Dr. Hadid aus Syrien lebt mit seiner Familie in Bottrop - „Ich liebe Bottrop“, sagt seine Frau

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Seit fünf Jahren ist Dr. Mohamed Samer Hadid am Marienhospital in Bottrop tätig. Er ist Spezialist für Darmerkrankungen. (Foto: Thomas Eickholt)

Vor ein paar Monaten hat Familie Hadid in Bottrop eine Wohnung gekauft. „Und wenn ich eine Wohnung kaufe, bin ich Bottroper“, sagt Dr. Mohamed Samer Hadid. Sein Herz aber, sagt der Arzt, sei in Syrien.


Seit fünf Jahren ist der 36-Jährige in der Proktologie des Marienhospitals tätig, vor zwei Jahren hat er seinen Facharzt-Titel erworben. „Ich habe hier viel, viel gelernt“, sagt Mohamed Samer Hadid. Als Koloproktologe, also Facharzt für Darmerkrankungen zu arbeiten, sei sein Traum gewesen, erzählt der Mediziner. Im Jahr 2008 ist der Syrer aus seiner Heimat nach Berlin gekommen, hat dort als Gastarzt am Unfallkrankenhaus Marzahn gearbeitet, kostenlos. Zielstrebig hatte der junge Mann schon mehrere Monate in seinem Heimatland deutsche Vokabeln gepaukt. Er wollte lernen, seinen Facharzt machen und in seine Heimat zurückkehren. „Es war nicht mein Plan, in Deutschland zu bleiben.“

Der Krieg in Syrien hat einen Strich durch seine Pläne gemacht. Die Eltern leben noch immer in Damaskus, doch ihr Sohn kann sie schon längst nicht mehr besuchen, nur seine Frau fliegt manchmal rüber. „Männer, die Syrien verlassen haben, werden oft als Verräter beschimpft“, erzählt er. „Außerdem: Ich bin jung, Arzt - wer weiß, ob ich dort nicht plötzlich verschwinde, weil ich ,gebraucht‘ werde“, sagt Dr. Hadid. „Meine Eltern sagen jedenfalls: Bleib in Deutschland, hier ist es für dich viel zu gefährlich.“ Auch die Geschwister leben im Ausland.

Auch wenn er sich alles anders vorgestellt hat, Mohamed Samer Hadid hat seinen Lebensmittelpunkt längst nach Bottrop verlagert. Seine Frau Souad, angehende Apothekerin, ist seit fast fünf Jahren ebenfalls hier, Töchterchen Dana, vier Jahre alt, und Sohn Nasib (3) - waschechter, in Bottrop geborener Ruhri - gehen in die Kita des Marienhospitals. Seit März hat Mohamed Samer Hadid zwei Pässe, einen syrischen und den deutschen.

Sein erster Eindruck von Bottrop sei „sehr schön“ gewesen, sagt Dr. Hadid. „Hier ist alles was man braucht in fünf Minuten erreichbar.“ Seine Frau sagt: „Ich liebe Bottrop.“ Doch nicht nur die Stadt bekommt von dem 36-Jährigen gute Noten: „Die Menschen hier sind voller Respekt gegenüber anderen. Das ist wichtig, das findet man in anderen Ländern nicht unbedingt.“ Probleme, weil er Ausländer sei, habe er noch nie gehabt, betont der Doktor.
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