Flüchtlinge: Bottrop nimmt mehr Menschen auf

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Sozialamtschef Peter Sommer und Stadtkämmerer Willi Loeven gehen die Asylbewerberzahlen durch. Seit November steigen die Flüchtlingszahlen stark an. Foto: Borgwardt

Bottrop muss sich auf eine hohe Zahl neuer Flüchtlinge einstellen: Die Anzahl der Neuzugänge sei in den vergangenen zehn Tagen massiv gestiegen, so Stadtkämmerer Willi Loeven. Nun ist es das Ziel der Stadt, die Ankömmlinge rasch und menschenwürdig unterzubringen, um Fehler und Konflikte wie in anderen Städten zu vermeiden. Loeven: "Zeltstädte oder ähnliches wird es in Bottrop nicht geben". Für die Menschen werden Wohnungen und Häuser gesucht.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Während 2012 gerade einmal 19 Asylbewerber nach Bottrop kamen und die Gesamtzahl bei 399 Menschen lag, wurden allein in der vergangenen Woche 33 Personen in Bottrop aufgenommen. "Zur Zeit sind es 670 Menschen, um die wir uns kümmern", erklärt Sozialamtsleiter Peter Sommer. Seit Novemberbeginn klettern die Zahlen von Menschen, die vor Krieg, Not und Terror aus dem Nahen Osten, Afrika und Südosteuropa geflohen sind und nun in Bottrop eine zeitweilige Heimat finden.

Menschenwürdige Unterbringung vermeidet Konflikte


Nun geht es vor allem darum, die Flüchtlinge menschenwürdig unterzubringen. "Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Körnerschule für 80 Personen umzubauen", so Willi Loeven. Die Renovierung ist bereits fast abgeschlossen und bietet auch für Familien die nötige Privatsphäre. "Pro Bewohner müssen mindestens 22 Quadratmeter Wohnfläche gewährleistet sein", so Loeven, "wir nehmen lieber noch ein Gebäude hinzu, bevor wir die Menschen zusammenpferchen. Das ist nicht nur unwürdig, sondern steigert auch das Konfliktpotential."

Was selbstverständlich klingt, wurde längst nicht in allen deutschen Städten beherzigt. Unwürdige Zustände mit unzureichenden sanitären Anlagen, fehlender Distanz zwischen fremden Menschen, und Gewalt soll es in Bottrop nicht geben, da sind sich die Verantwortlichen einig: "Zeltstädte werden Sie bei uns nicht finden", sagt Loeven bestimmt. Lieber lasse er ein Haus bauen, das er nach einigen Jahren ganz normal weiterverkaufen kann.

Das Konzept ist in der Emscherstadt nicht neu: Schon in den 90er Jahren musste Bottrop viele Flüchtlinge aufnehmen, die aus den Bürgerkriegswirren Jugoslawiens nach Deutschland geflohen waren. "Wir hatten bis zu 1500 Menschen gleichzeitig unterzubringen", erklärt Sommer. Dass es dennoch nicht zu Problemen in einem Ausmaß kam, wie in anderen Städten, ist wohl auch dem umsichtigen Handeln der Verwaltung zu verdanken.

So bekommen die hier ankommenden Menschen Hilfsangebote und Unterstützung, müssen aber auch selbst Aufgaben übernehmen und etwa einen Hauswirtschaftsplan erstellen. Sprachkurse, Schule und Kindergärten helfen bei der Integration. "Die Sprachbarriere ist gerade bei den syrischen Flüchtlingen nicht sehr hoch, da fast alle englisch sprechen", so Sommer. Tatsächlich seien die meisten Menschen, die aus dem östlichen Mittelmeerraum kommen, gut ausgebildet und bräuchten nur wenig Anleitung, um sich zurecht zu finden.

Wohnungen werden noch gesucht


Nun muss nur noch die Unterbringung geklärt werden, was gar nicht so einfach ist. "Wir haben in Bottrop nur einen Leerstand von etwa zwei Prozent", so Loeven. Daher sei die Stadt um jeden Hausbesitzer dankbar, der Wohnraum zu vermieten habe. "Wir hoffen, noch zehn bis fünfzehn Wohnungen zu bekommen. Jede einzelne hilft uns dabei weiter", betont der Kämmerer. Anbieter können sich dabei unter der Nummer 703659 mit Sozialamtsleiter Peter Sommer in Verbindung setzen.

Bis zum Jahresende rechnet die Stadt mit einer Gesamtzahl von etwa 750 bis 800 Asylbewerbern, die Bottrop von der Landesregierung zugeordnet werden. "Auf die Zahl haben wir keinen Einfluss", so Sommer. Willi Loeven hofft, dass die Bottroper die Flüchtlinge weiterhin so freundlich aufnehmen, wie man es aus den vergangenen Jahren gewohnt sei.
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