Carnevale di Venezia - Eindrücke eines "Sior Machera"

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  Duisburg: Lokalkompass | Als ich zum ersten Mal nach Venedig kam und mit dem Vaporetto vom Bahnhof aus auf dem Canale Grande entlang Richtung Marcusplatz tuckerte, ahnte ich, warum Venedig, "die Schöne", die "La Serenissima", etwas Besonderes ist!

Hier sieht und spürt, ja erlebt man Geschichte. In meinen Gedanken werde ich aber schnell eingeholt vom lebendigen Treiben auf dem Linienboot und dem Weg zum Hotel. Venedig hat ca. 70.000 Einwohner, jährlich aber 15 Millionen Touristen. Über 1 Million Touristen kommen allein zum Carnevale di Venezia in die Stadt, so daß alle Gassen von der Lagune bis zur Rialto-Brücke tagsüber vollgestopft sind mit Menschen. Verlässt das letztte Ausflugsboot abends die Stadt, atmet Venedig auf.

Die Lagunenstadt dient in diesen Tagen als Kulisse für das schönste Maskenfest der Welt. Der tradittionsreiche, venezianische Karneval war fast 200 Jahre verboten, nachdem Napoleon 1797 nach 1.100 Jahren und 120 Dogen (Doge = venezianisches Staatsoberhaupt) ein Ende setzte. Erst 1979 haben Studenten und
Künstler die prachtvollen Masken- und Kostümfeste des 18. Jahrhunderts wieder
aufleben lassen.

Grundsätzlich gibt es historische venezianische Masken, wie die Gesellschaftsmasken (man wollte vom Partner auf Bällen nicht erkannt werden, die Steuermasken (säumige Steuerzahler) und die Pestmasken (Gesundheitsschutz). Andererseits prägen die Phantasiemasken der Masken- und Kostümträgear, welche aus der ganzen Welt anreisen, das Stadtbild. Sie stellen sich als Burgfräulein, als Pharao, als Clown, Sissi und in vielen anderen Rollen dar.

Rund um den Marcusplatz trifft man in diesen Karnevalstagen auf die absurdesten Masken- und Kostüme, wobei die Menge der Fotografen (echte Hobbyfotografen undProfis), die sich um eine "Maske" scharrt, Gradmesser für deren Attraktivität ist. Gegen die Zusicherung, ein schönes Foto zugesandt zu bekommen, verteilen die "Masken" ihre Adresskärtchen an die Fotografen, die "Sior Machera", die hauptsächlich wegen der Masken nach Venedig kommen, wie auch ich.

Als ich das erste Mal, mit meiner Kamera bewaffnet, auf die Maskenschafr losging, haben ich auf alles "geschossen", was mir vor die Linse kam. Ich war einfach überwältigt von der Schönheit der Masken und Kostüme und deren Vielfalt. Heute, nach etlichen Jahren Erfahrung, kenne und erlebe ich auch die Menschen, die hinter den Masken stecken. Meine Frage: "Warum stellt Ihr Euch so dar?" beantworten sie nur mit einem breiten Lächeln.

Ob abends in einer Osteria beim Wein oder in einer Trattoria bei Pizza oder Spaghetti lerne ich Menschen kennen, aus fast allen Regionen Deutschland, Italien, aus Frankreich, Australien, Russland, Kanada usw., eben aus der ganzen Welt.
Für mich ein wunderschönes Erlebnis. Jedes Jahr aufs Neue. Mein Bestreben ist es, Vollmasken zu fotografieren, die ein "Gesicht" haben. Dafür muss man auch die Augen der Personen hinter der Maske sehen. Dazu die zum Kostüm passende Pose und natürlich ein schöner Hintergrund. Das ist oft nicht einfach, denn für Fotografen gibt es Konkurrenz in Venedig.

Es ist oft mühevoll, morgens um 6 Uhr bei Sonnenaufgang an der Lagune, den ganzen Tag über an wunderschönen Plätzen abseits der Touristenströme und bei
Sonnenuntergang auf einer der vorgelagerten Inseln die vielen Maskenträger zu fotografieren. Doch ich werde mit den schönen Fotos reichlich belohnt. Wenn ich sie zu Hause zeigen darf, bin ich ganz stolz. 

Masken und Fotografen, liebe Leser, sie beide sind eigentlich die große Schau für den "Carnevale di Venezia". 

Mit den Maskenträgerfotos fertige ich dann zu Hause "Maskenkunstkalender" an, die ich an gute Freunde und Bekannte verschenke.

Gerhard Spalthoff
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