Heimatgefühl dank Musik

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Zum Finale gab es „Hey Jude“ von den Beatles natürlich in den passenden Kostümen. Foto: Maxx Hilberer
 
Außerhalb der Camps wurden die Musiker immer von Betreuungsoffizieren begleitet, aber auch einem einheimischen Gästeführer. Fotos: Maxx Hilberer
 
„Das Kosovo gehörte nicht zu den 100 Ferienzielen, die ich noch sehen wollte,“ gestand Marty West von der Band "Boat People", doch der Ausflug hat sich gelohnt. Foto: Maxx Hilberer

Die "Boat People" reihen sich seit neuestem in eine Reihe mit Künstlern wie Matze Knop oder sogar Peter Maffay ein. Denn wie diese beiden war die Band zu Gast im Kosovo und unterhielt in den KFOR-Camps in Prizren und Pristina die dort stationieren deutschen Bundeswehrsoldaten, aber auch andere Soldaten der internationalen Kosovo-Truppe.

Ohne Gage, aber mit viel Spaß


Übrigens erhielten die Gelsenkirchener Musiker ebenso wie alle anderen Künstler, die dort auftreten, keine Gage. Sie verbrachten also die Ostertage statt im Kreise ihrer Familien in dem der Soldaten, um diesen eine Freude zu machen und ihnen in der Fremde ein Stückchen Heimat nahe zu bringen.
Im Gegenzug erlebte die Band auch aufregende Tage mit vielen neuen Eindrücken, die man als Tourist nicht zu sehen bekommen würde. Denn auch wenn das Kosovo nicht gerade zu den Urlaubsländern zählt, so verfügt es über wunderschöne Landschaften, wie die "Boat People" hautnah erfuhren.

Prizren - der schönste Ort im Kosovo


So gilt Prizren, wo sich die Musiker im deutschen KFOR-Quartier aufhielten, zu den schönsten Orten des Kosovo. Und auch das Gastspiel im internationalen Hauptquartier der KFOR in Pristina bot die Gelegenheit, die Gegend zu erkunden.
„Sobald wir das Camp verlassen wollten, hatten wir Bewacher mit einer geladenen Waffe an unserer Seite. Aber nicht nur, um unsere Sicherheit zu gewährleisten, sondern auch um uns eine ortskundige Begleitung zu bieten. Dazu gibt es extra Betreuungsoffiziere, die ergänzt wurden durch den kosovarischen Fremdenführer Gazmend, der auch Sprachmittler für die Bundeswehr und ihre Gäste ist“, schildert Marty West von den "Boat People".

Es gab viel zu sehen


Bei ihren Erkundungen der Gegend standen die Musiker auf 2.600 Metern Höhe im Schnee, spazierten durch ein Bärenreservat und besichtigten eine Tropfsteinhöhle. In Prizren befand sich das Camp am Ortsrand und die Gelsenkirchener erkundeten den Ort mit Besuchen des Nato-Denkmals, einer Moschee, Burg und Kirchen. Die Moschee war dabei für einige der Musiker ein Novum und der Gang ohne Schuhe durch das religiöse Gebäude sorgte für kalte Füße.

Land und Leute begeisterten Boat People und Boat People begeisterten die Soldaten


„Unsere Auftritte gerieten fast in den Hintergrund für uns, weil wir von den vielen Eindrücken von Land, Leuten und der Bundeswehr so beeindruckt waren“, verrät der Musiker. Dabei ernteten die sie mit ihren Auftritten so viel Zuspruch, dass sie sogar von einem Slowenen mit einem Strauß Twix beglückt wurden. Die Soldaten hatten dabei aber nicht nur Spaß an den Auftritten der "Boat People", sondern rechneten ihnen auch hoch an, dass sie wie die Soldaten während der Ostertage auf ihre Familien verzichteten.
Von den acht Musikern war übrigens nur einer bei der Bundeswehr und so erlebten die meisten von ihnen ihre erste hautnahe Berührung mit dem Leben der Soldaten. Einer von diesen schilderte ihnen, dass er fünf Monate am Stück seinen Dienst im Kosovo versieht und die Erfahrung gemacht hat, dass jeder Tag wie ein Montag ist. Den einzigen Unterschied in den Alltag bringe der Sonntag, wenn die Kantine eine Stunde später öffnet.

Kameradschaft ist doch was Gutes


Ihre Erlebnisse haben den Musikern einen neuen Eindruck von Kameradschaft vermittelt und so war es für sie auch nicht mehr so ungewöhnlich, am Camp-Tag - wie alle anderen - auf dem Platz anzutreten. Marty West erzählt: „Als Oberst Hans-Jürgen Freiherr von Keyserlingk dabei fragte: Wo sind denn die Boat People? Meldete sich sofort unsere Sängerin Niko zu Wort und vermeldete: Hier, Herr Oberst!“
Auf den ersten Blick erschien Prizren gar nicht so viel anders als eine Stadt mit rund 140.000 Einwohnern hier bei uns. Aber dann gab es wieder Ecken, in denen Ruinen vom kriegerischen Treiben zeugten. „Prizren hat auch eine sogenannte Brautstraße und ist berühmt für die große Anzahl von Braut-Ausstattern. Wir hatten aber auch Gelegenheit mit einem heimischen DJ und vielen anderen zu sprechen. Dabei waren alle sehr offen und gaben Auskunft über Politik, die allgemeine Situation und vieles mehr. So verdient der Durchschnitts-Kosovare rund 250 Euro im Monat und wir haben die Erfahrung gemacht, dass ein Liter Bier einen Euro kostet“, erklärt West.

Alles wirkt so friedlich...


„Man hat nicht den Eindruck, dass es im Kosovo gefährlich ist, aber das kann täuschen, denn die Truppe genießt ein hohes Ansehen in der Gegend. Und natürlich sind die Soldaten, egal welcher Nationalität, sehr professionell. So trinken die Amerikaner während ihrer Zeit im Kosovo zum Beispiel keinen Tropfen Alkohol. Die Deutschen dürfen zu bestimmten Zeiten mal was trinken und die Schweizer sehen das ganz locker“, lacht Marty West.
Untergebracht waren die Musiker in ganz normalen Soldatenstuben, nur mit dem Privileg, dass ihnen die für drei bis vier Personen ausgerichteten Räume für jeweils eine Person zur Verfügung standen. „Die Soldaten warnten uns auch gleich vor, dass die Wände sehr dünn seien und man wirklich jedes Geräusch aus den Nebenzimmern hören würde. Mich hat das nicht gestört, denn die Tage waren so anstrengend, weil aufregend, dass ich abends völlig fertig war und sofort eingeschlafen bin“, lacht Marty West.
Im Soldatensender Radio Andernach gaben die Musiker zwei Interviews, was ihnen natürlich viel Spaß machte.

Wie die Boat People in den Kosovo kamen


Das Abenteuer wurde möglich, weil ein Betreuungsoffizier der Bundeswehr die Boat People bei einem Auftritt in der Essener Dampfbierbrauerei erlebt hatte. Er sprach sie an und fragte, ob eventuell Interesse bestehe. Für die Reise mussten die Musiker ein Führungszeugnis vorlegen und beim Eintritt ins Camp ihren Personalausweis gegen einen Camp-Ausweis eintauschen. Ihre Handys durften sie zwar behalten, mussten sich aber verpflichten, dass sie keine Fotos innerhalb des Camps schießen. Während ihr Equipment mit der Transall der Bundeswehr flog, reisten die Musiker mit einer Passagiermaschine und waren erstaunt, dass sie mit ganzen Familien in ein Gebiet flogen, von dem sie zuvor glaubten, dass keiner dort hin will.
Im Nachhinein würden sich Marty West und die anderen Segel-Freunde von den "Boat People" freuen, wenn diesem Abenteuer ein weiteres in einem anderen Einsatzgebiet der Bundeswehr folgen würde. Doch bis dahin hat die Band erst einmal gut zu tun: Im Mai sind sie auf Juist und Borkum zu Gast mit ihrem neuen mobilen Equipment, im Juni musizieren sie in Holland, im September unterhalten sie in Mülheim die Weiße Flotte und veranstalten wieder das Festival "Rock am Dom" in Buer, im Oktober haben sie einen Auftritt in Berlin und im Dezember rocken sie das Boot und zwar auf dem Rhein-Herne-Kanal. Zum Finale gab es „Hey Jude“ von den Beatles natürlich in den passenden Kostümen.
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