Datensicherheit: Eine Buchrezension über "Sie kennen dich! Sie haben dich! Sie steuern dich! - Die wahre Macht der Datensammler"

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Datensicherheit: Eine Buchrezension über "Sie kennen dich! Sie haben dich! Sie steuern dich! - Die wahre Macht der Datensammler" (Foto: Carsten Klink)

Bereits im Vorwort seines absolut lesenswerten Buches "Sie kennen dich! Sie haben dich! Sie steuern dich! - Die wahre Macht der Datensammler" legt Markus Morgenroth (39) mit einem Horrorszenario los, welches bereits Realität ist, auch wenn man selber vielleicht noch nicht betroffen war -es vielleicht aber auch einfach nicht erfahren hat:

Sie wollen einen neuen Job, Sie sind der qualifizierteste Bewerber, haben sogar weitere Fürsprecherinnen und bekommen den Job trotzdem nicht. Dank eines sogenannten "Background Check", einer detailierten Durchleuchtung Ihres bisherigen Lebens, werden Sie aussortiert. Sie seien nämlich gesundheitlich nicht so fit, obwohl Sie in Wirklichkeit kerngesund sind. Leider haben Sie den Fehler begangen für einen kranken Nachbarn regelmäßig Medikamente zu kaufen und dabei für ein paar Eurocent Punkte auf Ihrer eigenen Kundenkarte gesammelt. Willkommen in der freiwilligen Selbstüberwachung möchte man da sagen: Zerschneiden Sie ihre Bonus- und Rabbatkarten! Auch wenn es unzeitgemäß erscheint, versuchen Sie zumindest bei "Problemkäufen" wieder bar zu bezahlen!

Das Buch informiert über die Allmacht der Konzerne und ihren Überwachungsmöglichkeiten: "Man braucht keinen Facebook-Account, kein Amazon-Konto, nicht einmal einen Internet-Anschluss, um im Netz der Datenhaie zu zappeln. Unternehmen schließen aus Adresse, Alter, Geschlecht auf Person und Charakter und vergeben Kredite, Verträge, Arbeitsplätze -oder eben all dies nicht", hält das Buch, was der Klappentext verspricht. Morgenroth belegt auch, dass Datenspionage gegen die eigenen Mitarbeiter*innen Alltag in deutschen Unternehmen ist.

Markus Morgenroth, der zwei Jahre als Software Engineer im Silicon Valley arbeitete, räumt auch mit der üblichen Beruhigungspille auf. Um alle Datenschutzrichtlinien selbst bei einer sparsamen Internetnutzung zu lesen, benötige man jährlich mindestens 181 Stunden. Die Richtlinien würden von Profis genau so geschrieben, dass man es nicht versteht.

Dynamische Preisgestaltung

Interessant ist sicherlich auch, dass das Internet gar nicht unbedingt der günstigste Anbieter eines Produktes sein muss. Die Dynamische Preisgestaltung sorgt dafür, dass das selbe Produkt im selben Online-Shop durch die bereits bekannten Kundendaten mal mehr oder weniger kostet. Kernpunkt: "Die Reichen sehen ein anderes Internet als die Armen."

"Du bist das Produkt, das verkauft wird"

Im Zweifel zahlen wir für all die schönen, angeblich kostenlosen Informationen aus dem Netz mit unseren Daten: "Wenn Du nicht dafür zahlst, dann bist du nicht Kunde. Du bist das Produkt, das verkauft wird." Überwachung und Datenmissbrauch sind an der Tagesordnung.

Generalangriff auf unsere persönliche Freiheit

Dadurch dürfte wohl auch dem letzten Träumer, der sich des Überwachungsproblems durch ein "Ich habe nichts zu verbergen" entledigen will, klar sein, dass er spätestens hier etwas zu verlieren hat, nämlich Geld. Von der unverhohlenen Drohung des Google-Chefs Eric Schmidt aus dem Jahre 2009 ganz zu Schweigen: "Wenn es Dinge gibt, von denen Sie nicht wollen, dass irgendjemand etwas darüber erfährt, dann sollten Sie so etwas nicht tun." Ein unverschämter Generalangriff auf unsere persönliche Freiheit.

An Hand des Hurrikan Sandy weist Morgenroth auch nach, dass man sich gerade in Krisensituationen nicht nur auf die sozialen Medien verlassen sollte, da man grundsätzlich nie wisse, wer sich hinter einem Tweet, also einer Nachricht, tatsächlich verbirgt -bis hin zu Robotern. Bei der genannten Hurrikankatastrophe wurden die meisten Tweet nämlich außerhalb der am schwersten betroffenen Gebiete abgesetzt.

Kein Angriff ohne Gegenwehr

Das Buch enthält aber auch allerlei nützliche Tipps zur Gegenwehr: Umgang mit Webcams, Warnung vor angeblich "Anonymen"-Umfragen, die wieder zurückverschlüsselt werden können, Datenschutz am Arbeitsplatz, WLAN-Router absichern oder sichere Passwörter. Interessant auch der Hinweis auf www.startpage.com, einer Suchmaschine mit Google-Suchergebnissen, wer nicht drauf verzichten mag, die aber keine privaten Daten von Nutzern erfasst. Als weitere Google-freie Suchmaschinen-Alternative: https://duckduckgo.com/

Kaufen Sie das Buch nicht unbedingt am Amazonas. Ihre lokale Buchhandlung hat das Buch bestimmt auch. Damit stärken Sie nebenbei Ihr direktes wirtschaftliches Umfeld samt vernünftigen Arbeitsplätzen.

KNAUR-Verlag
Hardcover, Droemer HC
21.08.2014, 272 S.
ISBN: 978-3-426-27646-4
19,99 Euro
E-Book 9,99 Euro
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2 Kommentare
2.832
Siegfried Räbiger aus Oberhausen | 04.08.2016 | 09:48  
3.699
Carsten Klink aus Dortmund-Ost | 04.08.2016 | 12:49  
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