Interview mit der Bundestagsabgeordneten Sylvia Pantel

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Sylvia Pantel Foto: Ingo Lammert

Die Düsseldorfer Bundestagsabgeordnete Sylvia Pantel zog nach zwei Jahren im Bundestag Bilanz. Im voll besetzten Werstener Hof diskutierte sie neulich aktuelle Themen. Dabei rückte auch die Flüchtlingskrise in den Fokus. Sylvia Pantel stand dem Rhein-Boten Rede und Antwort.




Frau Pantel, Sie waren jetzt zwei Jahre Abgeordnete im Bundestag, ziehen Sie eine positive Bilanz?
Sylvia Pantel: Ja, absolut. Wir konnten wichtige Projekte wie die Mütterrente, das Elterngeld Plus oder das Prostituiertenschutzgesetz angehen. Das macht mich ein Stück weit zufrieden. Dennoch ist viel zu tun und ich habe noch viele politische Ideen..

Welche Projekte wollen Sie in Zukunft in Düsseldorf verwirklichen?
Pantel: In Anbetracht der Brisanz der Flüchtlingskrise werden wir schnelle Verbesserungen schaffen müssen, die die Länder und die Kommunen bei ihrer Arbeit entlasten. Die Bundesregierung bringt gerade ein wegweisendes Gesetz in den Bundestag ein. So soll das Asylverfahren drastisch verkürzt, die Arbeitsaufnahme erleichtert werden, und es werden Milliarden vom Bund zur Verfügung gestellt, um die Herausforderungen zu meistern. Trotz der Brisanz der Flüchtlingskrise dürfen wichtige familienpolitische Themen aber nicht unter den Tisch fallen! Ich setze mich derzeit für die Förderung von größeren Wohnungen für Familien ein. Außerdem suche ich nach einer Möglichkeit die Finanzierung der Arbeit für die Frauenhäusern zu verbessern..

Sehen Sie die Menge an Flüchtlingen, die im Moment in Düsseldorf ankommen, als Problem?
Pantel: Ja, das kann man so sagen. Die hohe Zahl an Flüchtlingen ist eine Belastung für den Haushalt und eine logistische Herausforderung für die Infrastruktur. Es ist großartig zu sehen, wie engagiert die Düsseldorfer bei allen Problemen diese Aufgabe meistern. Dennoch dürfen wir nicht vergessen, klare Grenzen zu ziehen und den neuen Bewohnern unserer Stadt die Regeln zu verdeutlichen, auf denen unser Zusammenleben beruht..

Sie setzen sich sehr für Frauenrechte und Frauenschutz ein. Gibt es gleiche Projekte für Männer?
Pantel: In Düsseldorf wird auch Männern geholfen, die häusliche Gewalt erfahren. Hierbei sind es häufig die eigenen Söhne, die ihre Väter verprügeln, das ist genauso schlimm. Unabhängig vom Geschlecht müssen wir häusliche Gewalt bekämpfen. Vielen Menschen fehlt heute leider die Fähigkeit, Konflikte mit Worten zu lösen..

Sie müssen über zahlreiche Themen informiert sein, die Sie für Düsseldorf übernehmen. Ist es schwer, immer auf dem aktuellesten Stand zu sein?
Pantel: Einfach ist das nicht, weil in Düsseldorf immer viel los ist. Man kann auch nicht über alle Themen bis ins kleinste Detail informiert sein. Dafür habe ich ein Team und wenn ich mal etwas nicht weiß, dann gebe ich das auch zu und mach mich schlau. Nichts finde ich schlimmer, als wenn Politiker nicht zugeben können, dass sie auch nicht alles wissen können, sondern auf Experten, Informationen und Recherche angewiesen sind. Die richtigen Antworten auf die meisten Fragen kann man nicht mal eben so aus dem Ärmel schütteln..

Gibt es Themen, in denen Sie eine echte Expertin sind?
Pantel: In familienpolitischen Themen und zum Thema Bildung weiß ich ganz gut Bescheid.

Haben Sie Kontakt mit dem anderen Düsseldorfer Bundestagsabgeordneten, Thomas Jarzombek und dem Oberbürgermeister Thomas Geisel?
Pantel: Der Kontakt besteht zu beiden. Bei Herrn Jarzombek gilt ,dass jeder für seinen Wahlkreis verantwortlich ist und ansonsten tauschen wir uns aus. Mit Thomas Geisel stehe ich auch im Austausch. Jeder, der für Düsseldorf relevant ist, ist ein wichtiger Gesprächspartner für mich. Ich sagte Herrn Geisel neulich erst, dass ich es schlecht fände, wenn die Hauptschule in Benrath geschlossen werden würde.

Fern von OB und Jarzombek: Sie sind gegen Gesichtsverschleierung. Muss man sich Sorgen machen, dass das Land nicht mehr frei ist?
Sylvia Pantel: Nein, muss man nicht. Wir sind ein freies Land, aber es gibt Regeln und wir müssen dafür sorgen, dass diese Regeln eingehalten werden. Eine Gesichtsverschleierung entspricht nicht unseren Werten. Wir grüßen uns, indem wir dem anderen ins Gesicht schauen. Wir sehen und erkennen einander. Ich habe noch keinen Mann gesehen, der eine Verschleierung tragen musste. Die Vollverschleierung ist ein mobiles Gefängnis und hat mit der Gleichberechtigung von Mann und Frau nichts zu tun. Unser Grundgesetz verspricht Religionsfreiheit, diese darf aber nicht zu Lasten anderer Grundrechte, wie der Gleichberechtigung von Mann und Frau gehen.

(Das Interview führte Jan Franco)
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