Von Doppel-8 bis Festplattenrekorder

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Manfred Riep (l.) und Hans Joachim Hirschfeld zeigen alte und neue Technik: Von der Doppel-8-Schmalfilmkamera mit Handaufzug bis zum digitalen Allround-Gerät.
 
Die 25. Deutschen Amateurfilm-Festspiele 1967 im Goldsaal. (Foto: Filmklub Dortmund)
Dortmund: Gasthaus Pape | Sie haben schon viel erlebt, viele technische Neuerungen mitgemacht: Von der handaufgezogenen Doppel-8-Kamera sind sie auf Super-8-Material umgestiegen, danach haben sie auf Tonkameras umgestellt und schließlich auf Camcorder – Die Mitglieder des Dortmunder Filmklubs sind oft mehr als ein halbes Leben als Amateurfilmer unterwegs.

Ihr Klub ist ein traditionsreicher: Die „filmende Bäckersfrau“ Elisabeth Wilms war ein bekanntes Mitglied. Sie ist nach dem Zweiten Weltkrieg mit ihrer Kamera durch das zerstörte Dortmund gezogen, hat das Leben in den Ruinen gefilmt – und damit auch dafür gesorgt, dass Care-Pakete aus Amerika hier eintrafen. Gegründet wurde der Klub schon im August 1939, unter anderem von Dr. Helmut Nordhoff, der gemeinsam mit seinem Freund Fritz Wintzer die Keilschnittklebepresse erfand und Ende der 60er Jahre eine Xenon-Lampe in einen Projektor einsetzte.

„Wann fängt man an zu filmen? Meistens wenn die Kinder geboren werden, die ersten größeren Urlaube gemacht werden“, erklärt Hans Joachim Hirschfeld. „Dann werden die fertigen Filme stolz einem größeren Publikum, meist Freunden und Familie präsentiert. Doch dann die Enttäuschung: Nach 20 Minuten werden die Zuschauer unaufmerksam, reagieren sogar gelangweilt! Was hat man bloß falsch gemacht?“

Meistens ist der Film einfach zu lang, das wissen erfahrene Amateurfilmer. Erfahrungen austauschen, neue Projekte verabreden, alte Filme aus dem Archiv ansehen und Vorträge hören, darum geht es bei den wöchentlichen Treffen des Klubs. Es werden Treffen und Festivals organisiert, wie in diesem Jahr das Bundesfilmfest der Amateurfilmer. Der nächste wichtige Termin für den Filmklub ist die UNICA. Dann sind die Weltfilmfestspiele zum wiederholten Mal zu Gast in Dortmund Austragungsort ist die Zeche Zollern. Das Festival beginnt am 5. August und endet am 12. August. Hobbyfilmer aus 30 Ländern sind dann dort zu Gast und können jeweils eine Stunde lang eine Auswahl der besten Filme zeigen.

Cineasten sind sie nicht, die Amateurfilmer. Hier und da findet sich ein Fan, zum Beispiel von Alfred Hitchcock, das erzählt Manfred Riep. Der Augenoptiker im Ruhestand und passionierte Sammler von Kameras aller Art macht gern filmische Experimente. So hat er eine kleine, kaum zigarettenschachtelgroße Unterwasserkamera im roten Bach im Rombergpark deponiert und dazu eine abenteuerliche Geschichte erdacht. Das eindrucksvolle Ergebnis kann man hier sehen: https://www.youtube.com/watch?v=vaNxI9pzu-w.

61 Mitglieder hat der Klub, die meisten sind um die 60 Jahre. In ihren Filmen beschäftigen sie sich mit Tieraufnahmen, sie machen Reisefilme, Dokus, Trickfilme oder kleine Spielfilme. Diese werden vorgeführt, und dann wird diskutiert: Was ist gut, was kann man besser machen? Waren früher die Filme aus technischen Gründen maximal 20 Minuten lang (So lange hielt eine Projektorlampe relativ problemlos durch), sind sie es heute eher aus dramaturgischen Gründen.

Die Arbeit am Film hat sich mit der Verbreitung von PC und Schnittprogrammen gründlich geändert: „Früher musste man ganz genau im Kopf haben, wie man schneiden wollte, denn man musste den Film ja zerschneiden. Nach ein paar Fehlern hätte man kein Material mehr gehabt“, erklärt Hans Joachim Hirschfeld. Das ist mit den digitalen Schnittprogrammen am PC sehr viel einfacher. Hier kann man nach Lust und Laune ausprobieren, und auch die Tricks und Effekte haben sich stark verbessert. „Man kann dabei aber auch mehr Fehler machen“, weiß Hirschfeld.

Der Dortmunder Filmklub ist einer der größeren Vereine in Deutschland, sie sind im BDFA organisiert. Mehrmals im Jahr veranstaltet der Filmklub Wettbewerbe. Die eingereichten Filme können sich dann im Landes- oder Bundeswettbewerb mit anderen messen. Und sogar einen eigenen „Oscar“ hat der Filmklub: Der Willi, benannt nach dem früheren Dortmunder Bürgermeister Willi Reincke. „Mit seinem Film bis zu den Filmfestspielen zu kommen, das ist schon eine Ehre“, sagt Manfred Riep. „Aber einen von den sieben Willis zu bekommen, das ist die Krönung.“

Der Dortmunder Filmklub trifft sich dienstags um 19.30 Uhr im Restaurant Haus Pape, Flughafenstr. 66. Interessierte Gäste sind willkommen.

Die Filme der Mitglieder finden sich auch auf Youtube unter der Suche „Filmklub Dortmund“
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