Emanzipation ist keine Hexerei!

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Oh Gott, was steht denn da in der Zeitung?!“ Die Damen vom Blocksberg sind entsetzt über die neueste Ausgabe des „RUHR KURIER“.
 
Illustre Damenrunde in Aktion: (v.l.) Sissi, Christine, Berit und Vera (ganz rechts) tauschen Privates aus. Dienstmädchen Irmi Müller (2.v.r.) hat die Lauscher dabei immer weit offen.
Mehr Schein als Sein geben die Beteiligten im ersten Akt der „Kleinstadthexen“ von sich preis: mein toller Job, meine Villa, meine perfekte Ehe.

Vera van Veen, bekannte TV-Talkmasterin, hat den Blocksberg, ein berüchtigtes „Hexenhaus“ in ihrer Heimatgemeinde, gekauft und will sich gerade einrichten, da stehen auch schon die Busenfreundinnen aus Kindertagen Sissi von Brocken, deren Schwester Christine le Riche und Berit auf der Matte. Beim Sektchen werden die Ereignisse der vergangenen 20 Jahre - so lange haben die Mädels sich nicht gesehen - erörtert. Und die Wahrheit bleibt dabei so manches Mal auf der Strecke.
Langsam, dafür aber umso krachender fallen die Hüllen bei diesem Zweiakter aus der Feder von Bühnenautorin Tina Segler, früher selbst Mitglied der Theatergruppe „Vorhang auf!“ der evangelischen Gemeinde Kupferdreh: TV-Plauderin Vera (Sabine Schroer) befindet sich in Wirklichkeit mitten in der Sinnkrise, Bürgermeistergattin Sissi - herrlich gehemmt gespielt von Meike Rösch - steht seit Jahren im Schatten ihres Angetrauten und wird ebenso lange, immer mal wieder, von ihm betrogen, die clevere Christine (Heike Zapf) mit der Juristenlizenz ist eigentlich nur eine bessere Hausmeisterin und die mondän wirkende Berit (Elvira Bohun) trägt sexy Sonnenbrille und Haartuch nur, um ihr blaues Auge zu verstecken, das ihr brutaler Ehemann ihr verpasst hat.
Und wie sie so zusammensitzen und die Scherben ihres Daseins betrachten, besinnen sich die Damen ihrer magischen Kräfte. Wozu ist man schließlich Hexe? Flugs wird ein Zaubertrank gebraut, der jeden Wunsch, der an diesem Abend ausgesprochen wird, wahr werden lassen soll. Vera sehnt sich danach, „nicht mehr diesen Quatsch zu moderieren“ und ihren Traummann herbei, Berit wünscht sich ein Leben ohne Angst und einen Job, der Spaß macht, Sissi will zeigen, was sie alles kann und dass ihr Name auch endlich mal unter einem Vertrag steht und Christine möchte beweisen, was als Anwältin in ihr steckt.
Der Seelenstriptease der vier Damen ist jedoch nicht verborgen geblieben, was die Wunscherfüllung zu torpedieren droht: Nachbarin Irene (Klaudia Haak), deren Auftritte das Publikum im Überruhrer Stephanus-Gemeindezentrum stets mit Szenenapplaus quittiert, will zwar alles wissen, findet aber nichts heraus. Stubenkätzchen Irmi Müller (Yvonne Bohun) dafür umso mehr. Das vermeintliche Dienstmädchen, das sich immer so auffällig unauffällig in Seh- und Hörweite der Damen aufhält, hat alles mitbekommen, sogar den zarten Flirt zwischen Vera und ihrem zehn Jahre jüngeren Nachbarn Daniel (Thomas Duvenbeck), mit dem die Moderatorin vor etwa sieben Monaten schon einmal eine „Begegnung“ hatte und nun mächtig schwanger aussieht.
Es kommt zum Gau, als sämtliche Intimitäten in der lokalen Klatschpresse publik gemacht werden, denn Irmi Müller ist in Wahrheit Yellow-Press-Reporterin, die von Veras Ex-Mann und Manager Michael (Andreas Breuckmann) eingeschleust worden ist. Das wissen die Damen allerdings (noch) nicht und sämtlicher Groll richtet sich auf Vera, die von den Freundinnen verdächtigt wird, die Geheimnisse an die Presse weitergegeben zu haben um ihre Einschaltquoten zu erhöhen. Merklich zieht das Handlungstempo im zweiten Akt dieses abendfüllenden Stückes an: Sissis Ehemann Gerhard (Robert Zapf), ein Viertel Macho, drei Viertel Weichei, kämpft mit seinen Mitteln um die Rückkehr der Gattin, Nachbar Daniel zweifelt an Veras Aufrichtigkeit, doch am Ende zeigt der Wunschtrank seine Wirkung und alles wird gut. Und dem Zuschauer dämmert, das hätten die Ladies sicher auch ohne Magie hingekriegt. Emanzipation ist schließlich keine Hexerei!
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1 Kommentar
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ANA´ stasia Tell aus Essen-Ruhr | 12.12.2012 | 11:53  
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