Komplettes Chaos am Straßenrand - mit Hund, mit Schnee, mit Lasten

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Wie schön, dass jetzt wieder hoher Schnee lag! Der Himmel war frostig blau und überall türmten sich Schneeberge, denn diese Mengen waren kaum zu bewerkstelligen. Da musste man doch einfach hinaus in die klare Winterluft!
Ich zog meinen dick gefütterten hellblauen Anorak über und nahm den Hund an die Leine.
Er konnte es kaum erwarten und sprang an mir hoch, war aufgeregt ob des kommenden ausgiebigen Spaziergangs durch das kühle Winterweiß.
Mit ausladenden Schritten marschierte ich los, doch „Sam“ war schneller. Aber wofür gab es eine Leine, die zügelte und gefügig machte?
Mit Vergnügen und Hund wanderte ich durch unser Dorf, hatte einiges zu erledigen, kaufte noch in einem Geschäft zahlreiche Lebensmittel ein, die ich in meinem großen Wanderrucksack verstaute. Der Rucksack wog schwer, aber ich war gewohnt, ihn zu tragen.
Auf dem Rückweg machte ich „Sam“ zuliebe einen Umweg und wir spazierten durch verschneite Wege. Ich ließ ihn von der Leine und er wälzte sich im Schnee, ausgiebig, bekam gar nicht genug davon. Ein älterer Mann mit Hund kam uns entgegen, leinte ängstlich seinen kleinen Hund an und verlangte von mir das Gleiche. Was musste solch ein Hund denken, wenn er von seinen Artgenossen fern gehalten wurde!
Kein Schnüffeln, kein Spiel, kein Spaß!
Nun hatten wir es bald geschafft. Lediglich eine große Straße war noch zu überqueren. Sam zog ungestüm an der Leine, denn der heimische Fressnapf wartete. Am Straßenrand türmten sich hohe Schneeberge, die es galt, zu überwinden.
Leichtfüßig lief Sam hinüber und ich balancierte vorsichtig über die matschig grauen Ungetüme.
„Zu langsam“ beschloss er und mit einem gekonnten Satz befand er sich mitten auf der Straße. „Warte“ schrie ich und wurde von der Leine mitgerissen. Ein Auto hupte. Im Scheinwerferlicht sah ich den Hund, sah, was passieren konnte. Mit einem jähen Ruck riss ich an der Leine, riss den Hund zurück – und landete unsanft auf meinem Allerwertesten. Sofort stürzte sich Sam über mich, jaulte, leckte mir das Gesicht.
„Was war mit Frauchen passiert?“
Wie ein dicker Maikäfer lag ich auf dem Rücken, ruderte mit den Beinen, ab geschlabbert von einem Hund und krampfhaft bemüht, die Leine zu halten. Der schwere Rucksack zog mich immer wieder nach hinten.
„Gewicht verlagern, Gewicht verlagern!“ dachte ich nur. Ich stützte mich rechts seitlich ab, in linker Hand die Leine des Hundes – und kollerte zurück. Zweimal. Dreimal.
Also gut. Ich musste richtig in den kalten Schnee hinein fassen, mich aufstützen. Es gelang. Schwankend kam ich auf die Beine. Ein gütiger Autofahrer, der den Vorgang beobachtet hatte, ließ uns den Vorrang, die Straße zu überqueren.
Zu Hause angekommen genehmigte ich mir erst einmal in aller Seelenruhe einen Cappuccino. Sam schaute ungläubig. So etwas hatte er noch nie erlebt. Wieso bekam er nicht als Erster Futter? Ich ließ mir Zeit, viel Zeit.
Also gut, du sollst dein Fressen haben, knurrte ich ihn an, und stellte den Napf an einen ungewohnten Ort der Küche. Der Hund schaute irritiert. „Auf welche Ideen Menschen immer kommen!“
Mittlerweile haben wir uns wieder vertragen, liegen gemeinsam auf der Couch, gucken im Fernsehen Bilder von Straßenchaos, umgestürzten Bäumen und Schneebergen am Straßenrand.
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