Stadt plant neues Konzept: Mehr Hilfen für Wohnungslose

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Das Gast-Haus an der Rheinischen Straße konnte seine Öffnungszeiten verlängern. (Foto: Archiv)

Der Verwaltungsvorstand gab jetzt grünes Licht für die Reform der Wohnungslosenhilfe. Seit einem Jahr hat die Verwaltung in der Federführung des Sozialamtes intensiv das bestehende Versorgungssystem einem Check unterzogen. Alle Netzwerkakteure, vor allem auch die nicht städtischen Profis und ehrenamtlich aktiven Träger, Initiativen und Vereine, haben sich in vielen Diskussionen auf einen neuen Weg geeinigt. So wurden Angebote bedarfsgerecht verändert, neue Maßnahmen entworfen und abgestimmt. Auch die Betroffenen wurden einbezogen.

Die Übernachtungsstellen werden aktuell zu Clearingsstellen weiterentwickelt und konzentrieren sich auf ihre Funktionen als kurzfristige Notschlafstellen. Die Plätze werden auf 70 in der für Männer und 50 in der für Frauen erweitert. Außerdem sollen Menschen mit verfestigtem Aufenthalt andere Angebote gemacht werden.

Übernachtungsstellen ausbauen

In der Übernachtungsstelle für Männer werden 25 Plätze in kleinen Wohneinheiten für Menschen mit einer psychiatrischen Diagnose als Dauerschlafplätze reserviert. In der Übernachtungsstelle für Frauen bei Bedarf im Einzelfall ebenfalls, außerdem wird ein neuer Standort gesucht, um die Einrichtung auf 50 Plätze zu erweitern.
Bis zu 70 langjährig obdachlose Menschen mit schwersten und chronischen gesundheitlichen und sozialen Problemen, die das Hilfesystem verweigern, dennoch absprachefähig sind, sollen dauerhaft in Wohnungen über das ganze Stadtgebiet verteilt ordnungsrechtlich untergebracht werden.

Extra-Plätze als Clearingstelle 

Es sollen 25 Plätze für Männer und Frauen mit schwerer Drogenabhängigkeit geschaffen werden – ebenfalls als Clearingstelle konzipiert und an die Drogenhilfe angebunden. Es geht um Hilfeplanung und die Überleitung in Wohntrainingsangebote.
Benötigt werden rund 20 Notschlafplätze für „junge Erwachsene“, zumeist langjährig Jugendhilfe-Erfahrene, die weitergehende Hilfen ablehnen, ebenfalls mit Perspektivklärung, Hilfeplanung, Überleitung in Wohntrainingsangebote. Ein Start ist auch hier noch nicht absehbar.

"Pension plus" geplant

Außerdem plant die Stadt mit der LWL-Klinik die Etablierung eines ambulanten Wohnangebotes mit 25 Plätzen „Pension plus“ für Menschen mit multiplen Problemen. Neben der Weiterentwicklung der Unterbringung sind weitere Änderungen geplant oder bereits umgesetzt. So wird das „Gast-Haus“ mit jährlich 100.000 Euro gefördert und hat bereits die Öffnungszeiten verlängert.

Längere Öffnungszeiten im Gast-Haus

Über längere Öffnungszeiten des Brückentreffs verhandelt die Stadt mit dem Diakonisches Werk (Bedarf jährlich rund 30.000 Euro).
Es findet eine erhöhte Beratungspräsenz durch die Zentrale Beratungsstelle für Wohnungslose, der Diakonie und durch das Jobcenter im „Gast-Haus“ statt. Das Sozialamt erprobt jetzt auch eine Beratung bei Wohnungskündigung und -sicherung im „Gast-Haus“.

Zuverdienst möglich

Die Stadt beabsichtigt, eine freiwillige Zuverdienstmöglichkeit für Menschen zu schaffen, die in Notstellen schlafen. Bewohner könnten das Gelände oder umliegende Gehwege reinigen. Eine Entlohnung soll in Höhe von 1,50 Euro pro Stunde erfolgen, wie bei den Arbeitsgelegenheiten. Klappt dies, soll den Zuverdienern die Möglichkeit in Aussicht gestellt werden, in der Stadtteilwerkstatt mitzuarbeiten.

Neuer "Kompass"

Der Broschüre „Kompass“ wird neu aufgelegt. Eine Seite für mobile Endgeräte zur Information für Betroffene und Helfer soll eingerichtet werden.
Das Thema Wohnungslosenhilfe rückt gerade im Winter in den Fokus. Offenkundig wird dann, dass es auch für die Profis schwierig ist, den individuellen Notlagen, Bedürfnissen und Verhaltensweisen Betroffener oder Gruppen zu entsprechen.

Trotz höchste Not, lassen sich nicht alle helfen

Fachleute wie Ehrenamtliche stoßen an ihre Grenzen, wenn sie in der täglichen Arbeit akzeptieren müssen, dass sich Menschen trotz höchster Not nicht helfen lassen wollen und sich aufgrund von Problemen der Hilfe entziehen.
Sozialdezernentin Birgit Zoerner: „Die Stadt hält an ihrem Grundsatz fest, dass das Handeln immer darauf ausgerichtet sein muss, Menschen in das qualifizierte Hilfesystem zu bringen, um ihnen aus dieser Lebenslage heraus zu helfen, ohne dass die ordnungsrechtliche Relevanz aus dem Blick gerät.“ 
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