Zimmerer ist für drei Jahre auf der Walz

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Der gebürtige Hattinger hat in Witten bei seiner Cousine Station gemacht. Sein ­schmales Gepäck in Form einer Wurst nennt sich „Charlottenburger“ und enthält das Nötigste für die Wanderschaft.
Viele kennen sie nur noch aus Märchen, und ihre Zahl ist heute gering - die der Handwerker, die auf Wanderschaft ihre Dienste anbieten. Malte Zyweck ist einer von weltweit nur noch 90 wandernden Handwerkern seiner Zunft und steht gerade am Anfang seiner langen Reise.
Der gebürtige Hattinger ist von seinem Wohnort Döttlingen (bei Oldenburg) aufgebrochen und hat in Witten bei seiner Cousine Bianca Rockholtz Station gemacht.
„Die Wanderschaft hat eine jahrhundertelange Tradition“, erzählt Malte Zyweck. „Man muss mindestens drei Jahre und einen Tag lang unterwegs sein. Die meisten von uns ziehen drei bis vier Jahre durch die Welt. Und es ist ein alter Brauch, dass es um den Heimatdorf herum eine Bannmeile von 50 Kilometern gibt, die drei Jahre und einen Tag lang nicht betreten werden darf.“
Was mitunter auch das Privatleben erschwert: „Meine Freundin wohnt in Dinklage, dort darf ich ebenfalls drei Jahre lang nicht hin, und so mussten wir uns am letzten Wochenende in Osnabrück treffen“, sagt der 22-Jährige.
Allzu oft werden die beiden sich in den nächsten Jahren nicht sehen, denn den jungen Zimmerer zieht es weit hinaus in die Welt. „Die weitesten gesteckten Ziele sind Neuseeland und Australien, und die werde ich mir auf jeden Fall erfüllen“, sagt er.
Gereist wird per Trampen. Ein Auto ist verboten, das Fahren mit Bus und Bahn verpönt. Und auch ein Handy ist verboten. Die Kontaktaufnahme zu Verwandten und Bekannten geschieht über das gute, alte Briefeschreiben. „Probleme habe ich damit nicht“, erzählt Malte Zyweck. „Als Handwerker in meiner Kluft werde ich immer mitgenommen und auch oft von Leuten angesprochen, die mich dann zum Essen einladen.“
Gearbeitet wird in Etappen. Die Zunft der „rechtschaffenden fremden Zimmerer- und Schieferdeckergesellen“, denen Malte Zyweck angehört, sieht vor, dass auf vier Monate Reisen mindestens sechs Wochen Arbeit folgen müssen.
Ein Bett finden die Handwerker immer. „Wir haben ein Herbergsverzeichnis dabei, in dem Kneipen stehen, die darauf eingerichtet sind, uns übernachten zu lassen. Und das ist recht gut verzweigt.“ Ein weiterer Vorteil ist, dass es vom Tresen zum Bett nicht allzu weit ist, denn, wie er sagt: „Bei uns wird abends auch ordentlich getrunken.“
Obwohl Malte Zyweck erst ein paar Wochen unterwegs ist, war es eine bewegte Zeit. „Man sieht etwas von der Welt, sammelt Lebens- und Arbeitserfahrung, lernt viele interessante Menschen kennen. Es ist mein absoluter Traumberuf, und alleine in diesen paar Wochen habe ich schon mehr erlebt als in der ganzen Zeit davor.“
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Jörg Manthey aus Witten | 13.04.2012 | 19:45  
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