Das MiR bittet zum Time Warp

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Der Wissenschaftler schafft es jeden zu verführen, egal ob Mann oder Frau. Foto: Gerd Kaemper
 
Rockys Geburtstagsfeier begehen Rocky, Dr. Frank N. Furter, Janet Weiss und Brad Majors mit den Überresten von Rockys Vorgänger Eddie. Foto: Gerd Kaemper
 
Die Fan-Bags sind käuflich zu erwerben und enthalten alles, was man zum Mitmachen bei der Show benötigt. Foto: Gerd Kaemper
Gelsenkirchen: Musiktheater im Revier |

„In der Live-Version hat man ganz andere Möglichkeiten als der Film der Rocky Horror Show es hatte“, freut sich Henrik Wager, der ab Samstag, 20. Februar, am Musiktheater im Revier in die Rolle des Dr. Frank N. Furter schlüpft und damit die zentrale Figur des Kult-Musicals verkörpert.

Die Geschichte zum Musical


Das Musical „Rocky Horror Show“ von Richard O’Brien feierte am 16. Juni 1973 am The Royal Court Theatre Upstairs, der Studiobühne des Royal Court Theatres in London Premiere. 1975 wurde die Verfilmung The Rocky Horror Picture Show in die Kinos gebracht.
Und die Story um den ausserirdischen Wissenschaftler Frank N. Furter, seine Bediensteten Riff-Raff und Magenta, das biedere Paar Brad Majors und Janet Weiss, den Wissenschaftler Dr. Everett Scott, die Geschöpfen Eddie und Rocky und seine Ex-Geliebte Columbia entwickelte sich zu einem Kult. Schon bald begleitete das Publikum die Szenen mit „Mitbringseln“. So wird bis heute zum Klang der Hochzeitsglocken Reis gestreut, das Gewitter wird mit Spritzpistolen unterstützt und so fort.
Nicht zu vergessen der Song „Time Warp“, bei dem die Zuschauer kaum auf den Sitzen gehalten werden, sondern aufspringen, einen Schritt nach links machen, die Hüften kreis lassen und was eben so alles dazu gehört.

35 Vorstellung in Gelsenkirchen geplant


Und das alles gibt es nun wieder live am MiR und zwar 35 Mal im Kleinen Haus und darauf freut sich auch das Team um Regisseur Johannes Reitmeier. Letzterer hat sich aufgrund des Kult-Status des Musicals natürlich seine Gedanken gemacht, wie er dem Stück in Gelsenkirchen eine persönliche Note mitgeben kann: „Jeder Regisseur, der mit der Rocky Horror Show beauftragt ist, hat das Problem, dass er die Erwartungen des eingefleischten Publikum erfüllen möchte, aber auch seine eigene Handschrift einbringen möchte. Gerade ein so großes Mitmachstück würde viele Zuschauer enttäuschen, wenn Teile fehlen würden. Darum habe ich mir gedacht, dass ich die besonderen Stärken jedes Einzelnen möglichst ernst nehmen sollte, um eine sehr eigene und persönliche Inszenierung auf die Beine zu stellen.“

Rocky Horror macht auf und vor der Bühne viel Spaß


Die Probeneinblicke geben diesem Ansatz recht. Denn man spürt nicht nur den Spaß der Darsteller, sondern auch den der anderen Beteiligten, die von den Zuschauerrängen das Bühnengeschehen begleiten und voll dabei sind.
Für Henrik Wager ist Rocky Horror nichts ganz neues: „Ich habe schon als Teenager in den 80er Jahren in England sehr oft die Show gesehen und sie auch schon zwei Mal selbst gespielt. Dabei ist natürlich gerade die Rolle des Frank N. Furter eine Herausforderung für jeden Musical-Darsteller, denn man kann dabei sehr viele Facetten seines Könnens zeigen. Und die Live-Show bietet gegenüber dem Film natürlich auch die Möglichkeit der Überraschungen. Denn jedes Publikum reagiert anders und das wirkt sich dann wieder auf das Bühnengeschehen aus, so dass keine eigentlich keine Show wie die andere ist.“

Männer in Highheels und Strapsen


Eine weitere Herausforderung stellen für Wager die Highheels dar. Denn er weiß, dass die Kostüme das Spiel beeinflussen und eine gewisse Energie beitragen. „Damit es wirkt, muss man sich mit den Highheels bewegen können, als würde man nie andere Schuhe tragen“, weiß der Sänger, der sich beim Bummeln über die Bahnhofstraße immer wieder fragt, „wieso Frauen selbst zum Einkaufen gehen Highheels tragen? Um nur eben in ein Taxi zu steigen und zu einer Party oder ins Theater zu fahren, das ist okay. Aber für den Alltag?“

Stadt britischem Schloss gibt es eine Industriebrache a la Ruhrgebiet


Zur Bühne erklärte Johannes Reitmeier, dass es eine Regieanweisung von Richard O‘ Brien gibt, in der es heißt, dass das Raumschiff von Frank N. Furter in einem Industriegebiet landet. Das mit der Überlegung, dass er sich hier mitten im Ruhrgebiet befindet, trug dazu bei, dass er seine Rocky Horror Show in einer abgewackten Industriekulisse spielen lässt und sie damit regional verortet, anstatt sie in einem britischen Schloss darzustellen.
„Die Rocky Horror Show fällt im Rahmen des Genres schon heraus. Denn Musicals sind in der Regel clean. Rocky Horror ist ein Spiel um die sexuelle Freiheit, das ist heute nicht mehr schockierend, aber die Art wie mit den sexuellenAnzüglichkeiten gespielt wird, das ist durchaus schockierend“, ist sich Reitmeier bewusst.

Ein großer Spaß mit Tiefsinn


Dramaturgin Anna Grundmeier gewinnt der Show auch eine gewisse Tiefsinnigkeit ab: „Das Stück ist klüger als man es auf den ersten Blick glaubt. Denn es ist eine liebevolle Hommage daran, sich selbst zu lieben. Nur verhindern häufig die Rituale, die sich um die Show entwickelt haben, den Blick auf diese Aussage.“
Dem schließt sich der Regisseur an: „Natürlich ist Frank N. Furter eine agressive, notgeile Tunte, aber er ist auch ein chaotischer Wissenschaftler, was ihn wieder charmant macht und sympathischer. Ich will ihn hier nicht besser machen, aber seine Vielschichtigkeit hervorheben.“
Und weil sich Reitmeier des Trash-Charakters der Show bewusst ist, dürfen sich die Zuschauer darauf freuen, dass „sein“ Eddie nicht irgendwie in einem Nebel sein Ende findet, sondern grauselig auf der Bühne umgebracht wird, weil das richtiger Trash ist.

Bitte keine Lebensmittel verschwenden!


Angesichts des Geschehens in der Welt bitten das Musiktheater im Revier und alle an der Show Beteiligten die Zuschauer darum, auf die üblichen Wurf-Utensilien wie Reis, Toastbrot und ähnliches zu verzichten.
„Ich kann nicht einerseits an einem Plakat vorbeilaufen, in dem mir erklärt wird, was eine Handvoll Reis für einen hungerleidenden Menschen bedeutet und im nächsten Moment genau diesen Reis durchs Theater werfen“, appelliert Johannes Reitmeier.

Fan Bags bieten die volle "Ausrüstung"


Das Musiktheater ist aber vorbereitet auf das Kult-Musical und bietet mit freundlicher Unterstützung durch die ELE sogenannte Fan-Bags an. Darin findet man von der Zeitung über die Wasserspritze, Rosenblätter für die Hochzeit, Party-Hütchen und Toast-Bierdeckel, Tröte und Klopapier bis hin zu Gummihandschuhen und Glöckchen alles was das Fan-Herz begehrt. Mit diesen Utensilien ist auch die Verletzungsgefahr für die Darsteller auf der Bühne deutlich verringert, aber trotzdem bittet das Musiktheater auch darum, wenn möglich nichts auf die Bühne zu werfen, um keinen Darsteller zu gefährden.
Mit 5.000 Fan-Bags sieht sich das MiR gut aufgestellt und kann sicherlich im Falle eines Falles noch nachrüsten. In diesem Sinne let‘s dance the Time Warp: „It‘s just a jump to the left, an then a step to the right, with your hands on your hips, and bring your knees in tight!“
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