Theater für Herz und Verstand: "Nalu und das Polymeer" im Theater Unten

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Selbst die Häuser sind in Nalus Welt aus Plastik. (Foto: Küster)

Polymere sind die Hauptkomponente zur Herstellung von Kunststoffen. Martina van Boxen versetzt die großen und kleinen Zuschauer im Theater Unten in eine Welt, die vielleicht gar nicht so weit von der Realität entfernt ist, wie es zunächst scheint: In „Nalu und das Polymeer“ leben Menschen in nicht allzu ferner Zukunft auf einer Insel, auf der Plastik der einzige verbliebene Rohstoff ist. Van Boxen, die das Stück geschrieben hat und auch Regie führt, zeigt ein trostloses Leben. Unvermittelt findet das Mädchen Nalu ein Stück Holz – und entwickelt die Utopie einer besseren Welt.

Ihr Mentor Debisias berichtet ihr von einer sagenhaften Welt, in der es Pflanzen und Tiere gegeben haben soll. Nalu gelingt es, die Mehrheit der Inselbewohner für ihren Plan zu gewinnen, eine Gegend anzusteuern, in der es diese wunderbare Vielfalt vielleicht immer noch gibt. Im Hintergrund sieht der Zuschauer Filme, die die bedrückende Aktualität des Problems Plastikabfall zeigen: Menschen in der Dritten Welt waten durch den Wohlstandsmüll, der aus reichen Ländern dorthin exportiert worden ist. In einer Müllsortierungsanlage kommen bergeweise Kunststoffe an.
Die von Esther van de Pas liebevoll gestalteten Kostüme holen das Thema ganz nah an das Bochumer Theaterpublikum heran: Die Westen, die die Schauspieler Michael Habelitz, Manuel Loos und Maria Trautmann tragen, sind aus Plastiktüten gefertigt, die sich in der Innenstadt ansässigen Modeketten zuordnen lassen.
Die drei Schauspieler sorgen auch für Musik – und die hat es in sich. Loos schafft atmosphärisch dichte elektronische Klänge. Trautmann spielt Posaune, aber nicht irgendeine: In einer Welt, in der alles aus Polymeren besteht, sind auch die Musikinstrumente aus Plastik. Das gilt auch für die imposante Flöte, auf der Habelitz musiziert. Das ungewöhnliche Klangerlebnis trägt mit dazu bei, dass das Stück bei allem Ernst ein ausgesprochen sinnliches Vergnügen bietet.
Der Autorin und Regisseurin ist es wichtig, dass das Stück bei allem Ernst nicht moralinsauer gerät. Das ist gelungen. Mit einer Mischung aus Geschichtenerzählen und Dialogszenen wird Kindern ab zehn Jahren, aber auch Erwachsenen ein drängendes Thema nahegebracht.

Termine
- „Nalu und das Polymeer“ ist am Donnerstag, 13. Oktober, um 18 Uhr wieder im Theater Unten des Schauspielhauses, Königsallee 15, zu sehen.
- Eine weitere Vorstellung folgt am Sonntag, 16. Oktober, um 17 Uhr.
- Auch am Dienstag, 1. November, wird das Stück aufgeführt. Beginn: 17 Uhr.
- Am Donnerstag, 10. November, besteht um 18 Uhr erneut Gelegenheit, „Nalu und das Polymeer“ zu sehen.
- Eine weitere Vorstellung ist am Samstag, 12. November, um 16 Uhr angesetzt.
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