Kolumne 9: Über die Männerförderung

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Über die Männerförderung

Die Duisburger Verkehrsbetriebe unterhalten am innerstädtischen Harry-Zweysteyn-Platz ein Servicebüro. Dort kann der Kunde Fahrpläne erhalten, Fahrkarten kaufen sowie Entschuldigungsschreiben für Verspätungen und Zugausfälle erhalten, aber nicht Beschwerden über unfreundliches Personal, fehlende Sicherheitskräfte oder verunreinigte, wenn nicht gar defekte Betriebsanlagen loswerden.

"Wir Männer sind hier völlig unterrepräsentiert," ist dem zuständigen Betriebsrat aufgefallen. "Das Verhältnis Männer : Frauen liegt bei 1 : 3. Welcher Herr der Schöpfung möchte sich schon von einer Frau abkanzeln lassen, wenn er etwas nicht verstanden hat oder gar eine Reklamation vorzubringen hat?""

Neue Männer braucht der Betrieb - unter diesem Motto wurde nun eine Kampagne gestartet, um mehr Männer in den Betrieb zu holen. "Innerbetriebliche Stellenanzeigen und Zeitungsannoncen brachten bislang nicht den gewünschten Erfolg," ist aus Unternehmenskreisen zu hören. Schlechte Bezahlung, mangelhafte Arbeitszeiten und die Befürchtung, von Frauen gemobbt und diskriminiert zu werden, wurden durchgehend als Begründung genannt, warum sich kein Mann bewirbt.

Der Betriebsrat führt inzwischen Verhandlungen mit der Unternehmensleitung zwecks Besserstellung der Stellen. Dazu gehört nicht nur eine deutlich bessere Vergütung, sondern auch Karrieremöglichkeiten, Fort- und Weiterbildung (z. B. in Richtung Kaufmann für Dialogmarketing) und Antidiskriminierungsbüros.

"Beratung ist nicht nur Frauensache. Wir Männer können das genausogut. Die Weiber müssen halt lernen, daß die typischen Frauenberufe auch uns Männern offenstehen. Es wird also nichts nutzen, wenn sie mit Krallen und Klauen ihre vermeintlichen Pfründe verteidigen. Der SIeg ist unser!" Behauptet zumindest der betriebliche Männerbeauftragte Giselher Willibald Järgen. Eine Image-Kampagne, Infor-Veranstaltungen bei der Arbeitsverwaltung, eine Berichterstattung in den örtlichen Medien, Aushänge in den Fahrzeugen und vieles mehr soll nun für den Umschwung sorgen. "Ich bin gespannt, was dabei herauskommt," fürchtet sich ein Gewerkschafter. "Nicht, daß wir feministisch-nicht männerfürchtige Gruppen auf den Plan rufen."
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