Keine Angst vor der schwarzen Frau

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Die Schornsteinfeger wünschen alles Gute und viel Glück für 2018. Auf dem Foto Azubi Noah Schröck, Josef van Nahmen, Stefan Kuipers und Manuela Lomme

Ausnahmsweise: Anfassen erlaubt

Soziale Komponente



Schornsteinfegermeisterin Manuela Lomme macht ihren Job mit Freude und aus Überzeugung. Im August 2017 legte die nun 35jährige ihre Meisterprüfung ab, nachdem sie eine verkürzte zweijährige Ausbildung absolviert und einige Jahre als Gesellin gearbeitet hatte. „Mir macht der Beruf Freude“, resümiert sie begeistert, „denn er ist äußerst vielseitig und ich habe gerne Kontakt zu Menschen“. Vorher hatte sie bereits eine Ausbildung im Garten- und Landschaftsbau abgeschlossen und eine weitere im Bereich der Feinwerkmechanik begonnen. „Das war allerdings alles nicht das Wahre für mich“, erinnert sie sich. Da ihr Onkel Eigentümer eines Schornsteinfegerbetriebes ist, lag es nah, diesen Bereich auszuprobieren. Nun ist sie sicher, das Richtige gefunden zu haben.
Neben der vielseitigen Tätigkeit, die längst nicht mehr nur aus dem Reinigen der Kamine besteht, sondern ein hochtechnisiertes Handwerk beschreibt, für das ein fundiertes Wissen vonnöten ist und das auch hoheitliche Aufgaben einschließt, zählt für sie die soziale Komponente. „Immer noch gelten wir als Glücksbringer für einen großen Teil der Menschen, die uns einfach mal anfassen, uns über die Schulter spucken oder links und rechts an uns vorbei gehen wollen“. Dies geschieht nach ihren Angaben zu den unterschiedlichsten Gelegenheiten. „Egal, ob vor der Lottoannahmestelle oder einfach irgendwo auf der Straße.“ Auch die Gründe seien unterschiedlich, sagt Manuela. Während der eine sich sagt, Glück zu haben, könne allgemein nicht schaden, möchte der zweite den schornsteinfegerlichen Segen für seinen Lottoschein, dem dritten kommt es darauf an, eine persönliche Pechserie endlich zu beenden und der vierte erhofft sich ob der Begegnung den positiven Verlauf einer schweren Krankheit bei sich oder einer nahestehenden Person.
Auch bei alten und alleinstehenden Menschen sind Manuela und ihre Kollegen beliebt. „Viele ältere Leute kommen selten aus dem Haus und somit in Kontakt zu anderen Menschen. Sie erzählen uns ihre Geschichten, wenn wir ihre Kamine überprüfen oder andere Aufgaben wahrnehmen und freuen sich, eine gute Zuhörerin zu haben“.
Momentan kann sie sich keinen anderen Job vorstellen.


Randolf Vastmans
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