Piraten in der Stadt

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Bitte ganz laut: Die Kinder der Krakengruppe sind nicht nur fotogen, sondern kommen auch beim "Cheese" brüllen auf eine Lautstärke, die sich hören lassen kann.
 
Hmmm... lecker: Bei der Verabschiedung einer Mitarbeiterin kann es dann schon einmal passieren, dass die Mutter eines Kindes für alle einen Kuchen backt.
Wer glaubt, dass es Piraten nur auf hoher See gibt, der irrt. Denn auch in Frohnhausen, genauer gesagt in der Kerckhoffstrasse, leben sie unter uns, haben aber ihre Haken und Augenklappen schon seit jeher vergraben. Die Rede ist von der Kindertagesstätte Stadtpiraten, deren Träger das Mehrgenerationenhaus Essen ist.
In drei festen Stammgruppen, den Orkas, den Schildkröten und den Kraken, finden dort insgesamt 70 Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren einen Platz zum Spielen, Toben und Entdecken.
„Wir haben das Haus Mitte letzten Jahres von der Evangelischen Kirche übernommen, welches eigentlich geschlossen werden sollte“, erklärt die Leiterin der Einrichtung, Maike Goedert. „Sieht man sich den momentanen Mangel an Kitaplätzen an, wäre das ein herber Verlust für den Stadtteil gewesen. Vorher gab es in der Einrichtung ein offenes System. Das bedeutet, dass es keine festen Gruppen gab, sondern nur Funktionsräume, in denen Angebote durchgeführt wurden. Weiter ist bei uns das Verhältnis von Mädchen und Jungen sehr ausgeglichen und im Haus sind in etwa 15 Nationen vertreten.“
Besonderen Wert legt die Einrichtung auf den Faktor Sprache. Ab März wird sogar eine spezielle Förderkraft eingestellt, welche explizit auf die Sprachdefizite der Kinder eingeht. Des Weiteren wird so gearbeitet, dass ein alltags- und handlungsbezogenes Sprechen in den Vordergrund tritt. Das äußert sich dann in der Form, dass im Morgenkreis ein Lied als Rollenspiel nachgestellt wird oder dass man mit den Kindern in die Bibliothek geht, um sie eigenständig recherchieren zu lassen. Vor kurzem lief auch ein Projekt an, welches sich zwar noch in der Erprobungsphase befindet, es aber, wenn es sich bewährt, in den Alltag integriert werden soll. „Hierbei handelt es sich um Projektwochen“, meint die Leiterin. „Es soll dabei immer ein bestimmtes Thema im Vordergrund stehen, begonnen haben wir jetzt mit dem Thema Märchen. Dazu basteln die Kindern dann, es werden Geschichten erzählt oder man schlüpft in andere Rollen. Toll wäre es, wenn somit eine Synergie unter den Gruppen bewirkt werden könnte, dass man sich intensiv gemeinsam damit beschäftigen kann.“ Zudem sollen auch verstärkt Personen von außerhalb in die Kita eingeladen werden, damit eine gute Beziehung zum Stadtteil gewährleistet ist. Für diesen Zweck war schon die Feuerwehr da und die Polizei schaut zur Verkehrserziehung vorbei.
Ferner wird darauf geachtet, dass sich nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern hier wohlfühlen. „Wir wollen, dass sich die Eltern freundlich empfangen fühlen“, bestätigt auch der Leiter des Mehrgenerationenhauses, Arndt Sauer. „Es gibt ein Elterncafé und wir haben gemerkt, dass die Eltern diesen Ort der Begegnung sehr gerne wahrnehmen.“ Beim letzten Weihnachtsfrühstück waren auch fast alle Eltern anwesend und man merkt, dass, obwohl es viele unterschiedliche Kulturen sind, ein sehr gutes Miteinander existiert.
Werden die Kinder dann morgens gebracht und sind in ihren Gruppen, gibt es zunächst ein gemeinsames Frühstück. Das Beste daran: Die Kinder müssen nichts selbst von zu Hause mitnehmen, alles wird von der Kita gestellt. So kann gewährleistet werden, dass alle Kinder ein gesundes Essen genießen. Danach gibt es eine Freispielphase, im Anschluss daran versammeln sich alle zum Morgenkreis. Hier wird dann ein Begrüßungslied gesungen und der Tagesablauf festgelegt. Allerdings nie ohne die Kinder mitbestimmen zu lassen, was sie machen wollen. Dafür gibt es in jeder Gruppe sogar einen Gruppensprecher, der in einem demokratischen Verfahren gewählt wird und sich regelmäßig ändert, dass jeder einmal an der Reihe sein kann. Mittags gibt es dann Essen, wobei hervorzuheben ist, dass das Essen selbst frisch gekocht ist. „Wir achten sehr auf Abwechslung, kochen aber vermehrt vegetarisch: Einmal in der Woche gibt es Fleisch und Fisch. Ferner dürfen sich auch hier die Kinder etwas wünschen. So kann es schon mal passieren, dass es einen Burger-Tag gibt. Schweinefleisch steht bei uns nicht auf der Karte.“ Eine Idee, die auch hoffentlich umgesetzt werden kann ist, dass ein Durchbruch zum angrenzenden MGH gemacht werden soll und alle Kinder dann dort gemeinsam im Restaurant ihr Essen einnehmen.
„Worauf wir noch großen Wert legen ist, dass unsere Mitarbeiter zufrieden sind“, so Sauer und Goedert. „Als das MGH die Kita im letzten Jahr übernommen hat, hat sich ein Großteil des Personals gewechselt. Uns ist es wichtig, dass wir teambildend arbeiten und dass die Erzieherinnen und Erzieher ihren Job gerne machen und gerne zur Arbeit kommen. Zu diesem Zweck haben wir auch den TGV Holsterhausen mit ins Boot geholt und sind von einer guten Zusammenarbeit mehr als überzeugt.“
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