Goldene Zeichen fürs "1910"

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Ganz vorsichtig trägt Ged Palmer das Gold Blatt für Blatt auf die Scheibe auf. Später entstehen daraus die Ziffern "1910" - der Name der neuen Brasserie.

Ged Palmer liebt Buchstaben. „Schriften haben mich schon immer interessiert. Und handwerkliches Arbeiten.“ Für vier Tage hat Palmer seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt London mit Castrop getauscht. Um Glanz in die Altstadt zu bringen.

Besser gesagt Gold. Denn der 28-Jährige hat der neuen Gastronomie „1910“ von Bubi Leuthold und seiner Familie den Namen in Form goldener Ziffern angeheftet. Nicht wie heute üblich aus Folie. Sondern aus Blattgold. Italienisches Gold, Zitronengold, 24 Karat. „Das ergibt gute Kontraste“, lässt Palmer wissen.
Er beherrscht das inzwischen fast ausgestorbene Handwerk des „glass-gilding“. Palmer selbst sieht in seinem Handwerk eine Kombination aus Schriftsetzer (lettering) und Schildermalerei (sign-painting).

Für die handwerkliche Glas-Vergoldung trägt der 28-Jährige aus London vorsichtig Blatt für Blatt des hauchdünnen Goldes auf. Mit Lösungsmitteln bearbeitet er das Werk, um Effekte zu erzielen. „Mit Ölverdünnung wird das Gold matt, mit Wasser und Gelatine entsteht ein Spiegeleffekt“, erklärt der Londoner. Später werden die Ziffern mit Hilfe einer Schablone aus der goldenen Fläche ausgeschnitten und schließlich mit Lack versiegelt. „Damit die Fensterscheiben auch geputzt werden können.“

Auch über dem Eingang der Brasserie hängt der goldene Schriftzug „1910“. Er prangt auf einer großen Glasscheibe, die hinterleuchtet wird.

"Glas-Vergolder"


„Ged Palmer ist einer der weltbesten Handtypografen“, schwärmt Andreas Hanke. Der Architekt aus Dortmund ist im Internet auf den Londoner „Glas-Vergolder“ gestoßen. „Ich habe für mein Unternehmenslogo jemanden gesucht und eine Liste der 20 Besten des Fachs gefunden. Und Ged Palmer hat mich überzeugt. Er hat fürs ,1910‘ das Logo und die Speisekarte entworfen.

Bei solch ambitionierten Projekten wie Leutholds Brasserie am Altstadtmarkt ist das alte Handwerk wieder gefragt“, weiß Hanke. Bis in die fünfziger Jahre seien die handwerklichen Verfahren üblich gewesen. „Im 19. Jahrhundert waren ganze Gruppen von Schildermalern im Einsatz, und komplette Stadtviertel trugen eine einheitliche Handschrift.“ Seit den Achtzigern hätten die Reklamefolien das alte Handwerk aussterben lassen.

Ged Palmers goldene Ziffern fürs „1910“ sind sozusagen das letzte Glied in der Kette handwerklicher Arbeiten in der Brasserie. Zusammen mit belgischem Blaustein als Fußboden, 90 Jahre alten Lampen aus New York, Zinnplatten aus Detroit für die Decke, Lampen aus Australien und von ehemaligen Frachtschiffen aus Marseille sowie Bleiverglasung aus dem Castroper Wichernhaus bildet die Glas-Vergoldung nun die Ausstattung der neuen Gastronomie – hochwertig und international.

Hintergrund:

Ged Palmer hat Grafik-Design in Bristol studiert.
Seit zwölf Jahren beschäftigt er sich beruflich mit Schriften und alten Techniken.
Unmittelbar nach der Uni hat er sich selbstständig gemacht.
Außer in Castrop hat Palmer auch schon in Paris und San Francisco gearbeitet.
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