"Das ist unser Herzenstraum"

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Da strahlt die kleine Königsfamilie. Thomas Reintjes ist neuer Schützenkönig der Sebastianer und Ehefrau Janine regiert mit. Foto: Ralf Beyer

Es war punkt 19 Uhr, als der 33-jährige Versicherungsfachmann Thomas Reintjes den Abzug drückte und den Rumpf des Vogels mit dem 142. Schuss zu Boden krachen ließ. Sprinter-Qualitäten bewies kurzer Zeit danach seine Ehefrau Janine, die ihm überglücklich um den Hals fiel.


Als Direktor Thomas Reintjes den ersten Aufruf abgab, war die Resonanz gleich null. Auch beim zweiten Aufruf schien sein Wunsch nach Königsbewerbern ungehört zu bleiben. „Wenn wir bis 17.45 Uhr keinen Bewerber haben, dann haben wir am Samstag einen Schützenball“, so seine Ankündigung. Dem kleinen Lorenz Preuth war das völlig egal. Er will sowieso erst 2045 Schützenkönig werden. So stand es jedenfalls auf dem Shirt des 13 Monate alten Knaben.
Nun schien aber doch Bewegung in die Szenerie zu kommen. „Wir haben zwei Bewerber, einen Mann und eine Frau“, verkündete Reintjes. Das war ja der Hammer. Eine Frau? Jawohl. Silvia Evers wollte es probieren. „Laut eigener Schützensatzung ist es nicht klar definiert, ob eine Frau schießen darf oder nicht. Der Vorstand beschloss allerdings kurzfristig, dass auch Frauen sehr wohl auf den Rumpf schießen dürfen", so Reintjes.
Allerdings sagte dann Karl Heinz Evers kurzfristig ab. Nun stand Silvia Evers zunächst als einzige Bewerberin fest. Bis Janine Reintjes spontan entschied, dass ihr Mann eigentlich auch mit schießen könnte. „Ich habe meine Tochter angeschaut und gesagt, er soll schießen.“ Das Ergebnis ist letztendlich bekannt. „Das ist unser beider Herzenswunsch und das wird ein ganz tolles Jahr“, strahlte die neue Königin. Und für den König war es einfach nur „unbegreiflich schön“. Er hatte zum zweiten Mal auf den Rumpf geschossen, beim ersten Versuch allerdings erfolglos.
Silvia Evers hat es also nicht geschafft. „Ich wollte einfach nur für ein bisschen Unruhe sorgen“, hatte sie einem Kameraden gesagt. Das ist ihr auch gelungen, denn sie hat den Frauen im Verein den Weg geebnet, nun auch auf den Rumpf schießen zu können. „Ich begrüße diese Entscheidung“, bemerkte der ehemalige stellvertretende Bezirksschießmeister Artur Tinnemeyer. „Ich bin sehr stolz auf diese Frau.“ Zuvor hatten sich andere Schützen in die Siegerlisten eingetragen. Jörg van Grol erledigte den Kopf des Vogels, Albert van Heukelom den rechten und Gregor Derksen den linken Flügel. Der Reichsapfel ging an Marvin Gerritzen und das Zepter an Frank Schertzinger.
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