Zwei Häuser am Borsigplatz sind Denkmal des Monats Februar

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Die restaurierten Baudenkmäler Borsigplatz 12 und Brackeler Straße 2 werten das Stadtbild auf. (Foto: Michael Holtkötter/Denkmalbehörde, Stadt Dortmund)
Dortmund: Borsigplatz 12 |

Vom Schwan zum hässlichen Entlein und zurück - oder vom Sorgenkind zum Vorzeigeobjekt: So könnte man in Kürze die Geschichte der beiden Häuser an der Ecke Borsigplatz/Brackeler Straße skizzieren, die jüngst restauriert und von der Denkmalbehörde nun als Denkmal des Monats Februar 2017 ausgewählt wurden.

1898 wollten die Dortmunder mit einem Entwicklungsplan die Erschließung der Nordstadt in geordnete Bahnen lenken. Von den zwölf Plätzen, die nach Berliner und Pariser Vorbildern das Straßennetz gliedern sollten, wurden aber letztendlich nur der Nordmarkt und der Borsigplatz verwirklicht.

Letzterer besitzt als runder Platz, auf den sternförmig Straßen zulaufen - wie in Paris auf die Place de l'Etoile -, eine besondere gestalterische Qualität. Sie sollte sich auch in einer anspruchsvollen Bebauung spiegeln - wie auf dem Eckgrundstück Borsigplatz/Brackeler Straße. Bauherr war dort der Bauunternehmer Carl Apel, den man heute als Investor bezeichnen würde.

Bereits während der Bauphase oder kurz danach veräußerte Apel die Gebäude, um Kapital für weitere Vorhaben zu erwirtschaften. 1899 errichtete er nach den städtebaulichen Vorgaben das Haus Borsigplatz 12, dessen Erdgeschoss ein "kaiserliches Postamt" einnahm. 1902 konnte Carl Apel direkt im Anschluss an der Brackeler Straße 2 einen weiteren Bau in Angriff nehmen.

Ein erster Blick auf die beiden Nachbargebäude verdeutlicht die Unterschiede, die sich aus ihrer Lage ergeben. Am repräsentativen Borsigplatz war eine viergeschossige Bebauung vorgeschrieben. In der weniger prominenten Brackeler Straße haben die Häuser jeweils nur drei Geschosse. Auch die am Jugendstil orientierte Fassadendekoration ist beim Haus Brackeler Straße 2 schlichter als am Borsigplatz.

Beides sind Steinputz-Fassaden, eine damals preiswertere Alternative zu Natursteinen. Aus diesem Material konnten nicht nur Ornamente, sondern auch "Quadersteine" geformt werden, wie sie in beiden Fällen an den Erdgeschossen zu finden sind. Da der robuste Steinputz ziemlich haltbar ist und durch mineralische und pflanzliche Farbstoffe eingefärbt werden kann, benötigt er keinen Anstrich.

Industriell bedingte Luftverschmutzung ließ die Fassaden jedoch schnell nachdunkeln. So griffen die Eigentümer spätestens in den 1970er-Jahren zum Farbtopf. Ein Foto aus dieser Zeit zeigt das Haus Brackeler Straße 2 in Rot, das Nachbargebäude am Borsigplatz in Hellblau. Kurioserweise blieb aber die Seite zur Brackeler Straße steinputzsichtig.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts waren beide Gebäude in relativ gutem Zustand. Beim Haus Borsigplatz 12 wurden in den oberen Geschossen die Fenster denkmalgerecht in Holz erneuert. Danach setzte bei beiden Häusern ein rascher Niedergang und Verfall ein.

Von einem regulären Wohnen konnte man in dieser Zeit nicht sprechen, bestenfalls von einem "Matratzenlager". Dafür verantwortlich waren die Eigentumsverhältnisse. Borsigplatz 12 war eine Zeit lang herrenlos. Die letzte Eigentümerin, eine ausländische Firma, war ohne Rechtsnachfolger in Konkurs gegangen. Daher fühlte sich zunächst niemand zuständig, als nach einem Brand 2011 Teile des Daches fehlten. Als dann ein Sturm die notdürftige Abdeckplane wegwehte, war Handeln geboten. Letztlich wurde mit städtischen Mitteln das Dach gesichert, um ein Voranschreiten des Verfalls zu verhindern. Schließlich kam es zur Zwangsversteigerung beider Gebäude.

Die neuen Eigentümer hatten großes Interesse an einer denkmalgerechten Sanierung und suchten einerseits die Zusammenarbeit mit der Denkmalbehörde und andererseits tauschten sie sich untereinander darüber aus, welche Maßnahmen sinnvoll wären oder welche Handwerker man beauftragen könne. Augenfällig ist ein bei beiden Häusern gleicher neuer Anstrich, bei dessen Farbwahl man an den früheren Ton des Steinputzes anknüpfte. Am Borsigplatz 12 wurden die großen Fensteröffnungen im Erdgeschoss wieder auf ihre ursprüngliche Größe zurückgeführt und Holzfenster in der alten Aufteilung eingebaut.

Der Bauherr der Brackeler Straße 2 legte besonderen Wert auf den Einsatz von ökologisch einwandfreien Baustoffen. So kam beispielsweise Hanf statt Bauschaum bei der Abdichtung der Fenster zu Einsatz. Das größere Objekt am Borsigplatz wird nun als Bürohaus genutzt Im kleineren Haus an der Brackeler Straße 2 werden die Etagenwohnungen für studentisches Wohnen angeboten. Nach der Sanierung werten beide Häuser den Borsigplatz auf und motivieren vielleicht andere Eigentümer zu einer denkmalgerechten Aufwertung des eigenen Hauses und damit des ganzen Viertels.
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