Ein „Fass ohne Boden“– LWL-Archäologen entdecken mittelalterlichen Holz-Brunnen in Dorsten-Hardt

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Fassbrunnen; Grabung der Außenstelle Münster in Dorsten-Hardt, Nonnenkamp (Foto: LWL)
Dorsten: Nonnenkamp 14 |

Dorsten (lwl). Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) haben in Dorsten-Hardt die Reste eines hölzernen Brunnen aus dem Mittelalter entdeckt. Der Brunnen gehört zu einer Siedlung, die aus der Zeit unmittelbar vor der Stadtgründung Dorstens stammt.

Für die LWL-Archäologen ist es ein Glücksfall: Hölzerne Brunnen sind in der Erde schnell vergänglich und erhalten sich nur unter günstigen Bedingungen. Der Schacht des Brunnens aus Dorsten-Hardt wurde mithilfe eines alten Holzfasses befestigt, bei dem Deckel und Boden ausgeschlagen waren. Das Fass ist noch etwa 60 cm hoch erhalten ist und hat einen Durchmesser von ca. 50 cm.

Das Fass haben die Archäologen vollständig im Block geborgen. Seine Verfüllung wird nun in der Restaurierungswerkstatt der LWL-Archäologie unter Laborbedingungen analysiert. Solche Untersuchungen sind vielversprechend, da mittelalterliche Brunnen oftmals aufschlussreiche Funde enthalten. Dazu zählen etwa kleinste Pflanzenreste, aus denen Wissenschaftler Rückschlüsse auf die damalige Ernährung ziehen können. Außerdem fielen den Menschen beim Wasserschöpfen häufig Gegenstände versehentlich in den Brunnen. Solche Funde tragen dazu bei, den mittelalterlichen Lebensalltag zu verstehen. Bei der Ausgrabung des Brunnens vor Ort zeigte sich bereits, dass dieser Reste eines Topfes aus Keramik enthielt.

Seit April 2017 finden in Dorsten-Hardt in Vorbereitung auf eine geplante Bebauung Ausgrabungen unter der Fachaufsicht der LWL-Archäologen in Kooperation mit der Stadt Dorsten und der Wirtschaftsförderung in Dorsten GmbH (WINDOR) statt. Auf dem Gelände des Neubaugebiets sind Siedlungsspuren quer durch alle Epochen bekannt, die weitere Untersuchungen notwendig machten. Zuletzt stieß das Team um den Grabungsleiter Dr. Ingo Pfeffer auf die Hinterlassenschaften einer mittelalterlichen Siedlung. Von dieser Siedlung haben sich Gruben und Pfostenlöcher von Holzhäusern erhalten, die die Forscher mit Hilfe der darin gefundenen Keramikscherben in die Zeit des 11. bis 13. Jahrhunderts datieren können. „Interessant ist, dass die Menschen hier offenbar etwa bis zu dem Zeitpunkt lebten, als Dorsten im Jahr 1251 die Stadtrechte erhielt“, erläutert Dr. Ingo Pfeffer.

Wie genau die mittelalterliche Siedlung in Dorsten-Hardt aussah, werden die Archäologen des LWL in den kommenden Monaten untersuchen. Die Grabungen dauern voraussichtlich bis zum Jahresende an.
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