„Gebühren wurden um Welten erhöht“: Bestatter und Steinmetze spüren Folgen

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Auch manche Steinmetze und Bestatter merken die Auswirkungen der Gebührenerhöhung. (Foto: Thiele)

Seit Jahresbeginn müssen die Castrop-Rauxeler erneut tiefer in die Tasche greifen, wenn sie einen Verstorbenen auf einem städtischen Friedhof beerdigen möchten. Wie berichtet, hat die Stadtverwaltung die Bestattungsgebühren um durchschnittlich 3,5 Prozent erhöht und fürs kommende Jahr bereits weitere Anhebungen angekündigt. Diese Preiserhöhungen ziehen Kreise und gehen auch an Bestattern, Steinmetzen und Friedhofsgärtnern nicht unbemerkt vorbei.

„Die Gebühren wurden um Welten erhöht. Natürlich überlegt der Kunde jetzt, ob es ein stehender Grabstein sein muss oder ob ein liegender reicht“, schildert Manuel Wulfers von Rüttershoff Grabmale seine Erfahrungen seit der letzten Preissteigerung. Die Gebühr für die Aufstellung des Grabdenkmals beträgt nun 217 Euro (2014: 54 Euro), während die Gebühr für die Zulassung einer Namensplatte 54 Euro (2014: 53 Euro) kostet. Viele Kunden fragten jetzt nach liegenden Grabsteinen, die zum Beispiel kein Fundament benötigten und deswegen kostengünstiger seien, erläutert Wulfers.
Als „stark gestiegen“ bezeichnet Denis Prosenc, Inhaber der Steinbildhauerei Prosenc, die Anhebung der Grabmalgebühren von 54 auf 217 Euro. Auswirkungen, dass seine Kunden deswegen jetzt am Grabstein sparen, konnte er bisher allerdings nicht feststellen. „Wir stellen individuelle Steine her und bieten nichts von der Stange an. Da ist das Geld zweitrangig“, vermutet er.

Tendenz zur Feuerbestattung

Eine deutliche Tendenz zur billigeren Feuer- anstatt der Erdbestattung, obwohl dies nicht immer der ursprüngliche Wille sei, macht Heinrich Gösmann von Gösmann Bestattungen bereits seit Jahren aus. Dabei spielten seiner Meinung nach die steigenden Friedhofsgebühren auf jeden Fall eine Rolle. „Mittlerweile ist es wirklich eine Kostenfrage, ob die Hinterbliebenen eine Erd- oder Feuerbestattung wählen.“ Etwa 20 Prozent seiner Kunden würden sich während des Beratungsgesprächs umentscheiden, schätzt Gösmann.
„Ein einstelliges Urnenreihengrab mit Platte und Grabpflege kostet 2.133 Euro. Ein Rasenreihengrab mit Pflege, aber ohne Stein kostet 3.051 Euro“, rechnet Heinrich Gösmann vor. „Das sind 918 Euro weniger, und das ist ein Betrag, bei dem schon mal umgeschenkt wird.“
Seiner Ansicht nach mache es sich die Stadtverwaltung bei der Gebührenkalkulation zu einfach. So teile die Stadt am Ende eines Jahres die fixen Kosten für Maschinen und Mitarbeiter durch die Anzahl der Beerdigungen, glaubt Gösmann. Da die teureren Erdbestattungen abnähmen, beschlösse die Stadt dann, mit den Gebühren hochzugehen.
Dasselbe sei bei der Nutzung der Leichenzelle der Fall, deren Gebühr von 207 auf 435 Euro gestiegen ist. „Die Stadt sagt, der Raum wird weniger nachgefragt, also werden die Gebühren höher“, meint Gösmann, schränkt aber ein, dass er zu dieser Entwicklung selbst beitrage. Denn das Bestattungsunternehmen hat einen eigenen Aufbahrungsraum, so dass seine Kunden die Räumlichkeiten der Stadt kaum noch nutzen.
Den Trend zur Urnenbestattung bestätigt Michael Wefringhaus, Geschäftsführer von Blumen Wefringhaus. Die Erhöhung der städtischen Friedhofsgebühren macht er dafür allerdings nicht verantwortlich, sondern eher die generell hohen Kosten, die bei einer Beerdigung auf die Hinterbliebenen zukommen. Sein Unternehmen liegt an der Stadtgrenze zu Dortmund, und er hat in den letzten Monaten bemerkt, dass in der Nachbarstadt die Nachfrage nach einer Beerdigung auf dem Hainfriedhof in Westerfilde und im Kolumbarium in der Grabeskirche Liebfrauen zugenommen habe.
Schon seit Jahren werde viel weniger Blumenschmuck gekauft, erklärt Wilhelm Siewert, Inhaber von Blumen Siewert. Auch er sieht dafür aber den Grund nicht in den steigenden Friedhofsgebühren. „Die Anzahl der Trauernden und damit die Trauerfeiern sind nicht mehr so groß wie früher.“ Zudem gehe der Trend dahin, dass die Angehörigen den Blumenschmuck immer seltener direkt beim Friedhofsgärtner kauften. Nur noch auf 30 bis 40 Prozent schätzt Siewert den Anteil. „Heute läuft fast alles über den Bestatter.“
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