Radtour durch historische Arbeitermilieus

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Das Interesse an der Radtour war groß.
 
Auch gegenüber dem Simsonblock konnte Interessantes gesehen werden.
Essen: simsonblock | Am 23. Juni 1867 wurde in Essen der Allgemeine deutsche Arbeiterverein (ADAV), der Vorläuferpartei der SPD, in Essen gegründet. Die Essener SPD nahm das zum Anlass, mit einer Reihe von großen und kleinen Veranstaltungen diesem Ereignis einen würdigen Rahmen zu geben. So machten sich eine ganze Reihe von Essener Sozialdemokraten zu Beginn der Veranstaltungsreihe auf den Weg durch das Ruhrtal, wo der Bergbau in Essen begann. Zusammen mit dem Essener DGB gedachten sie an die Zerschlagung der Gewerkschaften am 02. Mai 1933 durch die Nazis in Essen. Für die zahlreichen Opfer steht das Schicksal des Gewerkschaftssekretär und Sozialdemokraten Karl Wolf, der im KZ Sachsenhausen ermordet wurde. Der Sozialdemokrat Gustav Streich saß fünf Jahre im Zuchthaus für seine politische Einstellung. Nach dem Krieg hat er maßgeblich an der Entwicklung Essens mitgewirkt. Am Sonntag fuhr eine große Gruppe mit dem Rad durch ehemalige Arbeitersiedlungen in Essen von Katernberg über das Eltingviertel durch Holsterhausen mit dem Endpunkt Margarethenhöhe.

Mitglieder des SPD Ortsvereins Holsterhausen bauten für die Radfahrer ein Pavillon und einen Stand auf. Unter fachlicher Anleitung wurde die geschichte des Alfredshofs in Holsterhausen erzählt. Die Planungen begannen schon 1891 zusammen mit dem Altenhof in Rüttenscheid. Der Alfredshof wurde in mehreren Abschnitten zwischen 1893 und 1918 gebaut mit insgesamt 1.700 Wohnungen. Der erste Teil des Alfredshofes wurde 1893 bis 1899 errichtet. Er befand sich zwischen der Münchener Straße und der Keplerstraße an deren Stelle damals die Kruppstraße verlief. So konnten die Arbeiter und Bewohner der Siedlung fußläufig die nordöstlich gelegenen kruppschen Fabriken. Man baute Ein- bis Vierfamilienhäuser nach dem Vorbild englischer Gartenstädte, in denen Arbeiter mit ihren Familien wohnen konnten. Nach 1907 ergänzten großstädtische Wohnanlagen den Alfredshof: bis zu dreigeschossige Wohnblocks mit begrünten Innenhöfen, die als Spielplatz und Treffpunkt der Bewohner genutzt wurden. Hinzu kam eine zentrale Parkanlage.

Die Ausstattung der Wohnhäuser im Alfredshof war der Zeit entsprechend vorbildlich. In den Häusern gab es auf dem Treppenabsatz Toiletten für die Bewohner. Die Hauseingänge der Doppelhäuser legte man auf die jeweils gegenüberliegenden Seiten des Hauses, um die Eigenständigkeit der Wohnungen hervorzuheben. Kein Haus sieht gleich aus angereichert mit kleinen Türmchen usw. Die Eingänge zu den Häusern sind im Innenhof des Simsonblocks. Im zweiten Weltkrieg wurde der Alfredshof wegen seiner Nähe zu den Kruppschen Fabriken sehr stark zerstört. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Alfredshof mit eingebunden in das größte Wiederaufbaugebiet Deutschlands.

In den 1980er Jahren initiierten die Holsterhauser Jusos eine Aktion, die monotonen Innenhöfe, die meistens nur mit einem Stück Rasen, auf dem eine Teppichklopfstange installiert war, umzugestlten. Die Ideen zur Umgestaltung der Innenhöfe fand beidem damaligen Ratsherrn und Bürgermeister, Friedrich Kinnigkeit, und anderen Mandasträgern wie Bezirksvertreter Ralf Krüger großen Anklang. Fritz Kinnigkeit konnte durch seine Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) auch den damaligen Krupp Wohnungsbau von der Notwendigkeit der Umgestaltung der Innenhöfe überzeugen. Dazu gabe es auch Fördergelder der LEG und so konnte aus den langweiligen Innenhöfen eine interessante Innenhoflandschaft gestaltet werden.

Die nächste Radtour der SPD findet am 10. September entlang der Grünen 14 statt, frei nach dem Motto "wie die SPD den blauen Himmel über der Ruhr zurückgeholt hat". Am 2. September lädt die Essener SPD zu einem Familienfest auf dem Willy-Brandt-Platz. Aber die Essener SPD möchte auch einen Blick in ihre Zukunft wagen. Im Hotel Franz treffen sich die Sozialdemokraten, um selbstkritisch zu beleuchten, was die sozialdemokratischen Werte Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität in Zukunft bedeuten. Der Ortsvereinsvorsitzende Benno Justfelder ist begeistert von dem Programm zum historischen Jubiläum seiner Partei in Essen: "Diese Form der Erinnerung an die Geschichte der Essener SPD ist dem Anlass mehr als angemessen. Maria und Agnes Tepperis haben tolle Arbeit geleistet. Vielen Dank dafür."
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