Von Bränden, Politikern, Niklas und Jessica

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Das Königliche Schleusenwärterhaus, von den Wittenern liebevoll auch einfach nur „Schleusenwärterhäuschen“ genannt, wurde Opfer eines Brandanschlags.
 
Auch im Weichenwerk hat es gebrannt. Der Betrieb konnte relativ zügig wieder aufgenommen werden.

In Witten ist dieses Jahr unglaublich viel kaputtgegangen  –  der ultimative Rückblick aufs abgelaufene 2015


Irgendwie lief es 2015 in und für Witten nicht rund. Zunächst mal ist unglaublich viel kaputtgegangen. Es ging schon in der Silves­ternacht los, als vor dem Jugendzentrum Freeze ein Mülleimer in Brand gesteckt wurde.

Beim Feuer wurde auch die Eingangstür in Mitleidenschaft gezogen, sodass das Freeze eine zeitlang geschlossen werden musste. Etwas länger geschlossen werden musste das königliche Schleusenwärterhaus, das im Januar Opfer einer Brandstiftung wurde. Bei Pelzer brannte es im März so richtig, zwei Monate später in einer Firma für Härtetechnik. Und damit nicht genug, denn im Juli gab es einen Großbrand im Weichenwerk. Von Hausbränden wollen wir an dieser Stelle gar nicht reden. Feuer, wohin das Auge sieht – Nero und Rom waren dagegen ein geschichtlicher Fliegenschiss an der Decke.
Doch nicht nur das Feuer, auch andere Elemente hatten 2015 offenbar keinen Bock auf Witten. Reichlich Wasser von oben gab es bei der feierlichen Eröffnung des Weihnachtsmarkts und so mancher Großveranstaltung. Aber wir wollen ja nicht klagen, dafür hatten wir immerhin Schnee im Oktober.
Was wir das ganze Jahr über hatten, waren Flüchtlinge. Flüchtlinge aus aller Herren Länder. Im Mai noch hieß es seitens der Stadt bezüglich des verfügbaren Wohnraums, man sei „ganz gut aufgestellt, aber da die weltweiten Flüchtlingsbewegungen alles andere als nüchterne Mathematik sind, wisse man nie, was noch bevorsteht“. Spätestens im November wusste man es – Kapazitäten erschöpft  – kurzfristig konnten dann durch Glück doch noch einmal Kapazitäten geschaffen werden, aber langfristig werden die ungeliebten Turnhallenbelegungen wohl nicht ausbleiben.
Unabhängig vom fehlenden Platz wurde und wird den Flüchtlingen von vielen Seiten Sympathie und Hilfsbereitschaft entgegengebracht. So hat sich das „Wandern mit Flüchtlingen“ der Sport-Union Annen zu einer festen Größe etabliert. Der Kinderschutzbund bietet Sprachkurse für Flüchtlinge an, Schüler der Hardenstein-Gesamtschule haben Geld gesammelt, Help-Kiosk und Rotes Kreuz haben für Leihfahrräder gesorgt, mit der Caritas konnten Flüchtlinge im Lehrschwimmbecken der Brenschenschule Kanufahren lernen, die Karateka der TG Witten trainierten mit Flüchtlingen, die Kita Neddenbur hat einen bunten Nachmittag für Flüchtlinge gestaltet, und auch ein Festival für Flüchtlinge gab es schon. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs, Wittener Institutionen und Vereine engagieren sich für die Vertriebenen und lassen sie dadurch vielleicht ein wenig von ihrem schweren Schicksal und potenziellem Hass, der ihnen vom braunen Pestgeschmeiß entgegen kommt, vergessen.
Wobei wir bei der Politik wären. Die Wittener Christdemokraten, die in dieser Stadt seit Urzeiten ohnehin kein Bein auf den Boden bekommen, haben sich die Peinlichkeit geleistet, mit Frank Schweppe einen SPD-Mann als Bürgermeisterkandidaten aufzustellen  – frei nach dem Motto „Da unsere Leute sowieso keine Chance haben, soll es halt einer aus der SPD richten.“ Kurz darauf sollte Bürgermeisterin Sonja Leidemann aus der SPD ausgeschlossen werden. Genutzt hat’s nix, sie wurde im September dennoch wiedergewählt – bei einer gigantischen Wahlbeteiligung von weniger als 40 Prozent beim ersten Stimmenfang, bei dem keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erzielen konnte. Also musste ein zweiter herhalten. Dass die Wittener auf dieses Possenspiel immer weniger Lust hatten, zeigte die zweite Wahl, bei der Frau Leidemann Herrn Schweppe mit 63 zu 36 Prozent in die Schranken wies, bei einer Wahlbeteiligung von diesmal knapp über 30 Prozent.
Eine gute Politikerin würde sicherlich auch Jessica Eger vom Stadtmarketing abgeben, die weiß, wie man offensichtliche Nachteile als Vorteile verkauft. O-Ton Jessica Eger anlässlich der Cabriobus-Touren, die im Mai begonnen haben: „Bei schönem Wetter wird offen gefahren, bei schlechtem Wetter kann der Ausblick durch das durchsichtige Dach genossen werden.“ Respekt!
Wenn es nicht brennt oder regnet, Flüchtlinge, Politiker und Jessica Eger schlafen und der Cabriobus steht, spielt die Technik verrückt. Gleich mehrere Male musste die Stadtgalerie geräumt werden, zum Glück waren es allesamt Fehlalarme. Gefährlicher wurde es da schon am Bahnübergang an der Stockumer Straße, dessen Schranken ein Eigenleben entwickelten und nicht immer dann he­runtergingen, wann es ihnen befohlen wurde. Am somit nur beschränkt beschrankten Bahnübergang ereignete sich in der Folge ein schwerer Unfall, bei dem ein Autofahrer schwer verletzt wurde. Niemand verletzt wurde, als die Züge nicht fuhren. Ende März fuhren sie ausnahmsweise nicht aus dem Grund nicht, dass die Angestellten der Bahn gerade mal wieder gestreikt haben, sondern weil Sturmtief „Niklas“ etwas geschafft hatte, was selbst Feuer, Wasser, Flüchtlinge, Politiker und Jessica Eger nicht geschafft haben, nämlich Bäume zu entwurzeln, die auf die Schienen fielen und den gesamten Zugverkehr lahmlegten.
All dies gehört der Vergangenheit an. Die Züge fahren wieder, am Schleusenwärterhaus wird wieder gefeiert, im Weichenwerk wieder gearbeitet.
Und ab Mai fährt auch der Cabriobus wieder, egal ob offen, oder mit durchsichtigem Dach – es ist einfach immer schön!
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