Der größte Schatz der Welt

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"Der größte Schatz der Welt": Gisela Kühn hat eine Menge Bücher in ihrem Bollerwagen.
 
Sind für den Ferienspatz in den Essener Parks unterwegs: Sigried Meyer, Gisela Kühn und Angelika.
Verein für Kinder-und Jugendliteratur liest im Krupp-Park



Es ist schon seit langer Zeit kein Geheimnis mehr, dass Lesen einen hohen Stellenwert im Leben eines Kindes einnehmen sollte. Dadurch wird zum Beispiel die Bildung, sprich die Sprachkompetenz und das Vokabular, erweitert, die Sozialkompetenz steigt und wenn man seinem Kind vorliest, stärkt dies die Eltern-Kind-Beziehung.


Diesem Ziel, das Lesen zu fördern, hat sich der Essener Verein zur Förderung der Kinder- und Jugendliteratur verschrieben. Diesen gibt es schon seit 1980 und immer noch sind die 1. Vorsitzende des Vereins Dagmar Mägdefrau und ihre Mitstreiter hochmotiviert Kindern bunte, abenteuerreiche, lustige, emotionale oder tierische Bücher nahezubringen, um ihnen den Spass am Lesen zu zeigen.
„Schon lange vor PISA wussten wir, dass die Lust am Lesen verloren geht“, meint die ehemalige Vorsitzende Gisela Kühn. „Und dass das Interesse wieder geweckt wird, dafür setzt sich unser Verein ein. Wir veranstalten Autorenlesungen, denn es ist auch immer etwas anderes, wenn man den Autor eines Buches persönlich kennenlernen kann, organisieren Vorlesewettbewerbe und Buchbesprechungen.“

Michael Ende zu Gast in Holsterhausen

Zur Zeit ist der Verein, dessen Zeichen ein roter Bollerwagen voller Bücher ist, im Rahmen des Ferienspatzes unterwegs. Hierbei macht dieser an verschiedenen Grünanlagen und Parks Station und Vereinsmitglieder lesen allen interessierten Kindern vor. Mit dieser Aktion sollen Kinder zum Lesen verführt werden.
„Oft kommt es vor, dass die Kinder alle am Toben und an den Geräten auf dem Spielplatz sind. Wenn ich dann mit meinem Buch um die Ecke komme, meinen zahlreiche Mütter, dass die Kinder jetzt erst einmal beschäftigt seien und sicher keine Lust auf eine Geschichte haben würden. Aber das ist weit gefehlt. Denn wenn Kinder eines sind, dann neugierig. Und wenn dann eine ältere Dame mit einem bunten Buch auftaucht, dann fragen sie sich, was das denn sein könnte“, so Kühn weiter.
Es war einmal ein Kinderbuchladen in Essen Holsterhausen, der sich „Polly's Schmöker-Shop“ nannte. Dieser Kinderbuchladen war beliebt bei Groß und Klein, sogar der weltbekannte Autor Michael Ende stellte dort sein neues Buch „Die unendliche Geschichte“ vor. Doch obwohl der Laden von allen gemocht wurde, musste Polly ihren Laden schließen. Weil aber alle, die dort ein- und ausgingen das Lesen ganz toll fanden, haben sich die Freunde von Polly um sie versammelt und ihr geholfen mit einer Vereinsgründung ihr Engagement für Kinder- und Jugendliteratur zu unterstützen. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.
Die Bücher, aus denen vorgelesen wird, gehören dem Verein selbst. Da gibt es Geschichten über Piraten, Abenteurer und Prinzessinnen, ebenso wie Tiergeschichten und aktuelle Themen, wie eine Geschichte über einen Flüchtlingsjungen, der zu Anfang Probleme hat Anschluss unter gleichaltrigen zu finden, weil er die Sprache nicht kann. Das schöne am Vorlesen ist auch, dass die Kinder Gebrauch von ihrer ganz eigenen Fantasie machen können: Jeder stellt sich die Charaktere und Umgebungen in der Geschichte anders vor, was in unserer heutigen mediendominierenden Außenwelt schwierig geworden ist. Was dann genau vorgelesen wird, entscheiden oft die Kinder selber, aber auch Kühn und ihre Mitstreiter. „Wenn ich sehe, dass das Buch nicht dem Alter des Kindes entspricht oder wenn ich sicher bin, dass ein anderes Thema dem Kind viel besser gefallen wird. Ich würde auch sehr gerne den Kindern in den Zeltdörfern vorlesen. Das fördert nämlich zunehmend das Erlernen der deutschen Sprache“, so Kühn.

Internationale Autoren lesen beim Verein

Inzwischen haben sich zwei Mädchen um Kühn versammelt und lauschen gespannt ihrer Geschichte, die um eine kleine Eule geht. Sie sind ganz leise und wollen wissen, was als nächstes passiert.
Den Bollerwagen zeichnet vor allem auch die Tatsache aus, dass viele internationale Autoren darin zu finden sind. Der Tigerprinz von Chen Jianghong etwa vermittelt auf exzellente Weise Gleichnisse, die Kinder verstehen und erzählt dabei ein rührende Geschichte, die auch Erwachsenen mindestens eine Träne in die Augen treibt. Zum Jubiläum des Vereins vor ein paar Jahren konnte Jianghong als Gastautor gewonnen werden. Ebenso wie das Ehepaar Pavlak aus Polen sowie Autoren aus Griechenland, Schweden und Holland.
„Ich finde die Aktion hervorragend, da meine beiden Mädchen Lesen sehr toll finden“, erklärt die Mutter Johanna Potrykus. „Sie wollen immer Geschichten vorgelesen bekommen. Gut für mich ist auch, dass ich mir bestimmte Titel oder Autoren notieren kann. Allgemein gibt es ein riesiges Angebot, man weiß oft nicht, was gut ist. Wenn ein Buch aber im Bollerwagen liegt, bin ich sicher, dass es gut ist, denn der Verein wählt nur die besten aus.“
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