Madenwürmer kommen wieder "haufenweise"

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Silke Lenz, Leiterin der Presseabteilung Stadt Essen.
Die Vermehrung geht rasant! Hygiene ist das A und O! KiTas, Schulen, Heime schnell betroffen. Nicht meldepflichtig

Zuerst sieht man sie nicht. Aber spürt sie. Die Plagegeister sind nachtaktiv. Das Thema peinlich - doch der Befall geht rasend. Hinter vorgehaltener Hand sind Madenwürmer wieder Gesprächsthema. Kinderärzte räumen ein: "Die kommen immer vor..." Ich dachte, die weißen, 13 Zentimeter langen Tiere wären längst ausgerottet. Kriegs-Quälgeister. Der Stadtspiegel erkundigte sich bei der Stadt Essen. Die Antwort von Silke Lenz, Pressesprecherin, ist nicht "beruhigend"...

Stadtspiegel: Sind Madenwürmer nicht nur eine "Kriegskrankheit"?
Silke Lenz: "Die Infektionskrankheit war nicht wie von Ihnen vermutet „ausgerottet“ und kommt auch nicht gerade wieder vor. Aufgrund der Nicht-Meldepflicht sind zwar keine genauen Zahlen für Deutschland oder sogar Essen bekannt, in den USA geht die Seuchenschutzbehörde CDC jedoch davon aus, dass bis zu 50 Prozent der Kinder in Betreuungseinrichtungen und Schulen, deren Betreuer sowie Heimbewohner infiziert sind."

Wie verläuft der Madenwurm-Befall -
"Madenwürmer sind sehr kleine, etwa 1 cm lange, weißliche Würmer, welche den Darm befallen. Insbesondere in der Nacht legen diese Eier in der Perianalregion des Wirts ab. Eine Ansteckung mit dem Wurm geschieht dann durch die orale Aufnahme der infektiösen Eier. Der Zwergmadenwurm benötigt keine Vektoren, d.h. er ist direkt von Mensch zu Mensch übertragbar. Ein erwachsenes Weibchen legt im Rahmen seiner durchschnittlichen Lebenszeit etwa 10.000 Eier ab, welche auch im unbelebten Umfeld etwa 20 Tage überleben kann. Da das Ablegen der Eier zu einem starken Juckreiz führt, gelangen über das Kratzen viele Eier an die Hände und insbesondere unter die Fingernägel."

Wie funktioniert dann die Ansteckung?
"Auf diesem Wege können die infektiösen Eier gut in der unbelebten Umwelt, also z. B. auf Türklinken, Spielzeug oder auch Lebensmittel geraten. Zusätzlich kann der Patient sich erneut über die eigene Hand infizieren. Eier, welche an Schlafanzügen, Bett- Unterwäsche und ähnlichem angehaftet sind, können über Staub eingeatmet werden und gelangen so in die Speiseröhre. Aufgrund des potenten Übertragungsweges ist die Erkrankung nicht nur so häufig, sondern es ist beinahe unmöglich, diese auszurotten. Darüber hinaus sind in Familien, in denen Enterobiasis auftritt, sehr häufig mehrere Mitglieder des Haushaltes betroffen, da eine Ansteckung untereinander sehr wahrscheinlich ist."

Was kann man tun, um sich zu schützen:
"Um eine Übertragung zu vermeiden, ist das wichtigste, sich nach jedem Stuhlgang oder dem Wechsel von Windeln und vor jedem Essen, bzw. vor der Zubereitung von Nahrungsmitteln, gründlich die Hände zu waschen. Rohes Obst oder Gemüse sollte ebenfalls gut gereinigt werden, bevor es verspeist wird."

Was passiert, wenn ein Familienmitglied an Madenwürmern erkrankt?
"Es muss sehr stark auf Hygiene geachtet werden. Das Tragen von kurzen Fingernägeln ist wichtig, um eine adäquate Händehygiene gewährleisten zu können. Kleidung und Wäsche, die mit dem Patienten in Berührung gekommen ist, muss bei 60°C gewaschen werden und sollte zur Vermeidung des Einatmens von Eiern im Staub mit einem Mundschutz bearbeitet werden. Unterwäsche sollte häufig gewechselt werden, die Nacht- und Bettwäsche muss täglich erneuert werden. Wichtig ist zudem die Analhygiene des betroffenen Familienmitglieds."
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4 Kommentare
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Renate Smirnow-Klaskala aus Essen-Nord | 12.07.2017 | 19:50  
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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 12.07.2017 | 21:59  
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Renate Smirnow-Klaskala aus Essen-Nord | 13.07.2017 | 12:58  
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Ingrid Geßen aus Essen-West | 13.07.2017 | 13:02  
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