Ungewöhnlichster Schultag mit einer Träne

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Na, was will der kleine Rodrich denn dem Klassentier und Lehrerin Nicol Waness gerade sagen... Fotos: Debus-Gohl
  Bodelschwingh mit 56 bunten Kindern, zwei Deutschen, beim ersten Unterricht!

Wer ist aufgeregter? Eltern, Kinder? Oder Schulleiterin Hannelore Herz-Höhnke; die 56 Schul-Frischlinge aufruft. Bei „Ja“ legt eine Lehrerin dem Kind ein Herz wie Schmuck um den Hals, darauf leuchtet der Name - wie Touced Khaleel Yousig Alsuleinan. Der Rektorin perlen die Namen glänzend von der Zunge. Alle da? Der Schritt im neuen Lebensabschnitt beginnt mit Psssst…

28 festlich gekleidete I-Männchen, mit Tornister bepackt, empfängt eine ausgesprochen hübsche Lehrerin. Das Gemurmel hört augenblicklich im Schulflur auf, da Nicol Waness stehen bleibt, Pssst macht, den Finger auf ihren Mund legt. Klappt. Sie schaut die ersten an. „Ich möchte, dass ihr euch einen Partner sucht, zu zweit aufstellt.“ Angelo sucht – findet. Niko auch. Hand in Hand, Finger auf den Mund, geht’s mucksmäuschenstill, mit Zehenspitzengetrippel in Raum 1a. „Das habt ihr superschön gemacht.“

„Wie begrüßt man sich denn am Morgen?“ Das Sprachgewirr wird mit einer – wusch – Bewegung gelöscht. „Ihr wisst schon, dass man sich melden muss.“ Angelo zeigt auf, sagt „Guten Morgen!“ „Nur einer oder alle? Stehen wir dabei auf oder sitzen wir?“ Und die Pädagogin stellt sich namentlich vor. Geschwirr. „Moment! Kinder, die rein rufen, nehme ich nicht dran.“ Blitzschnell lernen die Lütten. „Guten Morgen, mein Name ist Frau Waness!“ Der Chor erhebt sich: „Guten Morgen, Frau Vaness!“

Los geht’s. „Schaut euch mal im Raum um. Ich sehe ein besonderes Tier!“ Huch, was Lebendiges…Einer ruft etwas. „Wenn du was weißt, meldest du dich bitte.“ Nicolas hebt den Arm. „Ein Elefant!“ „Richtig. Noch ein Tier.“ „Eine Eule.“ Die Klassentiere heißen Ele, der Elefant, Ella die Eule…

Ein Kreis auf dem Boden wird gebildet – piano. Kein Stuhlräumen, kein Schieben. Einzeln. Kishanie, Keven Allena, Nya, Derya, Kaan…erheben sich. „Super gemacht.“ Doch was ist das? Maja weint. „Vermisst du die Mama?“ Kopfschütteln. „Freudentränen?“ Sie lächelt schief. Zwei Nachzügler zuckeln in die Klasse.

Die Lehrerin spricht über die Klassentiere. „Sag mal, wie war der erste Schultag. Sehr aufgeregt?“ „Nicht nur aufgeregt, auch ein ganz bisschen Angst hatte ich. Du auch, Maja?“ Nicken. „Ella, die Eule hatte sogar Magendruck. Heute soll Ella zu den Großen gehören. Unsere Schulleiterin heißt Frau Herz. Könnt ihr ein Herz malen?“ Und haste nicht gesehen, Maja meldet sich, mal ein schönes Herz an die Tafel. Lob flattert.

„Glaubt ihr, dass heute viele schwierige Fragen kommen?“ Rodrich im feschen glänzend grauen Anzug, mit Krawatte, schneeweißem Hemd, meint: „Ja!“ Niko-Leon ruft was. „Stopp. Nicht rufen. Wir melden uns, und wenn ich auf dich zeige, darfst du was sagen. Also, was konnte Ella schon, bevor sie eingeschult wurde? Ella, die Eule, konnte schon richtig gut fliegen. Was wohl noch?“ „Gut gucken!“ „Gut beobachtet, Rodrich!“ „Was kann der Löwe?“ „Brüllen!“ „Sehr gut, Deyvid.“ „Was könnt ihr gut? Ich kann gut springen.“ Die Pädagogin springt in die Luft. Beifall. Deyvid kann gut tanzen. Elena gut einen Stern zeichnen. Fouad gut Fußball spielen. Nya Shelyn einen Stern mit einem einzigen Strich. Applaus. Leise geht’s aus dem Kreis zurück zum Tisch.

„Wir fangen mit dem Schnellhefter an. Ich weiß nicht, ob ihr es schafft. Wer ist mutig? Wer ist stark? Er steckt in eurer Tasche. Ihr holt den gelben Hefter raus, ich gebe euch zwei Blätter, für Mama, für Papa. Die Blätter legt ihr in das Heft-Loch, richtig einheften, das weiße Teil drauf legen, umklappen, zumachen, in die Tasche packen.“Zum Auflockern folgt ein Spiel mit Abklopfen. Drei müssen nach vorne kommen. Die anderen „Abtauchen!“ Kopf auf den Arm. Jeweils einer von den Drei tippt jemand an. Die Frage – WER. Klappt – ab und zu.

Schulende naht. Herz-Schilder in den Korb, Stuhl auf den Tisch, Tornister auf den Rücken, die Hand der Lehrerin geben, verabschieden. Moment, Deyvid drückt nicht nur die Hand sondern schlägt seine Hände warmherzig um den Hals von Nicol Waness. „Ich freue mich sehr auf morgen!“ „Ich auch!“

Die Tür geht auf. Eine schwarze Wand. Eltern drängeln sich in die Klasse. Was sagt die Lehrerin? „Ich teile für zwei Wochen die Gruppe, je 14 Kinder; die werden drei Stunden beschult, damit ich einen besseren Blick für sie habe, besser einschätzen kann, wer wo steht.“
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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 25.08.2016 | 15:20  
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