Dortmund im Ersten Weltkrieg

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Vor einhundert Jahren begann der Erste Weltkrieg, den unsere europäischen Nachbarn den „Großen Krieg“ nennen. In der Bundesrepublik sprechen wir oft von der „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“.

Der Krieg beendete eine vierzigjährige Epoche des Friedens in Europa, die dem Kontinent wirtschaftlichen Aufschwung, wissenschaftliche Höchstleistungen, sozialen Fortschritt und kulturellen Glanz gebracht hatte.

Der Erste Weltkrieg begann – auch in Dortmund – im patriotischen Massentaumel. Er endete mit dem Tod von Millionen auf den Schlachtfeldern. Der Krieg war nicht nur das Vorspiel des Zweiten Weltkrieges, wie er so oft gesehen wurde, sondern ein erstes Laboratorium, in dem nahezu alles entwickelt und erstmals getestet wurde, was in den weiteren Konflikten des 20. Jahrhunderts eine Rolle spielte; angefangen vom strategischen Luftkrieg bis zur Ermordung ganzer Bevölkerungsgruppen.

Zugleich fegte er die alte Weltordnung beiseite. Jahrhundertealte Regime, wie die Habsburger in Wien oder die Hohenzollern in Preußen, wurden durch Demokratien ersetzt. In Russland beseitigte die kommunistische Revolution die jahrhundertealte Herrschaft der Romanows. Zugleich begann die Ära der Ideologien und Diktaturen, die das ganze 20. Jahrhundert prägte.

Auch wenn die militärischen Auseinandersetzungen außerhalb Deutschlands stattfanden, betraf der Krieg die ganze deutsche Bevölkerung. In Dortmund wurde – wie im gesamten Ruhrgebiet – die Rüstungsindustrie ausgebaut. Auch wenn die meisten Dortmunder Toten in den Schützengräben starben, litten Menschen auch hier in unserer Stadt.
Grund genug für den Historischen Verein, sich in der ersten diesjährigen Ausgabe der Heimat Dortmund mit dem Ersten Weltkrieg und dessen Auswirkungen auf die Dortmunder Stadtgesellschaft zu beschäftigen.

Die Autoren dieses Heftes stellen in ihren Beiträgen ein breites Themenspektrum vor, das neben bereits Bekanntem auch neueste Forschungsergebnisse umfasst.
Hannes Tutschku beleuchtet im ersten Artikel die Stimmungslage von 1916 bis 1918. In dieser Zeit erstellte der Dortmunder Magistrat sogenannte Stimmungsberichte, die dem Regierungspräsidenten in Arnsberg übermittelt wurden. Die Berichte spiegeln nicht nur die allgemeine Stimmung in der Bevölkerung wider, sondern vermitteln auch den Stand der Lebensmittelversorgung in der Stadt.

Klaus Winter stellt in seinem Beitrag die Kriegsausstellung von 1917 im Fredenbaum vor. Das Rote Kreuz organisierte im Verlauf des Krieges in ausgewählten Städten groß angelegte Kriegsbeute-Wanderausstellungen, so auch 1917 in Dortmund. Ziel war es, der weit vom Frontgeschehen entfernt lebenden Bevölkerung den Kampfeinsatz der Soldaten plastisch vor Augen zu führen.

In seinem zweiten Aufsatz berichtet Hannes Tutschku vom Luftangriff auf Dortmund im Oktober 1917 und vom Schaden, den eine der neun Bomben im Dachstuhl des Hauses in der Rheinischen Straße 128a anrichtete.

Felix Bergmann berichtet von verschiedenen Spendenaktionen, deren Erlöse für kleine Geschenke für die Frontsoldaten verwandt wurden. Wie in anderen Städten des Reiches wurde in Dortmund ein hölzernes Kriegswahrzeichen aufgestellt, das zugunsten des „Kriegsliebesdienstes“ öffentlichkeitswirksam benagelt wurde. Das bekannteste Beispiel in Dortmund ist sicher der Eiserne Reinoldus.

Auch die Erlöse des „Schützengrabens am Westfalendamm“ flossen dem städtischen „Kriegsliebesdienst“ zu. Am Dreieck von Märkischer Straße, Westfalendamm und Rheinischer Eisenbahn wurde im August 1915 ein Schauschützengraben eingerichtet, Klaus Winter hat dazu für seinen zweiten Artikel recherchiert.

Einen der wichtigsten Dortmunder Manager und politischen Spitzenfunktionär der Zeit, Friedrich Springorum, porträtiert Karl-Peter Ellerbrock in seinem Beitrag. Die Entwicklung von Hoesch vor und während des Ersten Weltkrieges ist mit dem Wirken dieses Mannes untrennbar verbunden.

Auch Karl Lauschke stellt eine Dortmunder Unternehmerpersönlichkeit vor, Karl Brandi, Vorstandsmitglied der Gelsenkirchener Bergwerks-AG. Aus dem, was Ernst Brandi in seinen Briefen und Aufzeichnungen während des Ersten Weltkriegs festhielt, spricht ein Vertreter des selbstbewussten deutschen Bürgertums, der die überkommenen gesellschaftlichen Strukturen anprangerte und hoffte, sie durch den Krieg überwinden zu können.

Das aus vor allem aus dem Zweiten Weltkrieg bekannte Phänomen der Zwangsarbeiter gab es – wenn auch in viel geringerem Maße – bereits im Ersten Weltkrieg. Stefan Mühlhofer zeigt an ausgewählten Beispielen den Einsatz von Zwangsarbeitern in der Stadtverwaltung und im Bergbau.

Rüdiger Wulf wirft einen Blick in die Schulbücher des Ersten Weltkriegs und zeigt deren Propaganda an Hand der Behandlung des deutschen Einmarsches in Belgien.
Susanne Bauer konnte bisher noch nicht publizierte Feldpostbriefe von Carl Behn an seine Verlobte Luise Wolfahrt auswerten. Sie zeigt ein exemplarisches Schicksal auf, das beide mit Millionen anderer Paare im Ersten Weltkrieg teilen.
Hanneliese Palm gibt uns in ihrem Artikel einen Einblick in die Kriegstagebücher Erich Grisars, der nach dem Krieg ein bekannter Dortmunder Autor und Fotograf werden sollte.

Zum Schluss präsentiertMarkus Günnewig die steinernen Erben des Kriegs in Dortmund und erzählt vom Umgang mit diesen Kriegsdenkmälern.
Das Heft ist für 5 Euro beim Stadtarchiv und in allen Buchhandlungen erhältlich.
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