Zauberwort „Solidarität“: Dr. Rainer Slotta sprach über die Wesenszüge des Bergbaus

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Zahlreiche Abordnungen von Knappenvereinen wohnten dem Gottesdienst in der Vinzentiuskirche bei. (Foto: Harkort)
 
Der ehemalige Direktor des Deutschen Bergbaumuseums, Prof. Dr. Rainer Slotta, und Pfarrer Dr. Gerald Hagemann. (Foto: Harkort)

Wer meint, die heilige Barbara, Opel und die Ökumene hätten nichts miteinander zu tun, der war nicht in der Harpener St. Vinzentius-Kirche als der ehemalige Leiter des Deutschen Bergbau-Museums Prof. Dr. Rainer Slotta über „Solidarität und Ökumene – Wesenszüge des Bergbaus“ sprach. Seine Kanzelrede war Teil der Gottesdienst-Reihe „Mit Herzen, Mund und Händen. Ökumene jetzt.“

Es gibt eine Schnittstelle zwischen der Bergmannskultur und dem kirchlichen Leben. Davon hat Prof. Dr. Rainer Slotta wohl alle Besucher der übervollen St. Vinzentius-Kirche überzeugen können.
Für einen eindrucksvollen Anblick sorgten aber nicht nur die vielen Besucher, sondern vor allem die zahlreich erschienen Knappen, die aus unterschiedlichsten Knappenvereinen der Umgebung angereist waren. Einige waren so üppig geschmückt, dass sie beim Einlaufen durch die Kirchenportale den Kopf einziehen mussten. Federn bedeckten ihre Bergmannsmützen und im Altarraum postierten sich sechs Knappen mit großen Fahnen ihrer Vereine. Wer etwas genauer hingeschaut hat, dem bot sich ein besonders schönes Bild. Zum ersten Mal seit vielen Jahren saßen vor den „echten“ Bergmannsfenstern der St. Vinzentius-Kirche auch „echte“ Bergmänner.
Eine von Prof. Dr. Rainer Slotta mit Bedacht gewählte Mischung aus wissenschaftlichen Aspekten, Schicksalsgeschichten und Glaubenselementen machte die Kanzelrede zu einer lebendigen Erzählung, der alle gebannt zuhörten. Für Slotta ist Solidarität eine Nächstenliebe, also eine durchaus christliche Tugend, die es in verschiedensten Ausprägungen gibt, vor allem aber im Bergbauwesen. Ungeachtet der Grenzen, die gesellschaftliche Klassen und Schichten zwischen ihnen schaffen, müssen Bergleute sich uneingeschränkt auf ihre Nächsten verlassen können. Stichworte wie Gemeinschaft und Zusammenhalt prägten die Kanzelrede, die auf irgendeine Art und Weise mehr war als nur eine Rede.
Als Prof. Dr. Slotta vom schrecklichen Grubenunglück 1906 in Nordfrankreich erzählte, flossen hier und da sogar einige Tränen. Ob aus Trauer um die gefallenen Opfer oder aus Bewunderung für die Bergleute aus dem Ruhrgebiet, die sich trotz der Feindschaft zu Frankreich auf den Weg machten, ihren Kameraden zu helfen.
Obwohl der besondere Arbeitszweig Bergbau an Bedeutung verliert, bedeutet das für den Archäologen noch lange nicht, dass es damit auch vorbei ist mit der Solidarität. Im Gegenteil. Wer in diesen Tagen durch Bochum läuft, findet überall Plakate, auf denen sich Menschen und auch große Unternehmen mit Opel solidarisieren. Auch die Ökumene bedeutet letztendlich nichts anderes als „die bewohnte Erde“, das Miteinander, eine Solidargemeinschaft.
Nicht nur die Kanzelrede, auch der gesamte Gottesdienst wurde unter der Leitung von Pfarrer Dr. Gerald Hagmann auf „bergmännische“ Art und Weise gefeiert. Die Knappen sprachen Gebete und Fürbitten, das Lied der heiligen Barbara, Schutzpatronin der Bergmänner, wurde gesungen. Zum feierlichen Abschluss zogen die Knappen aus der Kirche aus, begleitet von einem stimmgewaltigen Bochumer Knappenlied, das so manchem eine Gänsehaut bescherte.
Die anschließende Runde im Gemeindehaus wurde von Pfarrer Arno Lohmann moderiert und bestätigte letztlich besonders eines: Prof. Dr. Rainer Slotta hat an diesem Sonntag nicht nur eine Rede gehalten, sondern auch ermutigt und inspiriert. Zu einem respektvollen und hilfsbereiten Miteinander, im Beruf, in der Ökumene, im Leben.
Text und Fotos: Viviane Harkort
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