Betörendes magisches Theater: Hesses "Der Steppenwolf" im Schauspielhaus

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Harry Haller (Roland Riebeling) macht extreme Erfahrungen. (Foto: Aurin)

Fragt man Menschen nach ihrem Lieblingsbuch, so werden bestimmte Titel immer wieder genannt – Salingers „Der Fänger im Roggen“, Harper Lees „Wer die Nachtigall stört“ und natürlich Hermann Hesses „Der Steppenwolf“. Den Stoff auf die Bühne zu bringen, ist in solchen Fällen ein besonderes Wagnis.

Schließlich ist die Gefahr groß, die Vorstellungen der Zuschauer zu verfehlen. Paul Koek begegnet diesem Risiko in den Kammerspielen des Schauspielhauses, indem er mit gängigen Rezeptionsgewohnheiten bricht. Gerade dadurch gelingt es ihm, dem Roman, der die Geschichte der zerrissenen Hauptfigur Harry Haller (Roland Riebeling) aus drei Perspektiven erzählt, auf eindrucksvolle Weise gerecht zu werden.
Haller ist hin- und hergerissen zwischen seiner triebhaften dunklen Seite und seinem Anspruch an sich selbst, ein Mensch zu sein, der der Hochkultur frönt und sich über die Vergnügungssucht seiner Zeit erhaben fühlt. Ein Ausweg wird für ihn erst denkbar, als er die eloquente Gelegenheitsprostituierte Hermine (Therese Dörr) kennenlernt. Vielleicht, so deutet sich an, kann der Humor ja zwischen den scheinbar unauflöslichen Widersprüchen vermitteln.

Magisches Theater

Mit nur sechs Schauspielern – neben Riebeling und Dörr Marco Massafra, Bettina Engelhardt, Michael Kamp und Raphaela Möst – kommt Koek den Rätseln des Stoffes auf die Spur. Dreh- und Angelpunkt ist dabei das Magische Theater, in dem Haller ganz neue Aspekte seines Selbst entdeckt.
Hier kommt der siebte Hauptakteur des Abends zum Zuge: der Musiker und Videokünstler Jeroen Hofs, bekannt unter dem Namen Eboman. Seine Beiträge machen die „Steppenwolf“-Inszenierung zu einem sinnlichen Vergnügen, das sich wohl auch bei mehrmaligem Sehen nicht vollständig erfassen lässt.

Termine
Am Sonntag, 12. Februar, ist „Der Steppenwolf“ um 17 Uhr wieder in den Kammerspielen des Schauspielhauses, Königsallee 15, zu sehen.
weitere Termine: Samstag, 25. Februar, 19.30 Uhr; Samstag, 11. März, 19.30 Uhr; Sonntag, 12. März, 17 Uhr; Donnerstag, 16. März, 19.30 Uhr; Sonntag, 2. April, 17 Uhr.
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Christoph Nitsch aus Bochum | 07.02.2017 | 00:07  
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