Wie Ängste beständig nachwirken: Leser-Gedanken zum Gewaltdelikt in der Weseler City

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Als Reaktion auf unsere Berichterstattung zum Thema "Sicherheit" hat eine Leserin ihre Gedanken aufgeschrieben. Auf ihre Bitte hin veröffentlichen wir den Brief anonym in einer leicht gekürzten Fassung.

Sie schreibt: "Zuerst traute ich meinen Augen kaum, als ich diese Artikel bezüglich eines Gewaltdeliktes mitten in Wesel las. Vom Ansehen her kenne ich den jungen Mann, Simon Bleckmann, und sofort kam mir der Gedanke: Wenn er schon Opfer von „Straßengewalt“ wird, dann hast Du völlig Recht mit Deiner Vorsicht!

Dieser Artikel befeuerte im ersten Moment geradezu diverse Ängste in mir. Ich war relativ lange in früheren Jahren Gewalten ausgesetzt und wenn ich die ganzen Nachrichten lese und höre, denke ich manchmal: Meine Therapieerfolge müssen einfach den Bach runter gehen. Überall Gewalt. Sie holt Dich am Ende doch wieder ein – egal, was Du auch tust oder lässt!

Meine Gedanken fuhren Karussel. Es war eine Fahrt, die, wie immer übergroße Ängste in mir aktiviert, weil diese in mir schlummern und ein Teil von mir sind. Also ist es völlig richtig, wenn ich als Frau (54) im Dunkeln zu Hause bin und auch niemals irgendwelche Events am Kornmarkt aufsuche oder gar dort in Kneipen gehen. Mit Fahrrad durch Obrighoven solltest Du auch nicht mehr fahren, erst recht nicht durch die Rheinauen.

Kaum brachte ich das Karussel zum Stillstand, sauste es in die andere Richtung los und es begann von vorn. Irdgendwann wurde ich richtig sauer, und zwar nicht auf mich, wie das viele Jahre meines Seins der Fall war.

Nein! Vielmehr erkannte ich, dass mein allergrößter Feind nach wie vor diese übergroße Angst in mir ist (es ist nicht eine gesunde Vorsicht! Nein!), die mich immer wieder in Isolationen und damit auch Einsamkeiten treibt, wenn ich nicht Acht gebe. Und dass ich keinesfalls sicher bin, wenn ich deshalb zu Hause bleibe und somit Leben vermeide. Die Erkenntnis macht mich jetzt nicht angstfrei, aber etwas begehrt auf in mir, so wie es schon oft in letzter Zeit der Fall war. Und dafür bin ich dankbar.

Sicherheit und Gewalt – weite Themen. Aber dennoch möchte ich hier zum Schluss kommen, nicht aber ohne mich bei Simon Bleckmann für seine mutige Offenheit zu bedanken und natürlich beim Weseler (und den dazugehörigen Blättern), die hierfür Raum gaben."


(Name der Verfasserin ist der Redaktion bekannt)
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Wolfgang Schroeder aus Iserlohn-Letmathe | 01.07.2015 | 14:38  
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