Liftsystem für Fische

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Als Leitfischart in der Ruhr nahmen auch die Barben an den Testläufen teil. Dr. Bernd Stemmer (Foto: Dr. Bernd Stemmer)

Mit einem neuartigen Liftsystem sollen Fische die Ruhr künftig durchgängig passieren. Das neue System wird im kommenden Jahr eingebaut. Der genaue Baubeginn steht noch nicht fest.

„Wir haben rund 480.000 Euro in die Entwicklung der neuartigen Fischtreppe investiert. Wegen der landesweiten Bedeutung übernimmt das Land rund 80 Prozent der Kosten“, erklärt Markus Rüdel, Pressesprecher des Ruhrverbandes. Eine Expertengruppe habe nun grünes Licht für die kosteneffiziente und innovative Lösung gegeben.
„Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie fordert als eine Voraussetzung für einen guten Gewässerzustand die Durchgängigkeit von Gewässersystemen für Fische“, fährt Rüdel fort. „Der Ruhrverband als Eigentümer des Baldeneysees hat deswegen bereits frühzeitig nach einer passenden und finanziell darstellbaren Fischaufstiegsmöglichkeit gesucht.“
Das nunmehr eigens für den Baldeneysee entwickelte Fischliftsystem bestehe aus zwei alternierend betriebenen Zylinderkörpern und einer im Unterwasser angeordneten Vorkammer. Das System werde im Bereich eines ehemaligen Rückpumpwerks zwischen Wasserkraftanlage und Bootsschleuse gebaut.
„Da es sich um eine innovative Sonderlösung handelt, musste die Funktionalität des neuartigen Fischliftsystems nach Vorgabe des Umweltministeriums in Düsseldorf umfangreich getestet und belegt werden“, so Rüdel.
Getestet wurde insbesondere das Verhalten von Ruhrfischen in einem situativ ähnlichen Modell im Maßstab 1:1. Ergänzt und verifiziert wurden die Ergebnisse durch Freilandversuche zum Fischverhalten vor den Turbinenausläufen am Kraftwerk Baldeney.
Die nun vorliegenden Ergebnisse bestätigten eindeutig die hervorragende Eignung des Fischliftsystems zur Herstellung der Fischdurchgängigkeit am Baldeneysee.
Nachdem nun die Eignung des Systems von der Expertengruppe anerkannt worden sei, stünden als nächste Schritte die bauliche Detailplanung, die Genehmigung durch die Bezirksregierung, die Mittelfreigabe durch die Gremien des Ruhrverbands und des Landes NRW als Fördermittelgeber, die Ausschreibung und die Vergabe der Bauaufträge an. Mit einem Baubeginn sei frühestens im Jahr 2016 zu rechnen.
Wegen der beengten Lage an beiden Stauwehren mitten im städtischen Siedlungs- und Freizeitraum wären herkömmliche Aufstiegsbauwerke wie technische Fischpässe und Umgehungsgewässer nicht nur kostenintensiv, sondern auch bautechnisch schwer umsetzbar. Aus fischbiologischer Sicht ist zudem die relativ große Stauhöhe am Baldeneysee ein Hindernis für herkömmliche Lösungen. Ein Kreis aus Fachleuten erarbeitete daher das Konzept, bei dem das neuartige System die Durchgängigkeit wieder herstellen soll.
Nach Umsetzung am Wehr Baldeney wäre das Fischliftsystem auch für den Kettwiger Stausee eine geeignete, wirtschaftliche Lösung zur Herstellung der Fischdurchgängigkeit. Allerdings nicht nur dort, auch deutschlandweit interessieren sich die Betreiber großer Wehranlagen für die Essener Innovation, die ihnen hohe Investitionskosten für Fischaufstiegsanlagen ersparen könnte.


Hintergrund
Der Baldeneysee im Süden der Stadt Essen ist der mit Abstand größte der insgesamt fünf Ruhrstauseen des Ruhrverbands. Die in den 1930er Jahren errichtete Stauanlage, die rund neun Meter Gefälle erzeugt, sowie das nach dem Zweiten Weltkrieg gebaute Wehr am Kettwiger Stausee stellen zwei der letzten Wanderhindernisse für Fische im Unterlauf der Ruhr dar.
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