Tischlein, deck dich! - Kindertafel in St. Fronleichnam

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Ulla Becker (li.) und Gerhild Fürtges verwöhnen gerne Philip, Leonie, Lisa und Karina. Fotos: Debus-Gohl
 
Gerhild Fürtges verteilt bunten Salat an Lea, Emily, Robin., Selina und Lisa.(v.l.). Fotos: Debus-Gohl

Rührei und Spinat, dazu Pommes und Salat - die dreizehnjährige Karina und ihre Freundinnen Lisa und Leonie (beide 13) sowie der zehnjährige Philip schlagen ordentlich zu. Einmal wöchentlich sitzen sie im Gemeindesaal von St. Fronleichnam in Essen-Bochold zusammen und essen zu Mittag.

„Weil es einfach schmeckt!“ kommt Leonie an jedem Dienstagmittag mit ihren Klassenkameradinnen vorbei. Was es gibt, wissen die Mädchen vorher nicht. „Das ist auch für uns immer eine Überraschung“, gesteht Gerhild Fürtges, die gemeinsam mit Ulla Becker für die Koordination des Angebotes verantwortlich zeichnet.
„Was wir kochen, hängt davon ab, was wir montags von der Tafel bekommen“, erklärt die Leiterin. Auf dieser Basis werden die Mahlzeiten geplant und dann entsprechend hinzu gekauft, was noch benötigt wird. „Fleisch zum Beispiel.“ Für einen Schweinebraten - eher eine Ausnahme - werden da schon 20 Kilo benötigt. Neben der Spenden aus dem Tafel-Fonds für Kindertafeln lebt der Mittagstisch in St. Fronleichnam von Privatspenden.

Auf Abwechslung wird bei der Zubereitung stets geachtet. Gesund soll es sein, es darf aber auch durchaus schon mal Fast Food sein. „Zur Hauptmahlzeit, von der die Kinder immer auch Nachschlag nehmen dürfen, wird immer ein Salatbuffet aus mindestens zehn verschiedenen Zutaten und einer selbstgemachten Salatsauce angeboten“, so Fürtges. Dazu stehen Sprudel und Apfelschorle bereit.
Regulär gibt es ein Hauptgericht, aus dem die jungen Gäste maximal einzelne Komponenten weglassen können. „Spinat beispielsweise isst nicht jeder.“ Mit einer Ausnahme: „Wir haben auch oft muslimische Kinder hier, meist Schüler von der Gemeinschaftsgrundschule Bockmühle“, weiß Fürtges. „Denen bieten wir, wenn es Schweinefleisch gibt, natürlich eine Alternative an.“

Nach dem Hauptgang können sich die Kinder und Jugendlichen auch noch einen Nachtisch von der Durchreiche abholen. „Aber nur einen!“, mahnt die Hobby-Köchin, eine aus einem insgesamt dreizehnköpfigen Team. „Speziell, wenn es zum Beispiel Eis gibt, ist das manchmal schwierig, den Kindern zu vermitteln“, lacht sie. „Der Nachtisch ist ja auch das Beste!“, meint Lisa. Beim einfachen Joghurt hält sie sich aber zurück und versucht keine Extra-Portion herauszuschlagen. Dafür räumt sie schon mal die leeren Becher der Sitznachbarn mit ab. Tischmanieren gehören auch zur Kindertafel.

„Im Prinzip sind wir voll“, freut sich das Team über den großen Zuspruch. Vor dem Weihnachtsfest waren es ganze 95 Kinder „von ganz klein bis ganz groß“, die zum Essen gekommen sind. Für die gab es auch noch eine kleine Überraschung: Weihnachtstüten mit Schokolade, Nüssen und Obst, gestiftet vom Lions-Club Stadtwald.

Angefangen hatte alles einmal mit zehn bis fünfzehn Essern. „Pastor Volker Bauer hatte die Idee, hat über die Gemeinde und eine Zeitungsanzeige Helfer zusammen getrommelt und ist dann Ende April 2009 gestartet“, erinnert man sich an die Anfänge. Die Gruppe um Karina (ehemals Bischof-von-Ketteler-Grundschule, jetzt Gesamtschule Wüstenhöferstraße) ist sogar schon seit der ersten Stunde dabei. „Ihre Mama hat maßgeblich bei der Werbung für unsere Sache geholfen“, lobt Fürtges. Schlecht geht es der Familie nicht, eine warme Mahlzeit erhalten viele der Kids auch Zuhause. „Aber das ist auch unser Konzept: Bedürftigen helfen ohne sie auszugrenzen!“

Kommen darf also jeder, solange eben die Kapazitäten ausreichen. Das funktioniert bisher ganz gut, auch, weil die Gäste zu unterschiedlichen Zeiten zwischen 12 und 14 Uhr eintrudeln. „Und wir schicken natürlich kein Kind weg!“
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