die 32-Jährige appelliert daher, zu berücksichtigen, dass nicht jedes Kind für das Gymnasium oder die Gesamtschule geeignet ist.

Information:
-Die Sitzung des Ausschusses für Schule und Bildung findet am heutigen Mittwoch, 25. Januar, um 17 Uhr im Saal Velbert des Rathauses (Thomasstraße 1) statt.
-Der Ausschuss befasst sich dann unter anderem mit einem Antrag auf Einrichtung einer Gesamtschule in Neviges sowie der aktuellen Schülerzahlentwicklung an den Grundschulen.
-Interessierte Bürger sind zur Teilnahme an der öffentlichen Sitzung eingeladen.
-Die gesamte Tagesordnung einschließlich der veröffentlichten Beratungsvorlagen können unter www.velbert.de eingesehen werden.
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