Ein weiterer Stolperstein wird in Velbert verlegt

24. Mai 2019
09:00 Uhr
Neustraße 149, Neustraße 149, 42553, Velbert
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"Menschen, die man vergisst, sterben ein zweites Mal", heißt es. Carl Kipper, der einst auf der Neustraße in Tönisheide gewohnt hat (Bild), soll nicht in Vergessenheit geraten. Mit einem Stolperstein, der am Freitag, 24. Mai, verlegt wird, wird dem Euthanasie-Opfer gedacht.
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  • "Menschen, die man vergisst, sterben ein zweites Mal", heißt es. Carl Kipper, der einst auf der Neustraße in Tönisheide gewohnt hat (Bild), soll nicht in Vergessenheit geraten. Mit einem Stolperstein, der am Freitag, 24. Mai, verlegt wird, wird dem Euthanasie-Opfer gedacht.
  • Foto: Stadtarchiv
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Carl Kipper wurde am 12. Juli 1902 geboren, verstorben ist er mit gerade einmal 37 Jahren am 9. März 1940. Ein qualvoller Tod, denn der Tönisheider wurde zum Opfer des Nationalsozialismus.

"Mein Ur-Großonkel wurde im Zuge der T4-Aktion in Brandenburg an der Havel vergast", informiert Tobias Glittenberg. Nachdem er sich intensiv mit der Lebensgeschichte Carl Kippers befasst hat, initiierte er, dass ein Stolperstein verlegt wird. Am Freitag, 24. Mai, kommen um 9 Uhr daher geladene Gäste und gerne auch alle weiteren Interessierten an der Neustraße 149 zusammen, um im Rahmen einer kleinen Feier dem ehemaligen Bürger des Ortsteils diese Ehre zu erweisen.
Der deutsche Künstler Gunter Demnig hat den Stolperstein angefertigt und wird ihn an entsprechender Stelle in den Bürgersteig einsetzen. Tobias Glittenberg, der die Patenschaft für den Stein übernimmt und auch die Kosten trägt, wird darüber hinaus über das Leben Carl Kippers berichten. "Nachdem ich im Rahmen einer Gedenkveranstaltung bereits in der Gedenkstätte für die Opfer der Euthanasie-Morde in Brandenburg an der Havel eine selbstgeschriebene Kurzgeschichte vortragen durfte, folgt damit eine erste öffentliche Gedenkveranstaltung in der Heimat Carl Kippers."

Krankenakten waren aufschlussreich

Tobias Glittenberg, der nur einen Steinwurf vom ehemaligen Wohnhaus seines Ur-Großonkels aufgewachsen ist und nach wie vor in Velbert wohnt, ist im Rahmen der Ahnenforschung im Jahr 2015 auf erste Dokumente zu seinem Ur-Großonkel gestoßen. "Und wenn man einmal angefangen hat, sich einzuarbeiten und weitere Informationen zu beschaffen, kann man nicht mehr aufhören", so der Velberter, der viele Telefonate führte, zur Gedenkstätte in Brandenburg an der Havel fuhr und auch zahlreiche Stunden im Archiv der Stadt Velbert verbrachte. "Ich konnte nicht nur seinen Werdegang ermitteln, sondern auch zwei Nachfolger ausfindig machen", sagt Glittenberg. Dennoch seien seine Recherchen noch nicht abgeschlossen. "Carl Kipper hatte insgesamt zwölf Geschwister, vier davon waren älter als er", informiert er. Eine Schwester, so glaubt er zumindest, ist bereits im Kindesalter gestorben.
Besonders aufschlussreich seien die Krankenakten gewesen, die letzten acht Jahre seines Lebens ist Carl Kipper in einer Heil- und Pflegeanstalt in Bedburg-Hau betreut worden. "Von dort wurde er im März 1940 mit weiteren 335 Menschen nach Brandenburg gebracht", informiert Tobias Glittenberg im Gespräch mit dem Stadtanzeiger Niederberg. "Was hinter den Toren dieser Anstalt passiert ist, ist Geschichte."

"Datenschutz und Erinnerungskultur lassen sich nicht miteinander vereinbaren."

Eine Geschichte, die bloß nicht in Vergessenheit geraten darf, so der Velberter. Nicht nur das Schicksal eines seiner Ahnen, sondern auch aller weiteren Opfer dieser Zeit soll in Erinnerung bleiben. "In Velbert gibt es bereits 40 Stolpersteine", weiß Glittenberg. "Mit dem, der am Freitag verlegt wird, sind es dann 41." Leider gibt es nur keine informativen Unterlagen, wo all diese Steine genau zu finden sind - keinen Übersichtsflyer für Interessierte sozusagen. Daran möchte Tobias Glittenberg nun arbeiten. Mit Sicherheit könne er dabei auf die Unterstützung des Stadtarchivs bauen. "Die Mitarbeiter sind sehr engagiert und haben mir bei all meinen Recherchen geholfen." Mit einem gezielten Aktentausch zwischen Behörden und Einrichtungen, um Nachforschungen zu verkomplizieren, habe man damals nämlich Maßnahmen getroffen, um die Dinge zu vertuschen. Weitere Herausforderungen ergaben sich durch die veraltete Sprache, Sütterlinschrift und geschwärzte namen. "Eines wurde dabei sehr deutlich: Datenschutz und Erinnerungskultur lassen sich nicht miteinander vereinbaren."

"Ein Stolperstein vor einem Haus erinnert an den Menschen, der einst dort wohnte und hält diesen lebendig", so der Velberter, der am Freitag mit weiteren Interessierten vor dem ehemaligen Wohnhaus seines Ur-Großonkels zusammenkommt. Interessierte sind zu der Verlegung des Stolpersteines eingeladen. Neben Volker Münchow, stellvertretender Bürgermeister der Stadt Velbert, den Mitarbeitern des Stadtarchivs und Mitgliedern des Bergischen Geschichtsvereins, sind auch Verantwortliche der Technischen Betriebe Velbert (TBV) vor Ort sowie selbstverständlich der Künstler Gunter Demnig. Wer mehr über die Lebensdaten Carl Kippers erfahren möchte, erhält dabei entsprechende Informationen.

Termin: Die Verlegung des Stolpersteines in Gedenken an Carl Kipper findet am Freitag, 24. Mai, statt. Beginn ist um 9 Uhr an der Neustraße 149 in Tönisheide.

"Menschen, die man vergisst, sterben ein zweites Mal", heißt es. Carl Kipper, der einst auf der Neustraße in Tönisheide gewohnt hat (Bild), soll nicht in Vergessenheit geraten. Mit einem Stolperstein, der am Freitag, 24. Mai, verlegt wird, wird dem Euthanasie-Opfer gedacht.
Die letzten Jahre seines kurzen Lebens verbrachte Carl Kipper in einer Heil- und Pflegeanstalt in Bedburg-Hau. Seine eigentliche Heimat war der Nevigeser Ortsteil Tönisheide.
In diesem Haus an der Neustraße 149 verbrachte Carl Kipper den größten Teil seiner Kindheit und seiner Jugend. Hier zu sehen sind unter anderem (in der unteren Etage) seine Mutter und sein Vater.
Carl Kipper wurde am 12. Juli 1902 geboren, verstorben ist er mit gerade einmal 37 Jahren am 9. März 1940. Ein qualvoller Tod, denn der Tönisheider wurde zum Opfer des Nationalsozialismus.
Autor:

Maren Menke aus Velbert

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