Ruderverein Gelsenkirchen: Über 800 Stunden Arbeit für einen neuen Katamaran

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Der kommissarische Bootswart Stefan Waltemade (2.v.r.) mit den Jugendlichen, die am Bau des Bootes mitgeholfen haben und auch weiterhin noch mithelfen werden. Die beiden Rümpfe sind schon sehr gut zu erkennen. (Foto: Gerd Kaemper)
 
Der kommissarische Bootswart vom Ruderverein Gelsenkirchen: Stefan Waltemade. (Foto: Gerd Kaemper)
Gelsenkirchen: Ruderverein Gelsenkirchen |

Fünf Jahre ist es nun schon her, dass der Ruderverein Gelsenkirchen 90 Jahre alt geworden ist. Die Feierlichkeiten sind schon lange vorbei. Jetzt wird im Hintergrund gehobelt und geschwitzt, um attraktiv zu bleiben und noch viele, weitere Jahre zu überleben.

Genau am Kanal, zwischen den großen Firmen am Wasser, mit Blick auf viel Schrott und Müll: Hier ist der Einstieg für die Ruderer, wenn sie vor der eigenen Haustür ins Wasser wollen. „Ruhrpott-Charme“, sagt Stefan Waltemade und lächelt dabei. Der kommissarische Bootswart vom Ruderverein Gelsenkirchen weiß ganz genau: die einen mögen es, die anderen nicht. Aus dem Hintergrund drönt laute Musik. Der Nachwuchs trainiert im Kraftraum. Ehe man bis zu diesem kommt, läuft man an vielen, verschiedenen Ruderbooten vorbei. Teilweise sind diese 18 Meter lang. Ein sogenannter „Achter“. Nicht die einzige Halle vom Ruderverein an der Uferstraße. Zwei weitere komplettieren die Anlage, die man auch Dank der Unterstützung der Stadt erhalten hat, dementsprechend aber auch kein Eigentum ist. In der einen steht ein alter Katamaran, von dem bald nur noch der Motor übrig bleiben wird. Denn: Das Boot hat seine letzte Fahrt schon hinter sich. Für ein effektives Training benötigt der Trainer ein Motorboot. „Es begann damit, dass der alte Kat ständig einige Liter Kanalwasser in seinen Rümpfen gespeichert hat und nach jedem Einsatz somit über die Lenzstopfen abgelassen werden musste. Hinzu kamen noch einige kleinere bis größere Undichtigkeiten an Deck und Rumpf. Da sich ein Wiederaufbau des alten Katamarans wohl als Endlosbaustelle darstellt und der Kauf eines neuen Katamarans die Vereinskasse sprengen würde, habe ich nach langer Überlegung den Neubau angestoßen“, so Waltemade.

Fertiger Katamaran aus edlem Zedernholz

Mit Hilfe von Sponsoren und ein paar geschickten Händen bauen die Ruderkameraden rund um die beiden kommissarischen Bootswarte Stefan Waltemade und Ralf Bontrup somit seit über einen Monat einen eigenen Katamaran. Doch nicht irgendeinen. Wenn er fertig ist, besteht er aus edlem Zedernholz. „Ich bin mir sicher: wenn dieses Boot zwischen vielen anderen stehen wird, dann werden in neun von zehn Fällen alle sagen, dass unseres das Schönste ist“, ist sich Waltemade sicher.

Das Boot wird ab Sommer nahezug täglich die Leistungsruderer zwischen Gelsenkirchen und Herne auf dem Rhein Herne Kanal begleiten. Sechs Meter lang, zwei Meter breit, mit 1.100 Meter Holzleisten versehen und mit einem 15 PS starken Außenboarder ausgestattet. Seit dem 28. April bauen Waltemade, Bontrup und ein paar Nachwuchskräfte an dem Boot. Wie das genau funktioniert? Die beiden kommissarischen Bootswarte geben einen Einblick.

50 Quadratmeter Zedernholz

„Mit Hilfe von Ralf habe ich zunächst begonnen, mit vorhandenen „Altlasten“ eine sogenannte Helling für die Rümpfe auszusägen und auf einen circa sechs Meter langen Balken auszurichten, auf diese Schablone können Leisten aus Zedernholz angebracht werden und die Rumpfform kann ausgearbeitet werden“, erklärt Waltemade. Dabei bekamen die Bootsbauer 30 Quadratmeter Zedernholz von einem Sponsor. Weitere 20 Quadratmeter wurden auch noch selbst angeschafft. Das benötigte Werkzeug brachte Waltemade aus der eigenen Werkstatt mit. „Den benötigten Dickenhobel und die Tischfräse wurden zusätzlich auf meine Kosten gebraucht angeschafft und ein neuer Fräser für die noch zu fertigen Leisten dazu, damit wir mit dem Herstellen der benötigten Leisten beginnen konnten.“

Der kommissarische Bootswart, der erst seit letztem Jahr – dafür aber gleich mit seiner Frau und den beiden Töchtern – Mitglied im Verein wurde, versucht einen Einblick in die umfangreichen Arbeiten zu geben. „Das Holz ist Profilholz und hat Nut und Feder, die entfernt werden mussten. Danach wurde das übriggebliebene Brett in Latten mit den Maßen 11 x 33 Millimeter geschnitten. Um diese Latten auf der Helling ohne dicke Leimfugen verkleben zu können, mussten diese noch konkav/konvex gefräst werden. Durch die maximale Länge des Profilholzes von 3,66 Meter mussten dann die meisten fertigen Leisten über eine Schäftung miteinander verbunden werden, da wir eine Länge von mindestens sechs Meter für die beiden Rümpfe benötigen.“

5,5 Kilometer Holz über die Kreissäge und Tischfräse geschoben

Bereits zu Beginn hatte Waltemade mit Hilfe eines weiteren Kollegen aus 50 Quadratmeter Profilholz 1.100 Meter Leisten gemacht. In diesem Zustand war es allerdings noch nicht zu gebrauchen. „Also kam die Tischfräse zum Einsatz und wir frästen die eine Seite der Leisten konvex und die andere konkav. Also nochmal 2,2 Kilometer Kanten bearbeiten. Insgesamt wurden also 5,5 Kilometer Holz über die Kreissäge und Tischfräse geschoben. Was nach 15 Stunden Arbeit auch beendet war“, so Waltemade, der nicht ohne Grunde stolz von dem bisher Geleisteten berichtet. Immerhin haben Ralf Bontrup und er schon jeweils 200 Stunden gearbeitet. Mindestens dasselbe kommt noch einmal dazu, ehe in einigen Wochen das Gesamtergebnis stehen soll. Der Berg an Leisten, den die beiden bis dahin bearbeitet hatten, hatte schon einen Wert von 5.500 Euro. Geld, das der Verein sparen konnte.

„Danach konnten wir mit dem Beplanken endlich loslegen und die ersten Leisten zügig angnageln und mit Harz verleimen. Weil der alte Kat so viele Löcher hatte, dachten wir uns, dass es besser sei beim neuen schon einmal vorzubeugen. Der gesamte Rumpf erhielt durch das Annageln bereits circa 400 Löcher. Eine Woche später konnten wir den ersten Rumpf verschließen. Der zweite Rumpf wurde direkt begonnen und gleichzeitig der Mittelkiel für die Motorhalterung gefertigt“, erinnert sich Waltemade.

Die Neugier auf das Aussehen des ersten Rumpfes ließ Ralf Bontrup nicht los und es folgte eine Tiefenentspannung beim ersten Vorschliff des Rumpfes. „Das Ergebnis ist schon genial“, freuen sich beide und bekommen dabei das Grinsen nicht aus dem Gesicht. „Es folgten das Entformen und die Entfernung des überschüssigen Harzes auf der Innenseite, danach wurde der Heckspiegel verschönert. Der zweite Rumpf wird nun vorgeschliffen. Die Vorbereitungen der Decks sind im vollen Gange und das Laminieren von Innen mit Glasfaser wird vorbereitet!“
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