Auf ein Wort: Vertrauen und Nachsicht

Anzeige
Ilona Schmidt ist Pfarrerin im evangelischen Kirchenkreis Hattingen-Witten.
Was ich an Witten besonders liebe ist, es liegt ja quasi mitten im Wald. Und ich wohne direkt am Waldrand. Bei uns heißt das: regelmäßiger Besuch von Rehen, insbesondere von einem jungen Rehbock. Ich bin von dem Tier ganz hingerissen.
Die Nachbarn sind nicht so begeistert, was ich ein bisschen verstehe, denn denen frisst er immer die Gärten leer. Unser Garten ist nicht so zugänglich, den nehmen sich eher die Schnecken vor.
Neulich hatte ich ein besonders schönes Erlebnis mit dem Böckchen. Ich stand mit meinem Hund vor dem Haus. Der Hund war damit beschäftigt Futter zu suchen, das ich versteckt hatte und hatte daher keine Augen und auch keine Nase für das, was um ihn herum vor sich ging. Plötzlich hörte ich ein ganz leises Hufgeräusch. Das Rehböckchen kam den (asphaltierten) Waldweg herunter. Etwa drei Meter entfernt von mir blieb es stehen, schaute nach rechts, schaute nach links, sah mich, schaute noch einmal nach rechts und noch einmal nach links, schaute noch einmal, na, sie wissen schon … und dann ging es ganz gemächlich in Nachbars Garten - wahrscheinlich zum Abendessen.
Ich war von dieser Begegnung und der Zutraulichkeit des Tieres total gerührt und habe beim Schreiben dieser Zeilen noch mal eine Gänsehaut bekommen. Solch ein Vertrauen, solch ein Vertrauen ins Leben, solch ein Gottvertrauen wünsche ich Ihnen und mir … und meinen Nachbarn wünsche ich ganz viel Nachsicht.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.