Fotoausstellung gegen das Vergessen - Auschwitz: 70 Jahre nach der Befreiung

Anzeige
Mit einer Fotoausstellung erinnern die Evangelische Kirchen Gemeinde Essen-Überruhr und die Kultur Offensive Ruhr an den 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Foto: Kahlert/Nadolny
 
Die Essener Künstler Rolf Krause, Friederike Eybe und Olaf Eybe zeigen Fotos, die im Vorfeld des 70. Jahrestages der Befreiung des Lagers in Auschwitz entstanden. Foto: Kahlert/Nadolny
 
Die Künstler aus Essen suchen ihren eigenen Weg, das Grauen der Vergangenheit zu verarbeiten. Foto: Kahlert/Nadolny
Essen: Stephanuskirche | Ende Januar jährt sich die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz zum 70. Mal. Mit einer bewegenden Fotoausstellung wollen die Evangelische Kirchengemeinde Essen-Überruhr und die Kultur Offensive Ruhr an diesen wichtigen Tag erinnern. Die Ausstellung wird am 23. Januar um 19.00 Uhr in der Stephanuskirche (Langenberger Straße 434) in Essen-Überruhr eröffnet und ist einen Monat lang zu sehen. Eine Stunde vor der Ausstellungseröffnung findet eine Begegnung mit der Zeitzeugin Faye Cukier statt. Sie berichtet aus ihrem bewegten Leben, das gerade verfilmt wird.

Die Fotoausstellung in der Essener Kirche trägt den Untertitel „3 Positionen“. Zu sehen sind Fotos der Essener Künstler Rolf Krause, Friederike Eybe und Olaf Eybe, die im Vorfeld des 70. Jahrestages der Befreiung des Lagers in Auschwitz entstanden. Bei ihrer Fotoauswahl ging es den Künstlern nicht um die reine Darstellung der Überreste des Konzentrationslagers im polnischen Oświęcim. Vielmehr suchten sie ihren eigenen Weg, das Grauen der Vergangenheit zu verarbeiten.

Jeweils eigene Zugänge zum Thema Auschwitz

Spannend wird die Positionsvorstellung gerade weil die Ausstellenden unterschiedlichen Generationen angehören und schon daher ganz eigene Zugänge zum Thema Auschwitz haben. Olaf Eybe war in seinem Leben schon häufiger alleine und mit unterschiedlichen Gruppen in Auschwitz, meist ohne Kamera, denn bisher hielt er dort seine Eindrücke nur in Worten fest. Nun will er den Dingen in Auschwitz mit der Kamera auf den Grund gehen. Rolf Krause, der sonst in erster Linie im Ruhrgebiet fotografiert und auf RUHRSAFARI geht, ist erstmalig in einem Konzentrationslager und besucht einfach mit offenen Augen und der Kamera die Gedenkstätte. Friederike Eybe ist mit 18 Jahren die jüngste unter den Ausstellenden. Sie studiert Fotografie an der Fachhochschule in Dortmund und besuchte im letzen Jahr bereits Buchenwald.

Aufnahmen aus Auschwitz und Birkenau

Betreut wird die Ausstellung von Folkwang-Absolvent Jürgen Kahlert, der bereits für seine Abschlussarbeit Überreste von Konzentrationslagern in Deutschland und Polen dokumentierte. Er stellte auch die Fotos für die Öffentlichkeitsarbeit zur Ausstellung zur Verfügung. Die Aufnahmen entstanden in Auschwitz und Birkenau. „Wir danken Jürgen Kahler und seinem Studienkollegen Harald Nadolny für ihre Unterstützung. Sie war wichtig, da unser Aufenthalt in Polen relativ kurz vor der Ausstellungseröffnung stattfindet und unsere Aufnahmen erst zur Ausstellung vorliegen werden“, erläutert Olaf Eybe. Bei der Ausstellungseröffnung singt der Chor Querbeet aus Essen-Überruhr unter der Leitung von Bernhard Schüth. Die Ausstellung wird vom Kulturbüro der Stadt Essen gefördert. Der Eintritt ist frei, aber die Veranstalter sammeln Spenden für ein Verständigungsprojekt.

Begegnung mit Faye Cukier

Eine Stunde vor der Ausstellungseröffnung, findet im Stephanus Gemeindezentrum direkt neben der Stephanus Kirche eine spannende Begegnung mit einer Zeitzeugin statt. Faye Cukier wurde als Jüdin verfolgt und überlebte die Nazizeit mit Glück. Sie Sie wuchs in Köln auf, wo der Vater einen Metallbetrieb führte. Die Familie floh nach Belgien und überlebte die sechs Jahre dauernde Flucht. Nach dem Ende des Krieges wanderte Faye Cukier in die USA aus und arbeitete als Schauspielerin und Model. Die fesselnde Autobiografie der heute 92-Jährigen hat das NS Dokumentationszentrum Köln unter dem Titel „Flucht vor dem Hakenkreuz“ veröffentlicht. Dort schildert sie, wie sie gemeinsam mit ihren Eltern von Unterkunft zu Unterkunft flüchtete und immer wieder mit Glück und Intelligenz den Verfolgern entkam. 2014 wurde entstand auch ein Dokumentarfilm über die heute in Philadelphia, Köln und auf Malta lebende agile Zeitzeugin. Die Kölner Künstlerin Margaux Kier stellt Faye Cukier in einem Gespräch vor. Nach der Begegnung gehen die Teilnehmer gemeinsam zur Ausstellungseröffnung in die benachbarte Kirche.
Weitere Informationen:www.kirche.ruhr


Die Fakten im Überblick

Auschwitz: 70 Jahre nach der Befreiung
Fotoausstellung
3 Positionen

Eröffnung: 23.01.2015, 19.00 Uhr
Stephanuskirche Essen-Überruhr,
Langenberger Straße 434, 45277 Essen-Überruhr
Vor der Ausstellungseröffnung: Gespräch mit Faye Cukier
23.01.2015, 18.00 Uhr

Weitere Veranstaltungen am gleichen Ort

Texte (nicht nur) über Auschwitz
Lesung von Olaf Eybe

27.01.2015, 19.00 Uhr

Und ewig wollen wir tanzen
Konzert mit Margaux und die BANDiten

30.01.2015, 20.00 Uhr


Die beteiligten Künstler

Faye Cukier wurde in Köln geboren. Sie wuchs in Köln auf, wo der Vater einen Metallbetrieb führte. Die jüdische Familie floh nach Belgien und überlebte die Flucht. Nach dem Ende des Krieges wanderte Faye Cukier in die USA. Heute lebt sie in Köln und in Philadelphia/USA, den Winter verbringt sie gerne auf Malta. Ihre Autobiografie hat das NS-Dokumentationszentrum Köln unter dem Titel „Flucht vor dem Hakenkreuz“ veröffentlicht. Zurzeit steht ein Dokumentarfilm über ihr Leben kurz vor der Fertigstellung.
www.sektor53.de/projekte/dokumentationen/dokumentarfilm

Friederike Eybe wurde 1996 in Dresden geboren und lebt heute in Essen. Fotografie und Reisen sind ihre Leidenschaft. Ob von Kanada bis Rumänien oder von Polen bis Island, andere Länder faszinieren sie. Zurzeit studiert sie Fotografie an der Fachhochschule Dortmund und konzentriert sich auf Reise- und Porträtfotografie. Sie ist Gewinnerin des Sonderpreises der 3. Europäischen Kunstausstellung. www.eybe-photography.com

Olaf Eybe, Texter, Autor und Fotograf, wurde 1963 in Essen geboren. Er war Gründer der Initiative junger Autorinnen und Autoren und Herausgeber der Essener Literatur Flugblätter. Er veröffentlichte seine Texte in zahlreichen Zeitschriften und Büchern (zuletzt: „1939-1945, Erinnerungen in Bildern“, Projekte Verlag Cornelius, Halle 2012). Rund elf Jahre wirkte er als Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Essen. Vor einigen Jahren begann er seine künstlerische Arbeit als Fotograf. Gemeinsam mit seiner Frau leitet er die Kommunikationsagentur Eybe + Eybe.
www.eybeeybe.de

Jürgen Kahlert, Jahrgang 1954, Grafikdesigner und Fotograf, Essen. 1976 bis 1980 studierte er gemeinsam mit Harald Nadolny an der Fachhochschule für Grafikdesign und Fotografie, der Folkwangschule in Essen-Werden. Gemeinsam erstellten sie
eine fotografische Abschlussarbeit zum Thema Konzentrationslager. Seit 1980 ist Jürgen Kahlert Inhaber der DesignJK Werbeagentur in Essen. Neben seiner gestalterischen Tätigkeit widmet er sich immer noch der Fotografie. www.designjk.de

Rolf Krause, Jahrgang 1959, gebürtiger Krefelder, aufgewachsen in Essen-Freisenbruch, lebt und arbeitet in Essen-Überruhr als Grafiker, Fotograf und Werbefachmann. Neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit für verschiedene Verlage, Institute und Firmen durchstreift und entdeckt er seit vielen Jahren die verschiedenen Regionen des Ruhrgebiets mit seiner Kamera. Unter dem Label RUHRSAFARI präsentiert er seine Arbeiten auf Ausstellungen.
1
Einem Mitglied gefällt das:
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.