Helden im Alltag: Bruno Goriß

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Bruno Goriß vor dem Schild zum Lädchen an der Altendorfer Straße. (Foto: Renate Debus Gohl)
 

Von der Altendorfer Straße aus betrachtet sieht das „Lädchen“ eher unauffällig aus. Ein glänzendes Schild neben der Tür erklärt, was sich dahinter verbirgt: Eine Anlaufstelle für alkohol- und medikamentenabhängige Menschen. Mitten im Lädchen steht Bruno Goriß - Vereinsvorsitzender und Seele der Einrichtung - und erinnert sich an über 30 Jahre Arbeit.

Goriß weiß genau, wovon er spricht, wenn er sich mit Suchtkranken unterhält. Er selbst hat eine Langzeittherapie erlebt und erfahren, was es bedeutet, sich von einer Sucht zu lösen, in seinem Fall vom Alkohol. „Es dauert Jahre, um die Festplatte wieder frei zu kriegen“, erklärt er.
Damals - von 1984 bis 1989 - befand sich das Lädchen noch in der Dresdner Straße in Frohnhausen, bevor dann der Umzug nach Altendorf anstand.
„Wir wussten zunächst gar nicht, wo wir hin sollten“, erinnert er sich an die Anfänge, bei denen er mit anderen Suchtkranken auf der Suche nach einer Anlaufstelle, einem Treffpunkt war. Es folgte die Vereinsgründung, heute zählt das Lädchen 43 Mitglieder. Vier davon sind mit Goriß im Team aktiv. „Wir sind übrigens auch Treffpunkt für Angehörige“, erklärt Goriß und erwähnt damit einen wichtigen Aspekt - „die Abhängigen flunkern nicht so viel, wenn Familie dabei ist!“

Insgesamt acht Selbsthilfegruppen


Insgesamt acht Selbsthilfegruppen nutzen das Lädchen als Anlaufstelle. Neben einer soeben frisch renovierten Küche stehen den Gästen noch ein Gemeinschaftsraum, ein Gruppenraum und ein lichtdurchfluteter Wintergarten zur Verfügung. Ein Büro ist ebenfalls nötig, um dem Schriftkram Herr zu werden, wie Goriß weiß. Im Gruppenraum ziehen in einem großen Aquarium bunte Fische langsam ihre Bahnen. Hier und im Nachbarraum wird zusammen gebastelt und geklönt. Und es werden auch eine Menge Probleme gewälzt.
„Bei uns treffen sich neben Medikamenten- und Alkoholabhängigen auch Spielsüchtige zählt Goriß auf und erklärt: „Die Sucht treibt einen, Süchtige ticken komplett anders. Um davon los zu kommen, muss man komplett neue Wege gehen.“
Der Verein „Lädchen“ arbeitet mit Kliniken wie dem Kamillushaus in Heidhausen oder dem Philippusstift zusammen. Auch zu anderen Suchtkliniken besteht enger Kontakt.
„Wir zeigen den Menschen, die zu uns kommen, was möglich ist - aber gehen müssen sie selber.“
Einige Besucher des Lädchens seien im Laufe der Jahre Freunde geworden, so Goriß. „Einige haben es allerdings auch nicht geschafft und leben heute zum Teil nicht mehr“, fügt er unverblümt hinzu: „Es funktioniert leider nicht immer.“ Wenn ein Mensch sich aufgebe, sei nichts mehr zu machen.
Wer sich hingegen auf eine Behandlung einlasse, den unterstütze das Lädchen bestmöglich. „Eine Therapeutin vom Kamillushaus kommt regelmäßig zu uns und wir haben sogar mittlerweile Dank Sponsoren ein eigenes Auto, mit dem wir Fahrten zu Ärzten oder Kliniken durchführen können, wenn es einmal hart auf hart kommt“, erklärt Goriß. „Wir helfen übrigens auch in Amtssachen oder begleiten Insolvenzen!“ Woran es aber noch fehle, seien weitere Ehrenamtler, sagt Goriß ganz ehrlich. Vielleicht mag sich ja jemand engagieren. Am 5. Dezember ist jedenfalls erstmal Weihnachtsfeier im Lädchen. Ab 16 Uhr ist für alle geöffnet.
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