Mit Respekt und auch kritisch: Rückblick auf 25 Bestehens-Jahre der Hospizinitiative Wesel

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Das engagierte Team der Hospizinitiative Wesel. (Foto: Rolf Bleckmann)
 

Schöner sterben? Hilfe, was ist das für eine Frage? Eine ähnlich verwirrende wie diese: Kann ein Roman, der sich ums Sterben dreht, Lust aufs Leben machen? Antworten auf diese und viele andere Fragen gibt die Hospiz-Initiative Wesel in den kommenden Monaten. Sie feiert ihren 25. Geburtstag und hat dazu ein facettenreiches Programm auf die Beine gestellt, das Vorsitzende Claudia Böckmann und Geschäftsführerin Eva Chiwaeze jetzt vorgestellt haben.

Die zentrale Festveranstaltung zum Jubiläum gibt es am 16. Mai im Lutherhaus. „Schöner sterben? Macht Begleitung das Sterben schöner? Rückfragen an eine lebensrettende Einrichtung“ hat Referent Christoph Hutter, Diplom-Theologe und -Pädagoge, seinen Vortrag überschrieben. Nicht nur trockene Theorie, denn zum Vortrag gehören Schauspielszenen. Die hat das „echtzeit-theater Münster“ gemeinsam mit Studierenden des Instituts für Theaterpädagogik Osnabrück erarbeitet. Der Titel „Blickwinkel“ verrät, dass hier dem Publikum die Gelegenheit gegeben wird, Hutters Thesen aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten, genau wie diie Arbeit der Hospiz-Initiative und der Zugang zum wichtigen Thema Sterbebegleitung. Auch kritisch, denn nach 25 Jahren Hospizarbeit, so Eva Chiwaeze, „geht es beim Blick auf das Begleitkonzept auch darum, an welchen Stellen wir neue Fragen stellen müssen“.

Ohnehin entwickele sich die Arbeit ständig weiter. Die Weseler Initiative war die erste ihrer Art in der Region, und wenn Claudia Böckmann und Eva Chiwaeze Unterschiede zwischen den Änfängen und der Gegenwart nennen sollen, geht es um Grundsätzliches: „Zu Anfang haben wir betont, dass wir uns um sterbende Menschen kümmern. Heute sagen wir, wir begleiten lebende Menschen.“ Es gehe um Menschen, deren Lebenszeit begrenzt sei, aber Sterben und Tod müssten nicht ständig thematisiert werden. Erstens habe jeder das Recht, zu hoffen, und zweitens könne auch die begrenzte Lebenszeit eine gute Qualität haben.

Und sogar noch so unterhaltsam sein, dass ganz viel gelacht wird. Das beschreibt Susann Pásztor in ihrem Roman „Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster“, aus dem sie am 7. November in Wesel liest. Im Mittelpunkt steht der ehrenamtliche Sterbegleiter Fred, der die eigensinnige Karla auf ihrem letzten Weg unterstützen soll. Die Autorin, die sich ebenfalls als ehrenamtliche Sterbebegleiterin engagiert, zeichnet ihre Figuren sehr liebevoll und sehr authentisch. Der Roman, heißt es in der Kritik von WDR-Moderatorin Christine Westermann, mache Lust aufs Leben.

Ohne ehrenamtlichen Kräfte könne die Hospiz-Initiative ihre Arbeit nicht machen. Am 19. Juni gibt es einen Gottesdienst und ein Sommerfest, um sich bei ihnen zu bedanken. 66 Frauen und Männer sind zurzeit aktiv, altersmäßig stellen die 50- bis 65-Jährigen die größte Gruppe, insgesamt reicht die Spanne von Mitte 40 bis Mitte 80. Leider, sagen Claudia Böckmann und Eva Chiwaeze, gibt es nur wenige Männer unter den Helfern. Hier werden Freiwillige gesucht.

Am 18. September folgt die Jahreshauptversammlung mit einem Vortrag zum Thema „Umgang mit Traumata“, und am 23. September spielen Pianist Marius Furche und Organist Ludger Morck zugunsten der Hospiz-Initiative in der Friedenskirche in Fusternberg. Ein Beispiel dafür, wie gut die Initiative in der Weseler Kulturszene vernetzt sei, sagt Claudia Böckmann. „Wir bekommen viele Geschenke dieser Art.“ Regelmäßig gebe es Benefizkonzerte zum Beispiel vom Collegium vocale und vom Chor Aggiornamento. Auch bildende Künstler unterstützten die Arbeit.
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