Nähe zum Wasser und auf Tuchfühlung gehen

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"Das Tuch" für Kettwig von Norbert Pielsticker. Foto: Henschke
 
"Fisch vermählt" von Miriam Gießler und Hubert Sandmann. Foto: Henschke

„Fisch vermählt“ und „Das Tuch“ – zwei neue Elemente für den Kettwiger Skulpturenpark


Bei der Sitzung der Bezirksvertretung konnten Kettwiger Künstler zwei Entwürfe für eine Erweiterung der bisher 14 Werke umfassenden öffentlichen Sammlung des Skulpturenparks vorstellen. Das Künstler-Ehepaar Miriam Gießler und Hubert Sandmann sowie Norbert Pielsticker präsentierten die Objekte und erklärten ihre Gedanken zu den Werken.

Zunächst freute sich Bezirksbürgermeister Dr. Michael Bonmann, einen fünfminütigen Film über den „Tanz der Skulpturen“ zum 30-Jährigen des Kettwiger Skulpturenparks ansagen zu dürfen. An der Edelstahlskulptur „Siebener Sinus mit Loop“ von Friederich Werthmann lockten Tänzer viele Zuschauer ans Ufer der Ruhr. Die „Tanzmoto Dance Company“ trat mit einer speziell auf dieses Kunstwerk abgestimmten Choreographie auf. Höchst beeindruckend führte der rasant geschnittene und stimmig vertonte Film noch einmal vor Augen, wie fröhlich, gut besucht und künstlerisch anspruchsvoll das Fest zum Jubiläum des Skulpturenparks war.

Leuchtobjekt

Nach dieser begeisternden Einstimmung konnte die Kunst vorgestellt werden. Miriam Gießler und Hubert Sandmann möchten ein Leuchtobjekt schaffen: Ein blauer Kubus, von innen erleuchtet, auf dem zwei metallische Fische nach oben streben, einen Ring, ebenfalls erleuchtet, in die Höhe haltend. Zunächst stellte Miriam Gießler Projekte vor: „Stadtmobiliar“ auf Zeche Zollverein, „Capsule“ in Eindhoven mit sechs Metern Durchmesser, „Silent Dance Floor“ am Hannoveraner Maschsee, „Viadukt“ zum Kulturhauptstadtsjahr. Die jüngste und bisher wichtigste Arbeit „Brandmal“ in Bamberg, dort hat Gießler ihre Wurzeln. Dieses Mahnmal für die Hexenverbrennungen ist eine wichtige Arbeit, so Gießler: „Kunst ist auch durchaus ernst und politisch.“

Prägnanter Eyecatcher

Nun also in Kettwig „Fisch vermählt“, geplanter Standort am Brückenkopf rechts am südlichen Ende der Ruhrbrücke: „Da schreit es nach einem prägnanten Eyecatcher!“ Durch die Nähe zum Wasser inspiriert, tanzen zwei Fische auf türkisfarbenem Kubus, der wie der Ring durch LEDs erleuchtet wird.
Der Bezug zur Ruhr ist offensichtlich, auch zu Mythen und Sagen, in denen Ringe verschwinden und wieder auftauchen, die Nibelungensage, der Herr der Ringe. Ringe sind ein Symbol der Verbundenheit, der Einheit. Das Objekt soll etwa 4,6 Meter hoch werden und ein Grundmaß von 2 mal 1,7 Metern bekommen. Der Kubus ist ein Aluminiumgerüst mit vorgehängten Acrylglasscheiben, die Fische aus Edelstahl, der Ring aus Plexiglas.

Rostiges Geländer

Die Bezirksvertreter waren begeistert, Daniel Behmenburg fragte nach: „Wo kommt der Strom her?“ Hubert Sandmann musste eingestehen, dass eine Lösung noch ausstehe, aber: „Wir hoffen, dass das RWE uns einen Anschluss macht.“ Der Standort sei gewiss gut gewählt, doch fragte Peter Renneberg: „Was ist mit dem rostigen Geländer?“ Diesen Aspekt hatte Hubert Sandmann auch im Blick: „Das muss natürlich geändert werden, auch die Fläche des Stellplatzes.“
Gabriele Kipphardt hakte nach: „Die Kettwiger hätten kein Verständnis dafür, wenn das Brückengeländer nicht endlich gemacht würde.“ Der anwesende Vertreter der Verwaltung versprach, diesbezüglich Vorschläge zu machen.

"Gut betucht"

Norbert Pielsticker ist bereits mit zwei Skulpturen in Kettwig vertreten: Neben der Kirche am Markt und am Bögelsknappen „beim Professor Ruhnau“ stehen seine „Menschenzeichen“.
Eigentlich ist Pielsticker weg von Skulpturen, zurzeit malt er, mit Strukturen und Faltungen, stark plastisch mit 3D-Effekt. Diese „plastischen Malerei“ war Grundlage für die Idee einer Plastik für Kettwig. Das Tuch habe Kettwig „gut betucht“ gemacht, Pielsticker möchte, „dass die Kettwiger auf Tuchfühlung gehen.“
Es soll aber kein Denkmal für Tuchfabriken sein, sondern eine eigenständige Skulptur, eine Symbiose von Leichtigkeit im Wind und Bodenständigkeit am Fuß. Als Standort hat Norbert Pielsticker einen Platz vor der alten Tuchfabrik am „Unterwasser“ ausgewählt, dort, wo unlängst ein alter Baum gefällt werden musste.

Acht bis zehn Tonnen schwer

Die Herstellung der etwa vier Meter hohen Metallskulptur mit einem Gewicht von acht bis zehn Tonnen gestalte sich schwierig, doch die Friedrich Wilhelms-Hütte in Mülheim könne „so etwas Großes und zugleich Filigranes“ gießen.
Daniel Behmenburg fand den Standort sehr gelungen, wollte aber um den Schutz vor Vandalismus wissen. Norbert Pielsticker konnte ihn beruhigen: „Da kann man nix kaputt machen." Allerdings müsse erst geklärt werden, ob die Fläche städtisch oder privat sei und die entsprechenden Gelder gesammelt sein.

Spenden sammeln

Die Werke „Fisch vermählt“ und „Das Tuch“ will der Heimat- und Verkehrsverein Kettwig jedenfalls so rasch wie möglich verwirklichen und in diese einmalige Sammlung aufnehmen. Der HVV nimmt gerne Spenden entgegen. Hier deutete Dr. Bonmann Hilfe an: „Sie finden sehr positiven Wiederhall bei uns in der BV. Ich wünsche ihnen viel Erfolg bei Finanzierung und Realisierung. Wenn wir mit unseren bescheidenen Mitteln helfen können…“
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