„Nicht den Kontakt zum Fuß verlieren!“

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Die Stimmgabel ist ein einfaches Gerät zur Diagnostik und kann das Vibrationsempfinden bestimmen. Fehlt der Fußpuls, kann das ein Hinweis auf neurologische Störungen oder Gefäßschäden am Fuß sein. (Foto: Steinmann)
 
Karl-Heinz Steinmann hat schon viele Füße vor der Amputation gerettet. (Foto: privat)

Sie tragen uns unser Leben lang, sie werden in enge und unbequeme Schuhe gezwängt und oft vernachlässigt - unsere Füße.

Dabei sollten besonders Diabetiker ihre Füße nicht nur gut behandeln, sondern auch ein ganz besonderes Augenmerk auf die Füße legen, rät Karl-Heinz Steinmann. Er arbeitet in der Fußambulanz des Klinikums und ist nicht nur ausgebildeter Heilpraktiker und Physiotherapeut, sondern auch Podologe. Zu ihm kommen oft an Diabetes Erkrankte, die bei anderen Ärzten schon austherapiert sind.

„Es gibt mehrere Formen der diabetischen Neuropathie, das sind Nervenschäden, die durch die Diabetes verursacht werden“ – meist Spätfolgen der Krankheit. Bei der Polyneuropathie treten oft starke Schmerzen oder Kribbeln im Fuß auf, scheinbar ohne Ursache. Eine andere Form ist der sogenannte 'Stumme Fuß': „Die Patienten 'verlieren den Fuß', ihr Bewusstsein für die Füße verschwindet, sie haben keinen Bezug mehr zum eigenen Fuß“, erklärt Steinmann. „Das liegt daran, dass sie keine Schmerzen spüren, aber auch keine Reize wie kalt oder warm. Wunden die zum Beispiel durch drückendes Schuhwerk oder Reibung entstanden sind, bleiben so unbemerkt.“

Gibt es kleine oder größere Wunden am Fuß, die schlecht oder gar nicht heilen, muss der Arzt oder der Podologe aktiv werden. Spezielle Schuhe und Strümpfe sind oft erforderlich, der Patient muss gut über seine Krankheit und die Spätfolgen, die sie verursachen kann, aufgeklärt werden.

„Das allerwichtigste ist aber für jeden Diabetiker, die Füße täglich auf Verletzungen und Missempfindungen zu kontrollieren“, rät der Podologe. Ein guter Rat auch für Gesunde, denn oft ist eine Diabetes auch unerkannt und damit unbehandelt.
Auch die Schuhe sollten regelmäßig inspiziert werden, denn beim Stummen Fuß kann ein Steinchen unter der Sohle große Schäden anrichten – der Patient spürt einfach nicht, dass da etwas drückt. Auch die regelmäßige Fußpflege durch einen geschulten Fußpfleger ist wichtig: „Oft bilden sich Wunden unter der Hornhaut an den Füßen, die vom Patienten unbemerkt bleiben.“

Der Zusammenhang zwischen erhöhten Blutzuckerwerten und nervenschäden ist noch nicht ganz erforscht: „Es gibt Patienten, deren Blutzuckerspiegel gut eingestellt ist, trotzdem bekommen sie Nervenveränderungen.“ – Möglicherweise ein genetisch bedingtes Problem.

Therapien zur Heilung eines diabetischen Fußes gibt es nicht. Karl-Heinz Steinmann hat aber schon gute Erfolge in der Behandlung der Symptome mit alternativen Therapien wie Akupunktur, Hochtonstimulation oder Elektrotherapie erzielt. Als Physiotherapeut kann er mit den Patienten auch richtige Bewegungsabläufe beim Gehen einüben und so Belastungsspitzen vermeiden, die zu Wunden am Fuß führen können.

„Unsere allerwichtigste Aufgabe hier im Klinikum ist es, Diabetiker vor der Amputation zu bewahren.“ Mehrere tausend Füße hat Steinmann in über 20 Jahren Berufsleben schon gerettet, so schätzt er.

Die Diabetische Ambulanz wurde von dem Diabetologen und Chefarzt Dr. Risse aufgebaut, und hierher kommen Patienten, deren Haus- oder Facharzt nicht mehr weiter weiß: „Einer der vordringlichsten Therapieansätze ist das Selbstmanagement. Die Patienten werden so geschult, dass sie möglichst unabhängig sind, und ihre Therapie eigenständig übernehmen. Das ist wichtig, da einige Ärzte nicht genügend Fachwissen über eine gute Diabetestherapie haben.“

Erfreulicherweise hat sich nach vielen Jahren im Umfeld der Klinik aktuell eine Selbsthilfegruppe gegründet. Sie trifft sich einmal im Monat, immer an jedem zweiten Donnerstag eines Monats, im Klinikzentrum Nord. Anmeldungen sind erwünscht unter  71 20 70 bei Ute Jüngling, E-Mail: ute.juengling@ddh-m.de.
Zur Diabetischen Ambulanz kann übrigens jeder Patient kommen, der eine Überweisung von Hausarzt oder von Diabetologen hat. Sie ist beheimatet im Klinikzentrum Nord, Münsterstraße 240,  95 31 82 50.

„Die Wartezeiten betragen in der Regel drei bis vier Wochen, in Notfällen geht es auch deutlich schneller“, versuichert Karl-Heinz Steinmann.

Nicht nur für Diabetiker, sondern auch für Gesunde hat der Physiotherapeut und Pododloge noch ein paar Tipps bereit: „Man sollte schon in der Jugend auf seine Füße achten und sie beweglich halten.“ Ganz einfache Übungen können dabei helfen: Öfter mal mit den Zehen wackeln, oder zum Beispiel trainieren, ein Tuch oder einen Bleistift mit den bloßen Füßen aufzuheben, einen Igelball unter den Fußsohlen hin und her rollen oder sich zwischendurch mal auf die Zehenspitzen stellen – die Füße werden sich über soviel Aufmerksamkeit freuen!
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