Düstere Hotelepisode - Ingo Knosowski erhält den Förderpreis 2013 des Literaturbüro Ruhr

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Ingo Knosowski gewinnt mit einer kompromisslosen Kurzgeschichte den Förderpreis des Literaturpreises Ruhr 2013. (Foto: Gerhäußer)
Einiges an Mut bedarf es, eine derart düstere Kurzgeschichte für einen Literaturpreis einzureichen, wie es Ingo Knosowski für den Förderpreis des Literaturpreis Ruhr tat. Und ebenso mutig ist es vom Literaturbüro Ruhr, diesen Text zu einem der beiden Siegertexte zu küren.

von Harald Gerhäußer

Das Literaturbüro Ruhr vergibt jährlich den Literaturpreis Ruhr als Hauptpreis und zwei Förderpreise, die mit einer Dotierung von 2.555 Euro die schöngeistige Literatur im oder über das Ruhrgebiet fördern sollen. 2013 stand der Wettbewerb unter dem Motto „Hotel“. Der Hauptpreis geht in diesem Jahr an Karl-Heinz Gajewsky. Die Förderpreise erhalten Marion Gay (Hamm) und der Bochumer Autor Ingo Knosowski.

„Bande“ heißt die Kurzgeschichte, die Knosowski (46) Ende Juni einreichte. Er entfaltet darin eine vielschichtige düstere Hotelepisode, die den Charme eines Road Movies mit der Zynik des Film noir verbindet und eine zunächst harmlose One-Night-Stand-Story in eine perfide Missbrauchserzählung münden lässt.

„Anfang Oktober rief mich der wissenschaftliche Leiter des Literaturbüros Ruhr an und bat mich, das Zimmer zu verlassen, weil er mir etwas Vertrauliches zu erzählen habe, das zunächst niemand mitbekommen sollte. Dann sagte er mir, dass ich einen der beiden Förderpreise gewonnen habe und mich gegen 259 Mitbewerber durchsetzen konnte“, erzählt Knosowski. Erst nach der heutigen Pressekonferenz zum Literaturpreis Ruhr darf Knosowski sich auch öffentlich über den Preis freuen, der ihm am 15. November um 19.30 Uhr im Schloss Broich in Mülheim bei einem Festakt für die Preisträger offiziell verliehen wird.

Auf die Frage, was er mit dem Preisgeld vorhat, antwortet Knosowski nüchtern: „Ich werde Holz kaufen für einen warmen Winter.“ Dies sei nicht falsch zu verstehen, denn der Preis motiviere ihn unendlich, sagt der Autor. „Vielmehr ist es so, dass ich mir nichts vormache und weiß, da ich eine Familie zu ernähren habe, muss ich arbeiten gehen. Daran wird auch der Preis nichts ändern. Natürlich würde ich gerne vier Stunden am Tag schreiben, aber das ist nicht mit der Realität vereinbar.“

Aus diesem Realismus ergebe sich auch sein Schreibmodus, den er als unendliches Notieren von Alltagsszenen und Gedanken beschreibt, die dann in ruhigen Momenten zu einem Gesamttext zusammenwüchsen. So sei auch der der 221 Seiten umfassende Roman entstanden, den er in diesen Tagen beendet und von dem er sich erhofft, dass er in Zukunft erscheinen wird. Vielleicht ist, neben dem Holz für den Winter, die Veröffentlichung seines ersten Romans eine Folge des Förderpreises. „Es ist mein Ziel, dass es nicht bei dieser einen öffentlichen Erwähnung von mir als Autor bleibt. Ich möchte Romane veröffentlichen und werde immer schreiben, weil mir sonst etwas Wichtiges in meinem Leben fehlen würde“, sagt der Förderpreisträger Ingo Knosowski.
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Britta Meyer aus Düsseldorf | 27.11.2013 | 11:51  
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